Wie Thomas Schmid und Melanie Laure den ÖBAG-Schacher planten

Lange bevor der wichtigste Industriejob, den die Politik zu vergeben hat, überhaupt ausgeschrieben wurde, wusste Thomas Schmid schon, dass er ihn bekommen würde. Wie er die Übernahme der ÖBAG gemeinsam mit seiner engsten Mitarbeiterin plante, zeigen die Textnachrichten der beiden.

Wien, 08. April 2021 | Wahnsinn, Meli! Ab Jänner beginnt ein neues Leben. Thomas Schmid und seiner Mitarbeiterin, ÖVP-Politikerin Melanie Laure, steht eine große Veränderung bevor. Es ist kurz vor Weihnachten 2018 und die beiden sind sich bereits sicher, dass Schmid Alleinvorstand der ÖBAG werden wird, Herr über die Unternehmensbeteiligungen der Republik, Gesamtwert: Rund 26 Milliarden Euro.

Ausgeschrieben sollte die Stelle erst Monate später, am 21. Februar 2019 werden. Doch die Wochen vor dem Weihnachtsfest gehören bei Schmid und Laure schon ganz der Vorbereitung auf das neue Leben.

Am 15. Dezember 2018 schreibt Laure: Kann man noch gar nicht fassen, dass sich alles verändern wird. Schmid: Ja total. Geht dann alles total schnell. Laure: Wir haben nur noch 5 Arbeitstage bis Weihnachten – es geht jetzt schon so schnell. Wir brauchen diese ganzen Beschlüsse noch. Wir haben mit Bernhard die Timeline besprochen. Bernhard, das ist Bernhard Perner, damals mit Schmid und Laure im Finanzministerium, später Chef der COFAG – der Covid19-Finanzierungsagentur des Bundes. Mit ihm koordinieren Laure und Schmid unter anderem den Ausschreibungstext für Schmids Stelle. Er empfiehlt, “Internationale Erfahrung” als Kriterium in die Ausschreibung aufzunehmen. Schmid ist dagegen: Ich bin aber nicht international erfahren. Ich habe immer in Österreich gearbeitet. Es ist der 27. Dezember 2018. Am selben Tag fällt Laure ein: Wir brauchen dann ein sehr gutes Motivationsschreiben von Dir. Schmid will wissen: Wer schreibt das?

Laure ist dafür zuständig, die neuen Büroräumlichkeiten auszusuchen. Das geschieht in der zweiten Jahreshälfte 2018, wie Laure am Mittwoch auf die Fragen der Grünen-Abgeordneten Nina Tomaselli im Ibiza-Untersuchungsausschuss sagt. Am 31. Juli kümmert sich Laure laut Textnachricht an Schmid darum, ob eine Klimaanlage eingebaut werden könne. Auch der Chauffeur, der aus dem Finanzministerium in die ÖBAG mitkommen soll, wird ausgewählt. Ende August suchen Schmid und Laure bereits ihre künftigen Mitarbeiter. Schmid: Haben heute gute Leute interviewt. Das wird für jostl hart werden. Die Rede ist von Walter Jöstl, interimistischer ÖBAG-Chef. Schmid und Laure wollen ihn loswerden. Laure: Ich glaub den Walter müssen wir vorerst mitschleppen. Dann wegversorgen. Jöstl wird schließlich Chef der Finanzierungsagentur des Bundes, verwaltet also die Staatsschulden der Republik.

“Hi Sebastian”

Zurück in die Vorweihnachtszeit. Schmid: Hi Sebastian, freue mich sehr auf morgen. Thomas Schmid und Kanzler Sebastian Kurz treffen sich am 22. Dezember zum Abendessen und sprechen über Schmids neuen Job. Kurz: Freu mich auch. Wo sollen wir hingehen? Eventuell auch eine Kleingkeit essen? Kurz macht sich sogar die Mühe, selbst zu reservieren: Ich ruf dann später an.

