MAN-Steyr: Jetzt kommen die Kündigungen

Nach der gescheiterten Übernahme durch Sigi Wolf macht MAN seine Drohungen wahr: Im Werk Steyr werden erste Mitarbeiter abgebaut.

Steyr, 15. April 2021 | Die MAN-Zentrale in München hat eine Woche nach dem Nein der Belegschaft zur Übernahme des Standorts Steyr durch Investor Siegfried Wolf Schritte zur Schließung des Werks eingeleitet. “Als eine der ersten Maßnahmen werden wir die Anzahl der Leiharbeitnehmer am Standort von 278 in den nächsten Wochen um zunächst rund die Hälfte reduzieren. In einem weiteren Schritt werden wir uns auch von den übrigen Leiharbeitnehmern trennen”, hieß es aus München. Dabei hatte MAN für das Werk eine Standortgarantie bis 2030 abgegeben. Diese Garantie hatte MAN als Gegenleistung für die Bereitschaft der Arbeiter zu flexibleren Arbeitszeiten mit dem Betriebsrat vereinbart. Ob die Belegschaft diese Übereinkommen gerichtlich durchsetzen kann, ist unklar. Es gab bisher in Österreich keinen vergleichbaren Fall.

MAN: “Setzen Schließung konsequent um”

Die Mitarbeiter hatten einen Übernahmenahmeplan abgelehnt, den viele als Epressungsversuch gedeutet hatten. Obwohl das Werk profitabel ist, sollte die Belegschaft von 2.300 auf 1.250 Personen schrumpfen. Die verbleibenden Mitarbeiter sollten auf 15 Prozent Lohn verzichten. In einer Abstimmung etnschieden sich zwei Drittel der Arbeiter gegen diesen Vorschlag. MAN sieht keine Alternative: Ziel sei gewesen, das Werk unter einem neuen Eigentümer mit einer neuen Perspektive zu erhalten. Nachdem dieser “Plan A” abgelehnt worden sei, “setzen wir jetzt den angekündigten ‘Plan B’ der Schließung konsequent um. Einen ‘Plan C’ gibt es nicht”, stellte der Konzern klar. Zudem beginnen Verhandlungen über den Sozialplan, da der bisherige an eine Übernahme durch Investor Sigi Wolf geknüpft war. Eine entsprechende Einladung wurde der Arbeitnehmervertretung überstellt.

Sigi Wolf hatte geplant, das Werk in Steyr mit seiner WSA Beteiligungs GmbH zu übernehmen. Es sollte künftig mit der GAZ-Fahrzeugherstellergruppe des russischen Oligarchen Oleg Deripaska zusammenarbeiten. Wolf ist als ehemaliger Magna-Manager tief in die Korruptionsvorwürfe um die Eurofighter-Anschaffung des österreichischen Bundesheers verstrickt. Laut Textnachrichten zwischen ÖBAG-Vorstand Thomas Schmid und seiner Mitarbeiterin L. war Wolf Wunschkandidat von Bundeskanzler Sebastian Kurz als Chef des ÖBAG-Aufsichtsrats. Dieser Plan sei am zu erwartenden politischen Widerstand gegen Wolf gescheitert.

(APA/tw)

Titelbild: APA Picturedesk

Lesen Sie auch

14 Kommentare
Neueste
Älteste Meisten Bewertungen
Inline Feedbacks
Zeige alle Kommentare

Folge einem manuell hinzugefügten Link
Link zu: Politik
Link zu: MeinungLink zu: Leben

»Gaffen tötet« – Rettungssanitäter wollen Schaulustige abschrecken

Immer wieder behindern Schaulustige die Arbeit von Rettungskräften. Die Johanniter wollen Fotos von Unfällen künftig verhindern – mit einem speziellen QR-Code auf ihren Fahrzeugen. In Berlin soll das Projekt getestet werden. ZackZack hat mit dem Landesvorstand gesprochen.

Dazu brauchen wir eure Unterstützung:

im ZackZack-Club.

Kurz attackiert ZackZack!

Wir bleiben dran: in Wien,

Ibiza und Mallorca.

Schließen