Ibiza-Detektiv sagt aus

Angebliches Kurz-Video sorgt für Aufregung

Bei der Befragung von Ibiza-Detektiv H. war das Strache-Video in der berühmten Finca gar nicht die einzige Aufnahme, die zum Thema wurde. Ein angebliches Video mit Kanzler Kurz interessierte die Abgeordneten fast noch mehr.

 

Wien, 08. April 2021 | Die Aufnahmen, die HC Strache zu Fall brachten, seien nicht aus Geldinteresse entstanden, versicherte Ibiza-Detektiv H. im U-Ausschuss. Das Motiv, weshalb er die Aktion gegen Strache unternahm, blieb während der Befragung dennoch recht nebulös. Die Vorwürfe gegen ihn – von Drogendeals zu Erpressung – seien konstruiert, beharrte H.

SOKO Türkis?

An der „Soko Ibiza“ ließ H. kein gutes Haar. Der Dektiv sprach von befangenen Ermittlern, Einfluss von Glückspiellobbyisten, Intrigen; offensichtlichen Verdachtsmomente würde die SOKO nicht nachgehen. Ibiza-Anwalt M. hatte den SOKO-Leiter und jetzigen Chef den Bundeskriminalamts Andreas Holzer schon 2015 mit kompromittierendem Material über Strache konfrontiert (ZackZack berichtete). Dass die Ermittler diesen Vorwürfen nicht nachgegangen waren, führt H. als Grund ins Feld, warum man das Ibiza-Video anfertigte. Nach der Veröffentlichung sei eine „Masse an Überwachungsmaßnahmen“ gegen ihn vorgenommen worden, private und staatliche Akteure, Ermittlungen wie in einem Terrorverfahren geführt worden. H. fühle sich vom Innenministerium bedroht. Holzer sei „kein neutraler Ermittler.“

Rund um Ibiza sei ihm auch „gedroht“ worden, damit er die SPÖ zu belaste. Weil er Repression befürchtete, richtete er kurz vor Veröffentlichung ein Schreiben an den Bundespräsidenten. Das war medial bereits bekannt, H. bestätigte das Schreiben. Das Kurz-Umfeld soll Gudenus vor der Videofalle gewarnt haben. Das habe der Ex-FPÖ-Politiker H. gesagt. Was erzählte Gudenus dem Ibiza-Detektiv noch so? Etwa von „Energielinien“, die sich in Ibiza kreuzen würden und von Außerirdischen, über die man als Politiker nicht reden dürfe. H. erzählte auch, wo Strache Bitcoins gekauft habe. Wie viel von der virtuellen Währung Strache möglicherweise besitzt, war allerdings kein Thema.

Ein anderes Video

H. war bereits Zeuge im deutschen Wirecard U-Ausschuss gewesen. Dort hatte er Gerüchte wiedergegeben, nach denen kompromittierende Videos von ÖVP-Politikern existieren sollen. Im Ibiza-Ausschuss entschlug er sich jedoch zu diesem Thema. Nur soviel: Ja, es gebe Videos rund um die Vorbereitung für die Nacht in der Finca. Zu weiteren Polit-Aufnahmen ließ sich H. aber kein Wort entlocken, was FPÖ-Fraktionsführer Christian Hafenecker sehr störte. Auch SPÖ-Krainer fragte nach dem geheimnisvollen Video: Es soll in den Räumlichkeiten von Kurz-Gastronom Martin Ho aufgenommen worden sein. Auch der Kanzler selbst soll darin zu sehen sein. Doch H. verweigerte auch bei Krainer eine Aussage dazu. Dass Krainer aus diesem Protokoll des deutschen Ausschusses zitierte, behagte der ÖVP ganz und gar nicht.

Auch ZackZack liegt das Protokoll aus Deutschland vor. Die von H. vorgebrachten Gerüchte wiegen schwer.

Der Ibiza-Detektiv erklärte seine Entschlagung in Österreich damit, dass er sich von der Bundesrepublik Deutschland, anders als von Österreich, nicht verfolgt fühle. Dass Österreich sich selbst als „gefestigten Rechtsstaat“ verstehe, während er behördlicher Willkür und befangenen Ermittlern ausgesetzt sei, bezeichnete H. als „unglaublich.“

Ob er vor vielen Jahren aber selbst etwa für das Bundeskriminalamt tätig war, wollte er nur in nicht öffentlicher Sitzung sagen. H. zeigte sich beachtlich informiert, was Personalien und Strukturen im Innenministerium angeht. Über die „Österreich-Russische Freundschaftsgesellschaft“, der neben den Wirecard-Bossen Markus Braun und Jan Marsalek auch österreichische Politiker unterschiedlicher Parteien angehörten, sagte H, man schreibe ihr „im In- und Ausland eine bedeutende Rolle“ innerhalb der Geheimdienste zu. (ot)

Titelbild: APA Picturedesk

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