Was wurde beim Abendessen besprochen? Tags darauf unterhalten sich Schmid und Laure darüber. Laure: Ist gestern dein Gespräch gut gelaufen? Schmid: Ja. Er überlegt noch. Aber er ist schon mühsam. Es fällt der berühmte Satz: Kurz scheisst sich voll an. Der Kanzler möchte, dass, Magna-Manager Sigi Wolf Aufsichtsratschef der ÖBAG wird. Schmid und Laure sind nicht begeistert, denn Wolf ist tief in die Eurofighter-Affäre verstrickt. Die beiden fürchten schlechte Presse. Laure: Ja aber seine Aussenwirkung kann er auch mal durchdenken wenn man den zum AR-Chef macht. Da muss Fleischmann viel argumentieren, damit das in einem super Licht erscheint. Die Rede ist vom Medienbeauftragten des Kanzlers, Gerald Fleischmann. Doch als NEOS-Abgeordneter Helmut Brandstätter Laure im U-Ausschuss danach fragt, behauptet sie, sie wisse nicht wer dieser “Fleischmann” sein könne. Am Ende wird dann nicht Wolf, sondern Helmut Kern, Leiter der Barmherzigen Brüder in Wien, Chef im ÖBAG-Aufsichtsrat.

Wenige Tage nach Weihnachten meldet sich ein bekannter ORF-Journalist bei Schmid: Lieber Thomas! Gratulation! 🍾🍾🍾🍾🍾🍾🍾🍾🍾🍾 wusste nicht, dass du schon bestellt bist! Toll! Der Journalist reagiert damit auf erste Medienberichte, die Schmid auf seinem Posten als gesetzt sehen. Der ist nicht begeistert. Das schadet mir total – werde ja erst Anfang Jänner ausgeschrieben. Tasächlich sollte es bis zur Ausschreibung noch ein paar Wochen länger dauern. Am 09. Jänner 2019 meldet sich ein EVN-Manager bei Schmid: Bist du jetzt schon formell im Amt? Ist er nicht: Muss ausgeschrieben werden 🙂.

Der Leistungsgedanke im Vordergrund

Schmid kann mit Wolf als Aufsichtsratschef echt auch leben, will aber im Gegenzug etwas von Kurz: Solange ich überall den Aufsichtsratschef machen kann. Gemeint sind die Aufsichtsräte der ÖBAG-Unternehmen. Kurz wird mulmig bei dem Gedanken, dass Schmid – ein Pressesprecher ohne jede Erfahrung in der Wirtschaft – so viel Einfluss in den Schlüsselindustrien des Landes bekommen soll. Schmid: Er meinte ob mir omv nicht zu zach ist. Aber er unterstützt es. Laure hält ihrerseits wenig vom Wirtschaftsverständnis des Kanzlers: Wie soll er das bewerten können? Am Ende erfüllt Kurz alle Wünsche Schmids. Am 13. März 2019, zwei Wochen vor der Bestellung Schmids durch den Aufsichtsrat, schreibt der Bundeskanzler: Kriegst eh alles was du willst 😘😘😘. Schmid: Ich bin so glücklich :-)))). Ich liebe meinen Kanzler 👍👍💪💪.

Schmid wird ÖBAG-Alleinvorstand und Aufsichtsrat bei Verbund, OMV, Bundesimmobiliengesellschaft und Telekom. Laure übernimmt die Kommunikationsabteilung des ÖBAG und wird Geschäftsführerin der Immobilien und Industriebeteiligungen GmbH (IMIB), eines Tochterunternehmens der ÖBAG. Die in der Ausschreibung für den Job geforderten Qualifikationen bringt sie nicht mit, wie NEOS-Abgeordnete Steffi Krisper im U-Ausschuss festellt. Laure in einem Wahlkampfvideo 2013: Für mich ist wichtig, dass der Leistungsgedanke wieder in den Vordergrund gestellt wird. Deshalb wähle ich die ÖVP und unterstütze Sebastian Kurz.

(tw)

Titelbild: APA Picturedesk

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