Erdogan verbietet Zahlungen mit Bitcoin

Inflationskrise sorgt für “nächtliche Dummheit”

Weil die Lira massiv unter Druck steht und immer mehr Türken ihr Geld in Bitcoins umtauschen, unternimmt die türkische Zentralbank einen Versuch, Kryptowährungen unter Kontrolle zu bekommen. Zahlungen mit Bitcoin sind ab Mai verboten. Von der Opposition gibt es Häme.

Wien, 16. April 2021 | Die Türkei unternimmt einen Versuch, Kryptowährungen unter Kontrolle zu bringen. Zahlungen mit Digitalgeld wie Bitcoin sollen ab 30. April verboten werden, das geht aus einem Amtsblatt der Regierung am Freitag hervor. Zahlungen mit Kryptos sollen dann verboten sein, der Besitz von Bitcoin und Co. scheint dagegen nicht betroffen zu sein.

Bitcoin-Nachfrage in der Türkei explodiert

Der Versuch der Türkei, Kryptowährungen zu regulieren, kommt nicht überraschend. Durch die hohe Inflation und die Schwäche der Lira wechselten immer mehr Menschen ihre Lira gegen Bitcoin. Die digitale Leitwährung gilt als Absicherung gegen Geldentwertung. Das Krypto-Handelsvolumen belief sich im Zeitraum Februar bis 24. März auf 218 Milliarden Lira. Im vergangenen Jahr betrug das Volumen im selben Zeitraum nur sieben Milliarden Lira. Das berichtet die Nachrichtenagentur „Reuters.“

Im Gegensatz zur Lira und zu anderen Währungen stieg der Bitcoinpreis zuletzt stark an. Aktuell wird ein Bitcoin bei über 60.000 Dollar (51.000 Euro) gehandelt. Dagegen betrug die Inflationsrate der Lira im vergangenen Jahr über 16 Prozent. Alleine im letzten Monat stieg der Wert des Bitcoins um 20 Prozent.

Im Amtsblatt heißt es:

“Zahlungsdienstleister werden nicht in der Lage sein, Geschäftsmodelle so zu entwickeln, dass Krypto-Assets direkt oder indirekt für die Bereitstellung von Zahlungsdiensten und die Ausgabe von E-Geld verwendet werden können.“

Einem Geschäftsmodell wie jenes von Tesla, das US-Kunden nun den Kauf der E-Autos mit Bitcoins erlaubt, wird in der Türkei ein Riegel vorgeschoben.

Nächtliche Dummheit

Der Oppositionsführer Kemal Kilicdaroglu nannte die Entscheidung einen weiteren Fall von “Mitternachtsmobbing” und bezog sich dabei auf die Entscheidung von Präsident Erdogan im vergangenen Monat – angekündigt in einem Mitternachtsdekret – den Gouverneur der Zentralbank zu entlassen.

“Es ist, als müssten sie nachts Dummheit begehen”, sagte er auf Twitter in Richtung Erdogan.

Zuletzt unternahm Nigeria einen Versuch, Bitcoin aus dem Land zu vertreiben Das Land besitzt einen der größten Kryptomärkte Afrikas und sieht seine nationale Währung ebenfalls stark unter Druck. Nachdem man das digitale Geld verbieten wollte, stiegen sowohl Nachfrage als auch Preis. Mittlerweile hat die Regierung ihre Pläne wieder aufgegeben.

(ot)

Titelbild: APA Picturedesk

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