Medizin-Importe aus China 2020 explodiert

Steigerung um 179 Prozent

Durch die Corona-Krise sind die Importe von Hygiene- und Medizinprodukten massiv gestiegen. Dabei profitiert vor allem China, das die gesteigerte Nachfrage hauptsächlich abfängt.

 

Wien/Peking, 30. April 2021 | Österreichs Importe von Hygiene- und Medizinprodukten aus China sind 2020 um 179 Prozent auf 905 Mio. Euro explodiert. Insgesamt waren in Österreich und den umliegenden EU-Mitgliedsstaaten Osteuropas die Handelsströme in der Covid-Pandemie insgesamt stark rückläufig. Doch der Import von Medizintechnik und Hygieneprodukte explodierte. “Hauptprofiteur war eindeutig die Volksrepublik China”, sagt Oliver Reiter, Ökonom am Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw).

Gewinner China

So sanken die Importe nicht-medizinischer Güter vergangenes Jahr in den zwölf untersuchten Staaten um kumuliert 26,4 Mrd. Euro, hieß es am Freitag in einer wiiw-Aussendung. Die Einfuhr von Corona-relevanten Erzeugnissen (nach EU-Definition) stieg dagegen um 11,5 Mrd. Euro. Dabei handelt es sich etwa um Masken, medizinische Ausrüstung oder Desinfektionsmittel.

Der wiiw-Fachmann sah sich auf Basis der EU-Handelsdatenbank COMEXT die Importe und Exporte Österreichs und seiner ostmitteleuropäischen Nachbarn seit Beginn der Pandemie an. Fazit: in keinem der zwölf untersuchten Länder das Handelsvolumen 2020 jenes aus dem Jahr 2019 erreichte. Nur Lettland hat seine Exporte gegenüber 2019 mit plus 0,7 Prozent marginal gesteigert.

Die Importe von Corona-relevanten Gütern explodierten nicht nur in Österreich, sondern in vielen der untersuchten Staaten. Primäres Herkunftsland war überall China. Beim Spitzenreiter Ungarn schnellten die Einfuhren sogar um 372 Prozent nach oben. Auch Lettland (+269 Prozent), Rumänien (+220 Prozent) und Litauen (+210 Prozent) deckten ihren Bedarf hauptsächlich in der Volksrepublik.

Keine Zölle

“Begünstigt wurden die chinesischen Exporte zweifellos auch durch das Aussetzen von Zöllen auf Einfuhren aus Drittstaaten durch die EU-Kommission nach Ausbruch der Pandemie, was absolut richtig und notwendig war”, erklärt Reiter. Die Kommission erlaubte den zollfreien Import von fast 100 Produkten zur Covid-Bekämpfung – von Einweghandschuhen und Desinfektionsmitteln über medizinische Instrumente wie Elektrokardiographen bis hin zu Beatmungsgeräten.

“Die massiv gestiegenen chinesischen Exporte von medizinischer Ausrüstung nach Österreich und Ostmitteleuropa verdeutlichen aber auch unsere große Abhängigkeit von China in diesem Bereich”, analysiert Reiter. “Gleichzeitig hat uns China in der Pandemie aber auch massiv geholfen, weil wir in Europa die erforderlichen Produktionskapazitäten offenkundig nicht schnell genug aufbauen konnten”, so Reiter.

(apa/ot)

Titelbild: APA Picturedesk

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