Schwein in Mülltonne vor Kanzleramt

Protestaktion nach Skandal-Video

Tote, bereits verwesene Ferkel, entsorgt in Mülltonnen wie stinknormaler Abfall – die kürzlich vom “Verein gegen Tierfabriken” veröffentlichten Bilder und Videos einer Schweine-Zucht in Niederösterreich schockieren das ganze Land. Am Mittwoch brachten Aktivisten das Leid der Tiere bis direkt vors Bundeskanzleramt.

Wien, 14. April 2021 | Diese Aufnahmen sind nichts für schwache Nerven. Sie zeigen die grausamen Zustände, unter denen Schweine in einem niederösterreichischen Zuchtbetrieb tagtäglich leben müssen. Eingepfercht in Kastenständen vegetieren die Tiere im eigenen Dreck, ihre Gelenke sind schwer entzündet und schmerzen aufgrund des Vollspaltenbodens – der Großteil kann sich daher kaum noch auf den Beinen halten.

Video: Youtube/VGT.Austria

Diesen schweren Fall von Tierquälerei hat der “Verein gegen Tierfabriken” (VGT) letzte Woche mit diesem Video aufgedeckt. Die jungen Ferkel werden in diese Hölle hineingeboren, überleben oft nicht länger als ein paar Tage. Entsorgt werden sie daraufhin in einfachen Mülltonnen, wie weitere Bilder zeigen.

Betreiber war Funktionär in ÖVP-Bauernbundjugend

Der Betreiber der Skandal-Zucht war laut Angaben des VGT über mehrere Jahre in der Jungbauernschaft Niederösterreich als Obmann tätig. Bis 2016 war er sogar Mitglied im Präsidium der Bundes-Jungbauernschaft. Die Jungbauernschaft ist die Jugend-Organisation des Bauernbundes, der wiederum Teilorganisation der ÖVP ist.

Seit 2011 ist die Haltung von Schweinen in körpergroßen Käfigen, auch Kastenstände genannt, verboten. Einzige Ausnahme sind maximal zehn Tage zur Befruchtung. Die Schweinezucht-Industrie versuchte, das Gesetz des damaligen Gesundheitsministers Alois Stöger (SPÖ) mit aller Macht zu verhindern. Mit dabei war jener Bauernbund-Funktionär, den die Aufnahmen des VGT jetzt belasten.

Bilder: VGT

Es ist nicht das erste Mal, dass ehemalige Funktionäre des Bauernbunds und seiner Jugend sich eindeutig gegen den Tierschutz stellen. 2014 bezeichnete der damalige ÖVP-Nationalratsabgeordnete Johannes Schmuckenschlager den VGT als “kriminelle Organisation”. Schmuckenschlager war der direkte Vorgänger des aktuell kritisierten Betreibers im Amt des niederösterreichischen Jungbauernschafts-Obmanns.

Protestaktion vor Kanzleramt

Um in erster Linie ein Verbot für den tierfeindlichen Vollspaltenboden zu fordern, versammelten sich am Mittwoch Aktivisten des VGT vor dem Bundeskanzleramt am Wiener Ballhausplatz. Eine als Schwein verkleidete Person, stehend in einer Mülltonne, und ein Transparent mit dem Schriftzug “Frau Ministerin Köstinger, wann bekommen Schweine endlich Stroh?” halfen bei der Protestaktion, um das Leid der Tiere deutlich zu machen.

Bilder: ZackZack

So sterben laut Angaben des VGT pro Jahr 700.000 Schweine in Österreich an den Haltungsbedingungen auf Vollspaltenboden. Es gäbe Abhilfe dagegen: das Verbot des Vollspaltenbodens, verbunden mit verpflichtender Stroheinstreu und mehr Platz für die Tiere, wurde vom am Dienstag zurückgetretenen Tierschutzminister Rudi Anschober (Grüne) vorgeschlagen, aber von Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) bis jetzt blockiert. Der Verein fordert das Verbot seit mehr als 25 Jahren, wurde bis jetzt laufend vertröstet. Es liege jetzt am neuen zuständigen Minister, Wolfgang Mückstein, hier endlich was weiterzubringen.

“Der neue Tierschutzminister Mückstein muss daher sofort handeln und die schon seit langem versprochenen Novellen im Tierschutzrecht auf Schiene bringen. Die Schweine, die ewigen Verlierer jeder Tierschutzreform, warten darauf seit fast 30 Jahren!”,

so VGT-Obmann Martin Balluch in einer Aussendung.

Hier können Sie mehr über die Arbeit der Tierschützer vom VGT und über die Missstände in den Zucht-Betrieben erfahren.

(mst)

Titelbild: ZackZack

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