Neuer Plan für Lesbos-Geflüchtete

“Bewusste Grausamkeit” beenden

Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz im Presseclub Concordia haben Vertreter der Zivilbevölkerung und NGOs die katastrophalen Zustände für Geflüchtete auf Lesbos kritisiert. Die von der Regierung propagierte „Hilfe vor Ort“ sei nie angekommen. Plätze in Österreich gäbe es genug.

 

Wien, 23. April 2021 | Einen dringenden Aufruf zur geordneten Aufnahme von Geflüchteten von der griechischen Insel Lesbos haben am Freitag Vertreter unterschiedlicher NGOs gestartet. Der Plan der „geordneten Rettung“ sieht vor, bevorzugt schutzbedürftige Personen mit positivem Asylstatus sicher und strukturiert nach Österreich zu bringen. Hilfsbereitschaft und Plätze seien ausreichend vorhanden. Doch bis jetzt untersagt die Regierung mit ihrer Blockadehaltung in Sachen Flucht die Hilfe in Österreich – zum Ärger der hilfsbereiten Personen und Organisationen.

Not von Kindern groß

Besonders für Kinder im Lager Kara Tepe seien die Zustände unzumutbar. Allein im letzten Jahr gab es rund 50 Suizidversuche von Kindern, die unter den schrecklichen Bedingungen kein Licht am Ende des Tunnels mehr sahen. Herr Wolfmayr von der Solidarregion Weiz bemühte sich zusammen mit Personen aus der steirischen Zivilgesellschaft um die Aufnahme eines kranken Kindes. Vergebens – das Außenministerium verwies ihn auf die „Hilfe vor Ort“.

Hilfe vor Ort kaum existent

An den lebensverachtenden Bedingungen hat sich jedoch seit über einem halben Jahr nichts geändert. Von den angeblich 400 vom Innenministerium zur Verfügung gestellten Zelten sind lediglich 25 angekommen. Die dringend benötigten Heizungen können aufgrund mangelnder Starkstromaggregate nicht in Betrieb genommen werden.

Die NGOs fordern daher ein Ende der nicht funktionierenden Hilfe vor Ort:

„Es gibt keinen Plan B – dieses Lager muss evakuiert werden“, meint etwa Frau Moser von der Diakonie.

Geordnete Rettung

Um wenigstens einigen Geflüchteten auf Lesbos eine Perspektive zu bieten, präsentierten die Vertreter der NGOs das Konzept der „Geordneten Rettung“. Demnach sollen ausgewählte Familien mit positivem Asylstatus sicher in Österreich angesiedelt werden. Das würde die gefährliche illegale Migration samt Schleppern unterbinden und allen Seiten Planungssicherheit geben.

Doch der Wille der Helfenden scheitert bislang an der „kategorischen Mauer des Neins“ der Bundesregierung, wie Frau Hasibeder von der Katholischen Aktion Oberösterreich es formuliert. Frau Stemberger von der Initiative „Courage“ richtet der Bundesregierung daher aus: “Lassen Sie uns endlich Menschen retten, und zwar jetzt.”

Moser sprach zudem von einer absichtlichen Politik der Abschreckung: „Die Aufrechterhaltung der katastrophalen Zustände sind gewollt“, so die Vertreterin der Diakonie. Wolfmayr sah darin eine „bewusste Grausamkeit“ der Bundesregierung.

Die Migrationsexpertin Judith Kohlenberger sprach im Zusammenhang mit der „Geordneten Rettung“ von einer „Sicherheitspolitik, die diesen Namen verdient hat.“

Die Gespräche mit der Regierung für die geordnete Rettung laufen bereits. Eines ist für Frau Hasibeder aber klar: „Wir werden einen langen Atem brauchen. Aber den haben wir!“

(dp)

Titelbild: APA Picturedesk

Lesen Sie auch

18 Kommentare
Inline Feedbacks
Zeige alle Kommentare
Strongsafety
24. 04. 2021 6:53

Die Reaktionszeit seit 2015 ist ja auch grandios. Schön die nächste Ankündigung zu hören. Versager.

nikita
23. 04. 2021 23:23

Ich bin inzwischen unfähig zu dem Thema Flüchtlinge etwas zu kommentieren. Dieses unerträgliche Leid und Elend der Menschen und diese Unmenschlichkeit dieser Regierung schnürt mir nur mehr den Hals zu.
Und speziell für die Grünen:
“Packts zam und schleichts eich, ihr seids da gleiche Abschaum wie die Türkisen”.

diinzs
24. 04. 2021 1:11
Antworte auf  nikita

nikita, leider hast Du Recht.

