Wein ohne Alkohol aber gewässert?

Italien poltert gegen EU-Pläne

Italien protestiert gegen Pläne der EU, wonach es erlaubt werden soll, Wein zu verwässern und zu de-alkoholisieren.

 

Wien/Rom, 08. Mai 2021 | Der italienische Landwirtschaftsverband Coldiretti protestiert gegen Brüssel. im Rahmen eines “Aktionsplans zur Verbesserung der Gesundheit der europäischen Bürger” plant die EU alkoholfreien Wein. Die teilweise oder vollständige Dealkoholisierung von Weinen durch die Zugabe von Wasser soll zugelassen werden.

Wasser oder Wein?

Der Landwirtschaftsverband warnte vor einem “Mega-Betrug” auf Kosten der Verbraucher, denen man verwässerten Wein verkaufen würde. Dabei würde es sich um ein Produkt handeln, bei dem die Natürlichkeit durch eine invasive Behandlung, die in den Transformationsprozess der Traube eingreift, beeinträchtigt werde.

Die Einführung der partiellen und totalen Dealkoholisierung als neue önologische Praktik stelle einen “sehr gefährlichen Präzedenzfall” dar, der die Identität des italienischen und europäischen Weins gefährde. “Die in Europa geltende gesetzliche Definition von Wein sieht das Verbot der Zugabe von Wasser vor”, warnte Verbandspräsident Ettore Prandini.

EU will verwässerten Wein

“All dies ist Teil einer besorgniserregenden Situation für den Weinsektor, weil die EU-Kommission sogar Wein aus den Förderprogrammen für Agrar- und Lebensmittelprodukte streichen könnte, wahrscheinlich um die neuen verwässerten Getränke zu begünstigen”, so Prandini. “Der Vorschlag der Verwässerung des Weins ist ein weiterer Schlag, nachdem Brüssel bereits die Zugabe von Zucker in den nordeuropäischen Ländern legalisiert hat. Die EU hat auch grünes Licht für Wein ‘ohne Trauben’ gegeben, das heißt, hergestellt durch die Gärung von Früchten, von Himbeeren bis zu Johannisbeeren”, klagte Coldiretti.

Die Regierung von Premier Mario Draghi unterstützt das Anliegen des italienischen Landwirtschaftsverbands. “Wir werden uns gegen Brüssels Pläne entschieden wehren”, versicherte Landwirtschaftsminister Stefano Patuanelli.

Senator Dario Stefano, Präsident der parlamentarischen Kommission für Europa-Politik, warnte vor “Verwirrung auf dem Markt”, sollte der Plan Brüssels umgesetzt werden. Die Gefahr von Fälschungen zum Nachteil der Verbraucher sei groß. Die Verwendung des Begriffs “Wein” auf dem Etikett sei mit einem jahrhundertealten Prozess der Umwandlung von Trauben in Most und dann in Wein verbunden. “Die Pläne Brüssels wären, wenn umgesetzt, ein Schlag ins Gesicht für die vielen Arbeiter in diesem Sektor, der in Italien einen Umsatz von 11 Milliarden Euro generiert”, meinte Stefano.

(ot/apa)

Titelbild: APA Picturedesk

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