Mehr als 1 Milliarde Fake-Impfdosen im Umlauf

Die organisierte Kriminalität macht in der Krise gute Geschäfte: Insolvente Restaurants als Geldwäschereien, illegaler Impfstoffhandel, gefälschte Impfstoffe.

 

Wien, 13. April 2021 | Man kommentiere keine Einzelfälle, um etwaige Ermittlungen nicht zu torpedieren und Vertraulichkeit zu sichern. Das sagt das Europäische Amt für Korruptionsbekämpfung OLAF auf ZackZack-Nachfrage. Man gehe aber derzeit von über einer Milliarde Fake-Covid-Impfdosen aus, die sich im Umlauf befänden. Jüngsten Medienberichten zufolge soll die Zahl bereits auf 1,1 Milliarde angestiegen sein. Das bedeutet ein Angebotspreisvolumen von insgesamt mehr als 15 Milliarden Euro – an allen offiziellen Verträgen vorbei. Rosige Zeiten für die organisierte Kriminalität.

Anzeigen wegen Betrugs oder Schmuggels betreffend Österreich wollte auch Pfizer Global nicht bestätigen. Aber: „Kein Pfizer/Biontech-Impfstoff ist am freien Markt verfügbar“, lässt der Hersteller auf Anfrage ausrichten. Seit einiger Zeit betonen die Hersteller wiederholt, ausschließlich Verträge mit Staaten geschlossen zu haben. Gerade der durch die Pandemie begünstigte Anstieg von E-Commerce und Onlineangeboten sei, was Impfstoffe angeht, mit Vorsicht zu genießen. „Patienten sollten niemals online Impfstoff beziehen“, so ein Sprecher von Pfizer. Die am Schwarzmarkt befindlichen Dosen dürften also zum Gutteil gefälschte Stoffe sein.

Riesiger Markt für Fake-Dosen

Immer wieder gab es Berichte über einen florierenden Impfstoffmarkt, der so gar nicht existieren sollte. Anfang Jänner dieses Jahres berichteten mehrere ukrainische Medien, dass es Ermittlungen wegen Impfstoffschmuggels aus Israel in die Ukraine gebe. Dort sollen Vakzine für 3.000 Euro pro Dosis angeboten worden sein – von Privatkliniken auf eigene Faust. Präsident Wolodymyr Selenskyj wies daraufhin die Behörden an, dem nachzugehen. Israel wies die Spekulationen zurück: „Impfstoffe brauchen starke Kühlung. Es ist unmöglich, sie unbemerkt zu transportieren“, so Gesundheitsminister Juli-Joel Edelstein. Die normale Kühlkette des Pfizer/Biontech-Vakzins liegt bei minus 60 bis minus 80 Grad Celsius, für zwei Wochen könne man aber auch schon bei minus 15 bis minus 20 Grad lagern, so Renée Gallo-Daniel, Sprecherin von Pfizer Österreich. Der Transport sei komplex, für sechs Stunden würde es reichen, das Vakzin bei plus zwei bis 30 Grad aufzubewahren. „Innerhalb dieser sechs Stunden muss aber verimpft werden“, so Gallo-Daniel weiter.

Mit eines der begehrtesten Güter unserer Zeit: der Pfizer/Biontech-Impfstoff “COMIRNATY”. Bild: APA Picturedesk.

Ein Schmuggel außer Landes dürfte sich also schwierig gestalten, unmöglich ist er nicht. Gerade der beim Impfweltmeister Israel überschüssige Stoff ist für illegalen Handel attraktiv. Pfizer Global betont, man habe forensische Spezialisten und beobachte derartige Entwicklungen genau, um die Integrität und Sicherheit des eigenen Impfstoffes zu wahren. Dass der Impfstoffhandel floriert, ist nicht neu. Der „Standard“ berichtete über ein ominöses Angebot von fünf Millionen Extra-Impfdosen für Österreich, das drei deutsche Geschäftsleute unterbreitet hätten. Bei der Frage nach der Herkunft der Dosen sagte einer der Vermittler: „Kein Kommentar“.

Mafia-Bedrohung noch nie so groß

Erst gestern berichtete die internationale Presse über eine neue Analyse der europäischen Polizeibehörde Europol. Die Behörde kommt darin zum Schluss, dass die Bedrohung von organisierter Kriminalität in der EU noch nie so groß gewesen sei wie derzeit. Umfassend analysierte man auch die Professionalität, mit der Mafiabanden auf die Pandemie reagiert hätten. Diese würden es zum Beispiel auf Restaurants, die in der Krise in Konkurs gegangen seien, absehen. Ideale Beute für Geldwäsche, die Gastronomie ist eine dafür traditionell anfällige Branche. Hinzu komme die bereits genannte Gefahr der Fälschung von Impfstoffen und Medikamenten, sowie die sexuelle Ausbeutung von Kindern im Internet.

Deutlich wird in der Analyse auch die immer engere Verzahnung von Unterwelt und legaler Geschäftswelt. Die Mafia-Netzwerke seien professionell organisiert, sehr oft wie normale Unternehmen. 80 Prozent nutzen legale Geschäftsstrukturen, mehr als 60 Prozent üben systematisch Korruption aus. Die Geldwäsche sei bestens organisiert, das parallele Finanzsystem der Unterwelt schwer zu knacken.

(wb)

Titelbild: APA Picturedesk

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