Das große Schweigen

Die Affäre Wirecard

Es ist der größte Betrugsfall der deutschen Nachkriegsgeschichte. Die wichtigsten Beteiligten sind Österreicher – mit engen Verbindungen zu ÖVP und Kanzler Kurz.

Thomas Walach

Wien, 24. April 2021 | Am 25. Juni 2020 war der deutsche Zahlungsabwickler Wirecard offiziell pleite. Fast zwei Milliarden Euro aus der Bilanz waren nicht auffindbar. Tausende Anleger verloren ihr Geld. Es ist der größte Betrugsfall der deutschen Nachkriegsgeschichte. Dass er aufgedeckt wurde, ist vor allem der Arbeit der “Financial Times” (FT) zu verdanken.

Markus Braun

Die wichtigsten in den Fall verwickelten Personen sind Österreicher. Da ist Markus Braun, Ex-Wirecard-CEO und nun in Deutschland in Haft. Braun ist ÖVP-Großspender und war ganz offiziell Berater von Bundeskanzler Sebastian Kurz. Dass Braun und Kurz auch privat miteinander verkehrten und der Kanzler “Vorschläge” des Spenders Braun umsetzen wollte, dürfte auch den Ibiza-U-Ausschuss interessieren. Beweise für die Beziehung zwischen Kurz und Braun liefern Mails, die ZackZack vorliegen – sie sind Teil jener Mails, die Kurz laut Erkentnnis des VfGH an den Ausschuss liefern müsste, aber angeblich gelöscht hat.

Jan Marsalek

Jan Marsalek ist als Wirecard-Manager Hauptverdächtiger in der Bilanzfälschungsaffäre. Er ist auf der Flucht, wahrscheinlich in Osteuropa. Thomas Schellenbacher, Ex FPÖ-Nationalratsabgeordneter hat zugegeben, zusammen mit ehemaligen Mitarbeiten des BVT Marsaleks Flucht organisiert zu haben. Marsalek ist wohl auch jener Geheimdienstkontakt von Ex FPÖ-Klubobmann Johann Gudenus, von dem dieser Informationen aus dem BVT erhalten hatte. Im Ibiza-Ausschuss konnte sich ÖVP-Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka nicht mehr erinnern, Marsalek getroffen zu haben. ZackZack veröffentlichte daraufhin ein Foto, dass die beiden beim Abendessen in Moskau zeigt.

Alexander Schütz

Alexander Schütz, ÖVP-Großspender und Aufsichtsrat der Deutschen Bank, wird von der deutschen Finanzaufsicht BaFin verdächtigt, Insidergeschäfte mit Wirecard-Papieren getätigt zu haben. Er schrieb Braun über die FT: “Macht diese Zeitung fertig!” Auch Schütz verkehrt privat mit Kurz, auch darüber liegen ZackZack Unterlagen vor. Schütz’ Ehefrau Eva war stellvertretende Kabinettschefin von ÖVP-Finanzminister Hartwig Löger, Gernot Blümel und Thomas Schmid hievten sie in den Aufsichtsrat der ÖBB-Infra. Wie das “Handelsblatt” berichtete, führt Alexander Schütz einen europaweiten Feldzug gegen Medien, die über ihn berichten, namentlich die FT, das “Handelsblatt” und ZackZack.

Dmytro Firtasch

Dmytro Firtasch ist Kreml-naher Oligarch. Seit 2013 wird er von den USA per internationalem Haftbefehl gesucht. Das FBI wirft ihm unter anderem vor, die rechte Hand des mächtigsten russischen Mafiabosses, Semion Mogilewitsch, in der Ukraine zu sein. Für die Rekordsumme von 125 Millionen Euro Kaution wurde Firtasch 2014 auf freien Fuß gesetzt. Seitdem hält er sich in Österreich auf, wo sich sein Auslieferungsverfahren erstaunlich lange hinzieht.

Firtasch gründete und finanzierte die “Agentur zur Modernisierung der Ukraine” (AMU), eine Organisation, die ihren Sitz in Wien hat. Präsdient der AMU war bis 2015 Ex ÖVP-Außenminister Michael Spindelegger, der politische Ziehvater von Kurz, Blümel und Schmid.

Firtasch gehört der Privatjet, mit dem Kanzler Kurz im März 2021 aus Israel nach Wien flog. Firtasch wohnt in der Wiener Villa von Alexander Schütz. Als Firtaschs Hausbank, die Raiffeisen, begann, sich von dem Oligarchen geschäftlich zu distanzieren, transferierte Firtasch seine Konten zur Wirecard-Bank. Für Firtasch gilt wie für alle zuvor genannten Personen, die sich mit strafrechtlichen Vorwürfen konfrontiert sehen, die Unschuldsvermutung.

Die wichtigsten Fragen

Über die Vorgänge im Fall Wirecard ist in Österreich wenig bekannt. Ab sofort widmet sich die ZackZack-Redaktion verstärkt der Aufklärung des österreichischen Teils der Affäre Wirecard. Vieles ist noch im Dunkeln: Welchen Einfluss hatten Wirecard-Manager auf Politik und Gesetzgebung in Österreich? Welche Hilfe erhielt Jan Marsalek von Politikern und Nachrichtendienstbeamten aus Österreich? Und: Was wusste Bundeskanzler Sebastian Kurz? Wir bringen Licht in die Angelegenheit.

Titelbild: APA Picturedesk

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