Habe keine Angst vor Wolfgang Fellner

Die zwei Moderatorinnen Raphaela Scharf und Katia Wagner berichteten auf „Puls 24“ über ihre Erlebnisse mit „oe24“-Herausgeber Wolfgang Fellner. In den sozialen Netzen bekamen sie und Corinna Milborn viel Zuspruch.

 

Wien, 06. Mai 2021 | Am Mittwoch waren die „Krone“-Moderatorinnen Katia Wagner und Raphaela Scharf in einem „Puls 24“-Spezial mit Infochefin Corinna Milborn zu Gast. Die beiden Ex-Mitarbeiterinnen von Wolfgang Fellner werfen diesem unter anderem Belästigung vor, was Fellner selbst wiederum entschieden zurückweist. Zu einer Stellungnahme, die Milborn angefragt hatte, war er aber nicht bereit. Scharf geht derzeit gerichtlich gegen Fellners TV-Sender „oe24“ vor, Wagner ist als Zeugin geladen. Grund ist Scharfs damalige fristlose Entlassung, nachdem sie intern die Vorwürfe gegenüber Fellner erhoben hatte. Fellner klagt auf Unterlassung dieser Vorwürfe.

Zwischen Abwertungen und Essenseinladungen

Zum Vorwurf der sexuellen Belästigung darf sich Raphaela Scharf nicht öffentlich äußern, dazu gibt es eine Vereinbarung für den Lauf des Verfahrens. Über „alles rundherum“, so formulierte es Puls 24-Moderatorin Corinna Milborn, dürfe sie aber sprechen. Und das tat sie. Aus Lob wurde Abwertung, aus Einladungen Drohkulissen. So beschreibt Raphaela Scharf ihre Zeit bei „oe24“ unter Herausgeber Wolfgang Fellner. Er habe sie nach anfänglichem Lob und Goutieren ihres Aussehens aus Sendungen herausgebeten, um ihr Make-Up oder ihr Outfit mit derben Aussagen herunterzumachen: „Du hast Spaghettihaare“, „Du schaust aus wie ein Bauer“, so Scharf über Fellners Äußerungen.

Doch dabei blieb es laut der jetzigen „Krone.tv“-Moderatorin nicht: Fellner habe immer wieder auf Essenstermine mit ihr gedrängt. Auch ihre Kollegin Katia Wagner, ebenfalls zuvor bei „oe24“, bestätigt entsprechende Aufforderungen. Wagner wolle sich mit Scharf solidarisieren und könne die Vorgänge bestätigen: „Ich habe sie am eigenen Leib erfahren“. Fellner behauptet, das alles hätte auf Gegenseitigkeit beruht, begründet das beispielsweise mit Smiley-Antworten Wagners. Wagner wehrt sich dagegen: sie sei manchmal ganz gut mit Ausreden durchgekommen, Fellner habe das mit der Zeit aber immer weniger gelten lassen, „dann musste man halt irgendwann“, so Wagner über die Abendessen-Avancen.

Wenn man da nicht mitmache, „wird man fallen gelassen, wie eine heiße Kartoffel. Dann hat man keinen Job mehr, dann kommt einfach die nächste Dame“, schildert Scharf die Drucksituation als Antwort auf die Frage, warum derartigen Essenswünschen entsprochen wurde. “Mit unangenehmen Feststellungen über das Aussehen, über das Privatleben, über sexuelle Vorlieben” seien die Essenstermine schnell ins Private gekippt, so Wagner, die Angst hatte „dass ich mich im Lokal direkt übergebe, wenn ich Wolfgang Fellner noch länger zuhören muss“.

„Es wird lebensgefährlich für dich“

Eines der Gespräche zwischen Fellner und seiner ehemaligen Mitarbeiterin Scharf wurde aufgezeichnet. Darin sagte Fellner zu Scharf: „Du siehst aus wie eine Nutte“. Der „oe24“-Chef will das als reine Bewertung der Kleidung Scharfs verstanden wissen. Das lässt diese nicht gelten, auch weil das Kleidung gewesen sei, „die er mir zur Verfügung gestellt hat.“ Im Laufe dieses Gesprächs habe Fellner sie dann beschimpft und bedroht. In Anwesenheit des Betriebsrats und der Programmdirektorin habe Fellner zu Scharf gesagt: „Es wird lebensgefährlich für dich“.

Vorwürfe aus Teilen des Wiener Revolverboulevards, Wagner habe Fellner „Liebesbriefe“ zukommen lassen und sei daher unglaubwürdig, kommentiert Wagner mit Angst vor schlechter Presse. Sie habe sich lediglich bei ihm bedankt, „und dann ging die ganze Spirale von neuem los“. Hintergrund sind Schlagzeilen über Wagner im Jahr 2017, die als Unternehmerin Probleme mit dem Arbeitsinspektorat publik gemacht und sich über Auflagen beschwert hatte. Die Story lief in vielen Medien rauf und runter, da der damalige Wirtschaftsminister Wolfgang Mitterlehner (ÖVP) ihr Waxing-Studio nach der öffentlich gemachten Kritik besuchte. Von Fellner-Reportern sei sie damals regelrecht belagert worden. “Melde dich doch mal beim Wolfgang“ oder „liebe Grüße von Wolfgang soll ich dir ausrichten“, hieß es da beispielsweise.

„Legendärer TV-Moment“

In den sozialen Netzwerken bekamen sowohl Scharf und Wagner, als auch „Puls 24“-Infochefin Milborn großen Zuspruch für das Interview. „Eines der bedrückendsten, aber auch mutmachendsten Interviews meiner Laufbahn“, so Milborn auf Twitter.

Vielfach war die Rede von einem „legendären TV-Moment“, der Auftritt sei „heftig und dabei so unglaublich stark und wichtig“ gewesen. Viele Frauen beschrieben dabei auch ähnliche Erfahrungen, die sie am Arbeitsplatz und darüber hinaus gemacht hätten. Einige User thematisierten auch die hohen Inserate und ausufernde Presseförderung, die gerade Medien wie „oe24“ zukommen würden. Dadurch entstünden Abhängigkeiten, die derartige Machtverhältnisse begünstigen und zementieren würden.

Wolfgang Fellner streitet alle Vorwürfe ab, es gilt die Unschuldsvermutung.

Das ganze “Puls 24”-Gespräch können Sie hier sehen.

(wb)

Titelbild: Screenshot “Puls 24”.

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