»Wochenende für Moria« am Stephansplatz

Zum elften Mal gibt es ein Protestcamp für bessere Unterbringung von Geflüchteten und für deren Aufnahme in Österreich. Am Samstag schlagen Vertreter der Zivilgesellschaft erstmals ihre Zelte am Wiener Stephansplatz auf. Auch in anderen Städten wird gecampt.

 

Florian Bayer

Wien, 7. Mai 2021 | „Wir schauen nicht mehr teilnahmslos von Zuhause aus zu“, heißt es bei der Gruppe „Wochenende für Moria“ schon seit Monaten. Bereits zum elften Mal schlagen sie in mehreren Städten Österreichs ihre Zelte auf, um für eine Evakuierung überfüllter Flüchtlingslager und die Aufnahme von Geflüchteten zu demonstrieren. Dieses Wochenende wird erstmals am Wiener Stephansplatz, u.a. auch in Innsbruck, Villach, Graz und Linz von Samstag auf Sonntag gecampt.

Begonnen hatte die Initiative „Wochenende für Moria“ Ende Dezember in Innsbruck, seitdem wurden teils sogar im Wochenrhythmus Zeltdemos in vielen Städten Österreichs durchgeführt. Hinter der Aktion stehen die Initiativen SOS Balkanroute, Seebrücke Wien, Verein Flüchtlingsprojekt Ute Bock und die Plattform für eine menschliche Asylpolitik.

Das Protestwochenende beginnt am Samstag (8. Mai) um 12 Uhr und dauert bis Sonntagmittag. Am Samstag wird es ab 15 Uhr Redebeiträge geben, auch Musik, Akrobatik, eine Liveperformance (19 Uhr) und ein Kerzenmeer stehen auf dem Programm. Auch Unterschriften für einen offenen Brief ans Bundeskanzleramt werden digital und auch vor Ort gesammelt.

Unwürdige Bedingungen

Der Hintergrund: Die Bedingungen in den Flüchtlingslagern an der EU-Außengrenze sind unverändert menschenunwürdig, wie auch Flüchtlingshelferin Doro Blancke regelmäßig von Lesbos berichtet. Erst kürzlich wurden dort untergebrachte Familien vom vergleichsweise gut ausgestatteten Containercamp KaraTepe ins Lager Moria-2 im Freien gebracht.

„Corona dominiert die Medien, und wir haben das Gefühl, dass auf die Menschen in den Lagern vergessen wird“, sagt Ina-Maria Saxl, Mitorganisatorin und Deutschtrainerin. Nach wie vor geschehe nichts, obwohl sich die Situation seit Weihnachten nicht verbessert habe – ganz im Gegenteil.

Eine von der Regierung angekündigte Tagesbetreuungsstätte von SOS Kinderdorf wurde Ende April temporär eingestellt, weil eine Betreuung aufgrund der Corona-Maßnahmen nicht möglich sei. Bis heute verweigert die Regierung jedwede Aufnahme von Flüchtlingen aus den griechischen Lagern. Auch die Situation an der bosnischen EU-Außengrenze, etwa im Lager Lipa, ist unverändert prekär, wie Vertreter von NGOs berichten.

Titelbild: (c) Patrick Weichmann zVg

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