Heimwärts:

US-Truppen sollen Afghanistan endgültig verlassen

Präsident Biden kündigt am Mittwoch den Abzug aller US-Truppen aus Afghanistan an. Am 11. September sollen die letzten Soldaten das Land verlassen.

Washington/Kabul, 14. April 2021 | Es ist ein symbolisches Datum. Am 11. September 2021, 20 Jahre nach den Anschlägen auf das World Trade Center, sollen die letzten US-amerikanischen Soldaten Afghanistan verlassen.

Unter der Führung von vier Präsidenten hatten amerikanische Soldaten in dem zentralasiatischen Land gekämpft, das zum Symbol des “Kriegs gegen den Terror” geworden war. Schon oft wurde der endgültige Abzug angekündigt, nun soll es wirklich so weit sein. Am Mittwoch will US-Präsident Joe Biden den Abzug der letzten Truppen im Herbst verkünden.

Sie hinterlassen ein Land, das bei Weitem nicht befriedet ist. Im Gegenteil: US-Geheimdienste warnten den Kongress nach Bekanntwerden von Bidens Plan. Die von den USA unterstützte Regierung in Kabul werde den Taliban ohne Hilfe ihrer Verbündeten nicht standhalten können.

Noch 2.500 amerikanische Soldaten im Land

Schon Donald Trump hatte versucht, die amerikanischen Truppen noch vor seinem Amtsende abzuziehen. Rund 2.500 befinden sich aber noch im Land. 2011 hatte das Engagement des US-Militärs seinen Höhepunkt erreicht. Etwa 100.000 amerikanische Soldaten waren zu diesem Zeitpunkt in Afghanistan stationiert gewesen. 2.400 davon sind gefallen.

Der Versuch, Afghanistan zu befrieden, ist für die USA fehlgeschlagen. Es gäbe “keine militärische Lösung für die Probleme, die Afghanistan heimsuchen”, sagte ein hochrangiger US-Vertreter zur Nachrichtenagentur Reuters. Anthony Cordesman vom “Center for Strategic and International Studies” in Washington sagte: “Es gibt keinen guten Weg für die USA, sich aus Afghanistan zurückzuziehen. Sie können keinen Sieg beanspruchen und sie können nicht endlos auf eine Form von Scheinfrieden warten.”

Der republikanische Fraktionsführer im US-Senat, Mitch McConnell, warf Biden vor, die Flucht zu ergreifen. Es sei ein “schwerer Fehler”, die Truppen zu diesem Zeitpunkt heimzuholen. Der Abzug gefährde Antiterroroperationen und die afghanische Zivilbevölkerung. Insbesonder Frauen würden unter dem Abzug der Amerikaner leiden, befürchteten republikanische Kongressabgeordnete.

Vier Jahrzehnte Krieg

Afghanistan befindet sich seit Ende der 1970er-Jahre praktisch durchgehend im Kriegszustand. 1979 intervenierte die Sowjetunion in dem Land am Hindukusch, um eine mit ihr verbündete Konfliktpartei im Land zu unterstützen. Die USA belieferten ihre Gegner mit Waffen und bildeten sie aus. Als die Sowjetunion zehn später ihre Truppen abzog, ging der Bürgerkrieg, begleitet von ständigen Terrorakten gegen die Zivilbevölkerung, weiter.

Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 starteten die USA ihre Militäroperation “Enduring Freedom”. Sie hatte zum Ziel, die islamistischen Taliban zu stürzen, die die Terrororganisation Al-Qaida unterstützten. Obwohl die Taliban den USA und ihren lokalen und westlichen Verbündeten militärisch weit unterlegen waren, gelang es den USA nicht, das Land dauerhaft zu befrieden.

Laut Weltfriedensindex ist Afghanisatn heute das gefährlichste Land der Welt. Die meisten Afghanen haben nie im Frieden gelebt. Österreich schiebt dennoch Menschen nach Afghanistan ab und sorgt damit für regelmäßige Kritik von Menschenrechtsorganisationen.

(tw)

Titelbild: APA Picturedesk

Lesen Sie auch

3 Kommentare
Neueste
Älteste Meisten Bewertungen
Inline Feedbacks
Zeige alle Kommentare

Folge einem manuell hinzugefügten Link
Link zu: Politik

Scharfe NEOS-Kritik an Schmid-Ersatz Catasta

Scharfe Kritik kommt von NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger an der ÖBAG-Schmid Ersatz-Chefin Christine Catasta. Diese hatte in den Raum gestellt, dass doch jeder derartige Chats, wie Schmid, am Handy hätte.

Maskenpflicht am Sitzplatz fällt in allen Schulen

Ab Dienstag fällt an allen Schulen die Maskenpflicht am Sitzplatz. Das gaben Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) und Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) am Samstag in einer Aussendung bekannt.
Link zu: MeinungLink zu: Leben

Freitagabend am Karlsplatz: Zwischen ACAB und moderatem Verständnis

Das Verhältnis zwischen Polizei und jungen Leuten ist nach der Räumung des Karlsplatzes angespannt. Gestern zeigte die LPD Wien verstärkt Präsenz, ließ die Feiernden aber gewähren. Beide Seiten gingen sich aus dem Weg und es wurde ein friedlicher, langer Juniabend.  

Freitagabend am Karlsplatz: Zwischen ACAB und moderatem Verständnis

Das Verhältnis zwischen Polizei und jungen Leuten ist nach der Räumung des Karlsplatzes angespannt. Gestern zeigte die LPD Wien verstärkt Präsenz, ließ die Feiernden aber gewähren. Beide Seiten gingen sich aus dem Weg und es wurde ein friedlicher, langer Juniabend.  

Dazu brauchen wir eure Unterstützung:

im ZackZack-Club.

Kurz attackiert ZackZack!

Wir bleiben dran: in Wien,

Ibiza und Mallorca.

Schließen