Hunderttausende Jobs auf der Kippe

Handelsbranche warnt vor Wirtschaftseinbruch

Der Handel liegt am Boden. Branchenvertreter appellieren an die Politik, es drohe Massenarbeitslosigkeit. Arbeitsminister Kocher ist dagegen optimistisch.

Wien, 20. April 2021 | Der monatelange Lockdown hat große Teile der heimischen Handelsbranche wirtschaftlich sehr hart getroffen. “Hunderttausende Jobs stehen auf der Kippe”, warnte Handelsverband-Präsident Stephan Mayer-Heinisch am Dienstag bei einer Online-Veranstaltung.

Liquidität benötigt

Die Handelsbranche hat große Bedeutung für den heimischen Arbeitsmarkt. Rund 600.000 der 3,68 Millionen unselbstständig Beschäftigten in Österreich arbeiten im Einzel-, Groß- und Kfz-Handel. Ende März waren knapp 64.000 Menschen auf Jobsuche, die zuvor im Handel gearbeitet hatten.

Der Handelsverband-Präsident appellierte an die Politik, die Wirtschaftshilfen noch schneller und unbürokratischer auszuzahlen. Bald seien wegen des Urlaubsgeldes wieder doppelte Gehälter fällig. Vor allem die von der Coronakrise besonders betroffenen Betriebe im Bereich Mode-, Schuh- und Schmuckhandel würden dringend Liquidität benötigen.

Außerdem forderte Mayer-Heinisch “eine klare Strategie” bei den Öffnungen in den nächsten Monaten und bei der Kurzarbeit. “Wir brauchen für unsere 600.000 Mitarbeiter Planungssicherheit. Langfristig kann man nicht im Nebel fliegen”, sagte der Handelsverband-Präsident. Erneut fordert er eine Digitalsteuer, um die Steuerfairness zwischen heimischen Händlern und internationalen Online-Konzernen herzustellen. Amazon gilt als der große Profiteur der Lockdowns.

Kocher optimistisch

Arbeitsminister Martin Kocher (ÖVP) sieht den Handel nach Ende der Lockdowns wieder im Aufwind. Arbeitsminister Kocher verwies beim Online-Handelskolloquium des Handelsverbands auf die stark gestiegene Sparquote in Österreich und einen Konsumstau.

Wegen gesperrten Geschäften, Gastronomie- und Hotelleriebetrieben hätten die heimischen Verbraucher deutlich weniger konsumiert. “Das wird sich irgendwann auflösen. Der Konsum wird ansteigen”, sagte Kocher. Der erwartete Anstieg der Konsumausgaben werde sich positiv auf Gastronomie, Handel und Tourismus auswirken. Ähnlich argumentiert auch Kanzler-Beraterin Antonella Mei-Pochtler. Die Menschen hätten nicht zu wenig Geld, sie könnten es nur nicht ausgeben.

(apa/ot)

Titelbild: APA Picturedesk

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