Und dass ich selbst mal als schon seit Jahrzehnten ausgetretener Katholik kirchlichen Organisationen Respekt für ihre Menschlichkeit zollen werde, hätte ich nie vermutet. Ich mag die katholische Kirche überhaupt nicht, weil ich von 10 bis 14 in einem katholischen Internat gefangen war. Aber die beiden zitierten Damen von der Diakonie und Katholischen Aktion Oberösterreich sind Menschen mit Anstand und Menschlichkeit.

Bei den Grünen Politikern auf Bundesebene und teilweise auch Landesebene sehe ich diesen Anstand und Menschlichkeit nicht.

Strongsafety
23. 04. 2021 22:30

Die Grünen. Eine Bankrotterklärung

KarinLindorfer
23. 04. 2021 16:20

Bin mittlerweile ein Fan der Diakonie weil man dort die Dinge so sagt wie sie sind, ohne “Katzbuckelei” gegenüber den Mächtigen egal ob es um Flüchtlinge oder den herrschenden Pflegenotstand geht. Außerdem ist die Diakonie ein fairer Arbeitgeber. Da scheint die ÖVP im Gegensatz zu anderen NGOs nicht ihre Finger drin zu haben.

hr.lehmann
23. 04. 2021 16:50
Antworte auf  KarinLindorfer

Ich glaubs ja nicht! Herzlich Willkommen back to the Forum! Freu mich aufrichtig wieder von ihnen zu lesen 🙂

KarinLindorfer
23. 04. 2021 16:59
Antworte auf  hr.lehmann

Da scheinen sie nicht der einzige zu sein. Freu mich auch sie noch hier anzutreffen.

hr.lehmann
23. 04. 2021 15:01

Der Kanzler kann hierbei leider auf beinahe 50% der österreichischen Bevölkerung verweisen die vom Boulevard und den Berufshetzern geimpft, sich jeglicher menschlichen Lösung in dieser spezifischen Flüchtlingsdebatte verweigert. Darin enthalten ist auch die Neidgesellschaft deren niederen Instinkte besonders in Krisenzeiten schlagend werden und natürlich die Rechtsausleger unter uns, denen Ausländerfeindlichkeit und Rassismus in den Genen liegen dürfte. Caritative Vereine, liberale Kirchenvertreter, NGO’s sowie Personen denen Nächstenliebe und Menschlichkeit noch immer nicht fremd ist, müssen dabei gegen eine Mauer ankämpfen die beinahe unüberwindlich scheint. Dass diese sich nicht unterkriegen lasen verleiht Hoffnung und lässt einen weiterhin an das Gute im Menschen glauben.

diinzs
24. 04. 2021 1:27
Antworte auf  hr.lehmann

hr.lehmanm danke, dass Sie daran erinnern, dass es noch Menschlichkeit gibt.

Aber die 50% stimmen m.M.n. eher nicht. Ich meine mich an 76% Zustimmung der Ösis zur Kurz-Flüchtlingspolitik im Herbst 2020 zu erinnern. Insbesondere seine Weigerung, den Wienern die Aufnahmen von 100 Kindern und Jugendlichen zu erlauben. Das ist die Mehrheit in Ö. KEIN WEITERER KOMMENTAR 🙁

janel
23. 04. 2021 15:15
Antworte auf  hr.lehmann

danke, hr.lehmann, für Ihre leider so treffende Analyse und Ihre versöhnlichen Worte!

hr.lehmann
23. 04. 2021 16:02
Antworte auf  janel

Würde hier noch eins draufsetzen. Da der Kickl nun flächendeckend gefeiert wird, da er sich für Menschenrechte einsetzt und den Faschismus bekämpft, frage ich mich ob diese Leute wirklich nur über einen national beschränkten Horizont verfügen? Gehen ihnen andere Menschen, die wirkliche Unmenschlichkeit erfahren und unter wahren Faschismus leiden wirklich so am A…. vorbei, dass sie ihre aktuelle Situation als Diktatur beschreiben und es verabsäumen, Personen und Vereine, die tatsächliches Elend und realen Faschismus bekämpfen, zu unterstützen. Aber warum auch, sind ja nur Gutmenschen denen man alles mögliche unterstellen kann. Z.B. Profitgier oder Scheinheiligkeit. Wie praktisch 👎

