Rücktrittswelle in Tirol

ÖVP-Politbeben

404 Tage nach dem „Alles richtig gemacht“-Interview trat Tirols Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (ÖVP) zurück. Auch die Wirtschaftslandesrätin zog sich am Dienstag zurück. Die Art der Rücktritte kam auch für die eigene Partei überraschend.

 

Wien, 05. Mai 2021 | Ein Polit-Beben erschütterte am Dienstagabend Tirol. Knapp nach 18 Uhr kündigte die Wirtschaftslandesrätin Patrizia Zoller-Frischauf (ÖVP) via privatem Mail-Account ihren Rücktritt an. Für viele kam das überraschend, auch für den Landeschef Günther Platter (ebenfalls ÖVP). Zoller-Frischauf möchte in den Tiroler Landtag wechseln, nachdem sie 13 Jahre in der Landesregierung tätig war.

Auch Tilg tritt zurück

Zwei Stunden später gab es dann für die regierende ÖVP die nächste Hiobsbotschaft aus der Tiroler Landesregierung. Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg trat ebenfalls zurück – wie Zoller-Frischauf nach 13 Jahren Landesregierung. Der Rücktritt des seit seinem TV-Auftritt in der ZIB 2 zum Ischgl-Fiasko bereits angezählten Tilg, kam nicht minder überraschend.

Für die Oppositionsparteien war der Rücktritt allerdings mehr als überfällig, hielt sich Tilg doch seit dem „Alles richtig gemacht“-Interview noch weitere 404 Tage im Amt. Der Grund der Rücktritte ist derzeit noch unklar. Zoller-Frischauf betonte in ihrem Mail, dass sie immer geplant habe, zur Hälfte der Legislaturperiode aus der Regierung auszutreten.

Tiroler Laborskandal wohl mitentscheidend

Bei Tilg könnte das Labordesaster in Tirol, das die letzten Tage aufflog, ein Grund gewesen sein. Das Land Tirol hatte PCR-Tests im Rahmen von acht Millionen Stück, direkt und ohne Ausschreibung vergeben. Der “Standard” berichtete, dass seit November “keine oder fachlich nicht richtige Tests” geliefert wurden.

Von massiven Ungereimtheiten im Zusammenhang mit der labortechnischen Befundung von Corona-Tests ist die Rede. Es könne derzeit nicht belegt werden, ob rund 220.000 PCR-Tests von September bis Ende März fachlich richtig analysiert wurden.

Tilg verschwindet ganz aus Politik

Tilg verabschiedet sich im Gegensatz zu Zoller-Frischauf komplett aus der Politik, wie er in einer Aussendung schrieb: „Ich für mich habe den Entschluss gefasst, wieder als Professor für Medizintechnik und Medizininformatik an die UMIT zurückzukehren.“

Nachfolger von Zoller-Frischauf als Wirtschaftslandesrat wird der derzeitige Landtagsvizepräsident und Galtürer Bürgermeister Anton Mattle. Tilg wird von der Geschäftsführerin des Sanatorium Kettenbrücke, Annette Leja, beerbt.

“Platters Team zerbröselt”

Die Tiroler NEOS hoffen durch die Rücktritte auf einen Neustart. In einer Aussendung schreibt NEOS-Tirol Chef Dominik Oberhofer: “Die überraschenden Rücktritte zeigen, dass das offenbar auch innerparteilich in der Volkspartei so gesehen wird. Jetzt besteht die Chance auf einen echten Neustart in Tirol! LH Platter muss sein Team groß umbauen, dass Tirol damit einen großen Schritt nach vorne machen und die zukünftigen Herausforderungen gut bewältigen kann.“

Der Tiroler SPÖ-Chef Georg Dornauer sieht die Rücktritte positiv, vor allem den von Tilg: „Der Nachfolger von Zoller-Frischauf hat große Herausforderungen zu bewältigen. Tilg war de facto ungeeignet.“ Für den FPÖ-Landeschef Markus Abwerzger kommt der Rücktritt zu spät: „Platters Team zerbröselt offenbar. Tilgs Rücktritt kommt zu spät.“

(bf)

Titelbild: APA Picturedesk

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