Jerusalem:

Hunderte Verletzte bei Protesten auf dem Tempelberg

In Jerusalem kam es am Montag zu schweren Zusammenstößen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften. Bereits am Wochenende gab es wegen drohender Zwangsräumungen von palästinensischen Häusern Eskalationen.

Jerusalem, 10. Mai 2021 | Hunderte Menschen sind bei den jüngsten Ausschreitungen in der israelischen Hauptstadt verletzt worden. Nach Angaben des palästinensischen Roten Halbmonds wurden etwa 50 Personen ins Krankenhaus eingeliefert. Palästinenser warfen auf dem Tempelberg in der Nähe der Al-Aqsa-Moschee Gegenstände auf die Sicherheitskräfte. Diese reagierten mit Blendgranaten, Gummigeschoßen und Tränengas.

Bilder: AFP

Konflikt um Tempelberg

Israel begeht am Montag den Jerusalem-Tag. Das Land feiert damit die Eroberung des arabischen Ostteils von Jerusalem einschließlich der Altstadt während des Sechstagekriegs 1967. Aus Sorge vor Gewalt hatte die israelische Polizei Juden am Montag verboten, bei Flaggenmärschen durch die Altstadt auch den Tempelberg zu besuchen. Denn die Palästinenser sehen Ost-Jerusalem als Hauptstadt eines künftigen eigenen Staates.

Der Tempelberg mit dem Felsendom und der Al-Aqsa-Moschee ist für Juden wie Muslime von herausragender Bedeutung. Es ist die drittheiligste Stätte im Islam. Zugleich standen dort früher zwei jüdische Tempel, von denen der letzte im Jahr 70 von den Römern zerstört wurde. Die Klagemauer ist ein Überrest jenes zerstörten Tempels und die heiligste Stätte der Juden.

Zwangsräumungen als Auslöser der Proteste

Die Lage im Westjordanland und im arabisch geprägten Ostteil Jerusalems ist seit Beginn des Fastenmonats Ramadan angespannt. Bei heftigen Zusammenstößen waren in Jerusalem schon seit Freitag rund 300 Palästinenser und rund 20 Polizisten verletzt worden. Die tagelangen Proteste hatten im Viertel Sheikh Jarrah ihren Ausgang genommen, weil dort 30 Palästinenser mit der Zwangsräumung ihrer Wohnungen rechnen müssen. Ein für Montag geplanter Gerichtstermin zu den Zwangsräumungen wurde am Sonntag verschoben.

UNO-Generalsekretär Antonio Guterres zeigte sich am Sonntagabend “tief besorgt” wegen der Gewalt und den drohenden Zwangsräumungen von palästinensischen Häusern. Kritik kam auch vom engsten internationalen Verbündeten Israels. Der Nationale Sicherheitsberater der USA, Jake Sullivan, äußerte gegenüber seinem israelischen Kollegen Meir Ben Shabbat “ernste Bedenken” wegen mit den Räumungen in Zusammenhang stehender Baupläne.

Kritik von jordanischem König

Zuvor hatte sich auch der jordanische König Abdullah II. eingeschaltet. In einem Telefonat mit Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas habe der König “die israelischen Verstöße und die Praktiken, die zur Eskalation rund um die Al-Aqsa-Moschee führten, verurteilt”, teilte das Königshaus in Amman am Sonntagabend mit. Jordanien ist Hüterin der heiligen Stätten in Ost-Jerusalem. Abdullah II. kritisierte demnach auch die “Provokationen gegenüber den Bewohnern von Jerusalem, die gegen Völkerrecht und die Menschenrechte” verstießen. Zudem wies er “die Versuche der israelischen Behörden” zurück, “die demografische Lage in Ost-Jerusalem zu verändern”. Gemeint ist der israelische Siedlungsbau im arabischen Ostteil der Stadt, den Israel im Jahr 1967 erobert und 13 Jahre später annektiert hatte.

(apa/mst)

Titelbild: APA Picturedesk

Lesen Sie auch

6 Kommentare
Neueste
Älteste Meisten Bewertungen
Inline Feedbacks
Zeige alle Kommentare

Folge einem manuell hinzugefügten Link
Link zu: Politik

Scharfe NEOS-Kritik an Schmid-Ersatz Catasta

Scharfe Kritik kommt von NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger an der ÖBAG-Schmid Ersatz-Chefin Christine Catasta. Diese hatte in den Raum gestellt, dass doch jeder derartige Chats, wie Schmid, am Handy hätte.

Maskenpflicht am Sitzplatz fällt in allen Schulen

Ab Dienstag fällt an allen Schulen die Maskenpflicht am Sitzplatz. Das gaben Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) und Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) am Samstag in einer Aussendung bekannt.
Link zu: MeinungLink zu: Leben

Freitagabend am Karlsplatz: Zwischen ACAB und moderatem Verständnis

Das Verhältnis zwischen Polizei und jungen Leuten ist nach der Räumung des Karlsplatzes angespannt. Gestern zeigte die LPD Wien verstärkt Präsenz, ließ die Feiernden aber gewähren. Beide Seiten gingen sich aus dem Weg und es wurde ein friedlicher, langer Juniabend.  

Freitagabend am Karlsplatz: Zwischen ACAB und moderatem Verständnis

Das Verhältnis zwischen Polizei und jungen Leuten ist nach der Räumung des Karlsplatzes angespannt. Gestern zeigte die LPD Wien verstärkt Präsenz, ließ die Feiernden aber gewähren. Beide Seiten gingen sich aus dem Weg und es wurde ein friedlicher, langer Juniabend.  

Dazu brauchen wir eure Unterstützung:

im ZackZack-Club.

Kurz attackiert ZackZack!

Wir bleiben dran: in Wien,

Ibiza und Mallorca.

Schließen