Orban will Kommunisten-Uni nach Budapest holen

Kaderschmiede für Xi Jinping?

Die Soros-Universität wurde von Viktor Orban aus Budapest vertrieben. Jetzt will er stattdessen  die chinesische Fudan-Unversität in die ungarische Hauptstadt holen. Die Opposition rebelliert gegen die Pläne. Die Uni gilt als kommunistische Kaderschmiede.

Wien/Budapest, 19. April 2021 | Treue Kaderschmiede der Kommunistischen Partei Chinas oder westliche Elite-Universität? Diese Frage stellten ungarische Medien hinsichtlich eines geplanten Baus des ersten europäischen Campus der Shanghaier Fudan-Universität in Budapest, der 2024 eröffnet werden soll. Finanzieren will die ungarische rechtsnationale Regierung von Premier Viktor Orban das Projekt mit chinesischen Krediten.

Widerstand gegen Pläne

Die Opposition erhebt scharfe Proteste gegen die Pläne. Diese würden ernsthafte Sicherheitsrisiken nicht nur für Ungarn, sondern auch für die gesamte EU und die NATO in sich bergen, warnen Oppositionspolitiker. In der Charta der Fudan-Universität sei die Kontrolle der Kommunistischen Partei über die Universität ebenso festgeschrieben wie die Achtung der sozialistischen Grundwerte und die Pflicht der Dozenten, den Bildungszielen der Partei Folge zu leisten, kritisiert das Onlineportal “444.hu”.

Der linksliberale Budapester Oberbürgermeister Gergely Karacsony droht gar mit der Absage der Leichtathletik-WM 2023 in Budapest, wenn sich die Regierung für den Bau der chinesischen Universität und nicht für die Errichtung der auf dem Gelände im neunten Budapester Stadtbezirk geplante “Student City” entscheidet.

Diese Studentenstadt mit mehr als 8.000 Wohnheimplätzen galt als Bedingung dafür, dass die Hauptstadt der Errichtung des Leichtathletik-Stadions und der Austragung der WM zustimmt. Karacsony betonte, das günstige Wohnen ungarischer Studenten sei wichtiger als das “dienerhafte Assistieren zur chinesischen Einflussnahme mit ungarischen Steuergeldern”.

Der Bau der Filiale der Fudan-Universität für 5.000 Studenten soll laut Bericht des Onlineportals “direkt36.hu” umgerechnet 1,5 Milliarden Euro kosten, wobei vorwiegend chinesische Arbeitskräfte und Baumaterial aus China zum Einsatz kommen sollen.

Orban Freund der Kommunistischen Partei

Orban bemüht sich seit Jahren um enge Beziehungen zu China und vereinbarte Investitionen, wie etwa die Modernisierung der Bahnverbindung Budapest-Belgrad in Höhe von 700 Milliarden Forint (1,94 Mio. Euro). Im Zusammenhang mit der Pandemie kaufte Ungarn Schutzausrüstungen und Beatmungsgeräte von Peking. Außerdem war Ungarn das erste EU-Land, das chinesische Impfstoffe einsetzte.

Kanzleiminister Gergely Gulyas erklärte jüngst in der Debatte mit Budapest, die Studentenstadt werde neben der Fudan-Universität errichtet. Die Führung des betroffenen Stadtbezirkes forderte eine Volksabstimmung zum Thema. Die Opposition kritisiert die Pläne für die chinesische Universität auch vor dem Hintergrund, dass die Orban-Regierung jüngst die namhafte, von George Soros finanzierte, Central European University (CEU) aus Ungarn nach Wien verdrängt hat.

(apa/ot)

Titelbild: APA Picturedesk

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