June
23. 04. 2021 14:53

Ich bin dafür dass jeder Haushalt der Hier schreit auch einen Flüchtling bzw eines dieser unbegleiteten “kinder” aufnehmen sollte. Wir haben so viele gute Menschen die geben möchten, dann sollen sie das bitte von ihrem Geld machen und womöglich kann man diese Menschen auch fördern denn uns ist doch so viel übrig geblieben von den Corona Hilfen und haben sichtlich Geld und Arbeitsplätze im Überfluss… also her damit … 150 Asylbewerber pro tag wie es derzeit ist, ist eindeutig zu wenig.
Ich bin dafür dass mit Steuergelder eine Seite eingerichtet wird, bei der sich die Leute anmelden können wenn sie wem aufnehmen wollen.

Ironie off

KarinLindorfer
23. 04. 2021 16:23
Antworte auf  June

Unser Land hat alles im Überfluss auch Geld und Arbeitsplätze. Nur leider ist alles ungerecht verteilt und sie scheinen eine von denen zu sein die zu kurz gekommen sind. Das rechtfertigt aber nicht ihren Zynismus gegenüber Leuten die im Dreck vegetieren und es hilft ihnen auch nicht weiter.

Kalle
23. 04. 2021 15:02
Antworte auf  June

Sehr dummer Kommentar von Ihnen, June. Haben Sie den Artikel gelesen? Es geht genau darum dass die Leute, die helfen wollen, das auch tun können. Was ihnen bisher aber verwehrt wird. Leute wie Sie sind moralisch vollkommen verkommen.

Samui
23. 04. 2021 13:53

Was kümmern den Buben Kinder?
Der kümmert sich um Umfragen und Spender.
Hilflos wieder mal die Grünen in der Regierung.

Summasummarum
23. 04. 2021 14:46
Antworte auf  Samui

Manchmal frage ich mich, was ist in seiner Kindheit schief gelaufen, dass ein junger Mann derart kaputt ist.

diinzs
24. 04. 2021 1:30
Antworte auf  Summasummarum

Und was ist in der Kindheit von Kogler, VdB, Maurer, Zadic und Anschober schief gegangen?

hr.lehmann
24. 04. 2021 8:59
Antworte auf  diinzs

Man muss trotzdem erwähnen dass es bei den Koalitionsverhandlungen geregelt wurde dass Grün bei Migrationsthemen nichts zum mitreden hat. Sie hätten zu diesem Zeitpunkt ein Veto einlegen müssen oder gleich aussteigen. Würden sie diesen Protest nun bekunden würde die K. platzen und es würde wieder Türkis/Blau geben, mit Hofer, dies die Flüchtlingsdebatte und weitere Migrationsthemen wiie auch Integration wohl noch mehr nach rechts verschieben würde. Ich glaube dass Kogler und co. dieses aus solcher Warte betrachten, was ich jetzt nicht werten möchte. Dass aber VdB hier nicht eingreift und sich lautstark zu Wort meldet kann ich auch nur schwer nachvollziehen, weiß aber zu wenig ob da noch was kommt. Glaube aber nicht dass es ihm egal ist. In drei Monaten bin ich vermutlich schlauer. Verstehe aber den Unmut der Menschen 100%ig.

Folge einem manuell hinzugefügten Link
Link zu: Politik

So viel Beugestrafe muss Schmid zahlen

Thomas Schmid, Ex-Finanz-Thomas Schmid hat sich im ÖVP-Korruptions-U-Ausschuss größtenteils zu Recht der Aussage entschlagen. Die Beugestrafe wird für ihn verkraftbar sein.

Link zu: MeinungLink zu: Leben

Polizei verrechnete Klimaaktivisten Heli-Einsatz

Die “Letzten Generation” übt massive Kritik an der Wiener Polizei. Vier Personen, die sich am Ring  festgeklebt hatten, sollen nun finanziell für den personellen Einsatz und den Gebrauch eines Helikopters aufkommen – über 1.550 Euro pro Person.