Pflegenotstand

WKÖ setzt auf Philippinen

Die WKÖ plant ein Pilotprojekt mit Pflegekräften aus den Philippinen. Gewerkschaft und SPÖ fordern indes eine Attraktivierung der Pflege im Inland.

 

Wien, 11. Mai 2021 | Zehntausende neue Pflegekräfte braucht es in den nächsten Jahren in Österreich. Nun wurde bekannt, dass die Wirtschafskammer (WKÖ) ein Pilotprojekt plant, um dem Notstand zu begegnen: philippinische Pflegekräfte sollen nach Österreich geholt werden.

WKÖ plant Pilotprojekt

Ein entsprechendes Papier wurde der Gewerkschaft „vida“ zugespielt. Gewerkschafter Gerald Mjka, Vorsitzender im Fachbereich Pflege, zeigt sich fassungslos: „Wir haben 400.000 Arbeitssuchende, von denen viele in die Pflege können und das auch wollen. Den arbeitssuchenden Menschen hier müssen wir die Möglichkeit geben, den Weg in die Pflege auch machen zu können.“

Laut dem WKÖ-Papier sollen die philippinischen Pflegekräfte zwei Jahre an der Seite von diplomierten Krankenpflegern in Österreich arbeiten. Nach den zwei Ausbildungsjahren könnte sie ebenfalls als diplomierte Krankenpfleger in der Pflege tätig sein. Sprachliche Anforderungen sollen entsprechend reduziert werden: „Auch wird gefordert, dass die Deutschkenntnisse in Zukunft nicht mehr den Standards entsprechen müssen, der jetzt verankert ist“, so Mjka.

Laut Wirtschaftskammer solle der Spracherwerb nebenher in der Praxis geschehen. Pro Person rechnet die WKÖ mit 8.000 – 12.000 Euro Rekrutierungskosten. Mjka würde dieses Geld lieber in Ausbildungen in Österreich in investiert sehen.

Die „vida“ versuche seit Jahren „die Rahmenbedingungen samt Bezahlung“ in der Pflege zu verbessern. Es brauche dringend Investitionen, um die Ausbildung attraktiver zu machen: „Egal ob es die Ausbildung in jungen Jahren ist oder eine Umschulung später. Die Regierung muss den Kolleginnen und Kollegen für die Zeit der Ausbildung oder Umschulung finanzielle Unterstützung zukommen lassen, um sich in dieser Zeit das Leben leisten zu können.“

SPÖ will Offensive

Laut dem Fachbereichs-Vorsitzenden werden bis 2030 70.000 zusätzliche Pfleger gebraucht. Angesichts der Corona-Krise würden zudem viele ihren Abschied aus der Pflege planen, dann bräuchte es noch mehr neues Personal. „Verabschiedet sich noch zusätzlich Personal, erhöht sich die Zahl. Hier braucht es Anreize, bessere Arbeitsbedingungen und Entwicklungsperspektiven, um schleunigst mehr Personal zu bekommen“, so Mjka.

SPÖ-Chefin Rendi-Wagner fordert am Dienstag anlässlich des morgigen Internationalen Tages der Pflege einmal mehr eine Offensive. Sie präsentierte fünf Punkte für eine „Arbeitsmarktwende mit Pflegeoffensive“. Neben dem „Corona-Tausender“ sollen mehr Ausbildungsplätze geschaffen werden, die Ausbildung kostenlos ermöglicht werden, der Umstieg in die Pflege soll attraktiver werden und eine Schwerstarbeiterpension für Pflegekräfte installiert werden. Rendi-Wagner rechnet mit 80.000 Pflegekräfte, die in den nächsten 10 Jahren fehlen werden. Mit dem konkreten Fünf-Punkte-Plan soll der Notstand in der Pflege abgewendet werden.

(ot)

Titelbild: APA Picturedesk

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