Kurz-Flug im Oligarchenjet kostete Jahresgehalt eines erfahrenen Pflegers

Eine SPÖ-Anfrage ermittelte die Kosten für den Kanzler-Trip im Privatjet des Oligarchen Dmytro Firtasch. Brancheninsidern zufolge ist die vom Kanzleramt angegebene Suche nach alternativen Angeboten unglaubwürdig.

 

Wien, 17. Mai 2021 | Das Kanzleramt beantwortete am Freitag eine parlamentarische Anfrage der SPÖ zur wenig ertragreichen 1-Tages-Reise von Sebastian Kurz (ÖVP) und seiner Entourage nach Israel. Im März war Kurz nach Tel Aviv abgehoben, um zusammen mit seiner dänischen Amtskollegin Mette Frederiksen und Gastgeber Benjamin Netanjahu eine „Impfallianz“ anzukündigen.

Teurer 1-Tages-Trip

Was vom aufwendigen Trip übrig blieb, ist aber eher die Posse um das Reisevehikel: ZackZack deckte auf, dass Kurz im Privatjet des Putin-nahen Oligarchen Dmytro Firtasch geflogen war. Der über den Anbieter AvconJet gebuchte 13-Sitzer kostet den Steuerzahler schlappe 36.400 Euro, wie das Kanzleramt in einer Anfragebeantwortung gesteht. Davon sei die Hälfte für den Rückflug entfallen. Sebastian Kurz war beim Hinflug im dänischen Staatsflieger mitgeflogen, während eine Handvoll Journalisten im Firtasch-Jet gesessen war. Beim Rückflug von Tel Aviv nach Wien war dann auch Sebastian Kurz an Bord der Maschine des ukrainischen Milliardärs gewesen.

Einer der Medienvertreter hatte gegenüber ZackZack betont, die Medienhäuser wären für die Kosten selbst aufgekommen. Die Medizinische Universität Wien hatte auf eine Einladung vonseiten des Kanzlers verwiesen: „Rektor Müller hat auf Ersuchen des Bundeskanzleramtes als medizinischer Experte an der Reise teilgenommen.“ Betreffend organisatorischer Details solle man sich direkt an das Kanzleramt wenden.

Suche nach Alternativen unglaubwürdig

Kurz versucht sich, in der Anfragebeantwortung zu wehren: Für den Bedarfsflug seien mehrere Angebote eingeholt worden, doch AvconJet habe das günstigste gehabt. Genannt wird auch der Anbieter Goldeck-Flug. Der allerdings hat in seiner Flotte nur drei Mini-Flieger, die alle weniger als 10 Plätze haben – zu wenig für Kurz, dessen Mitarbeiter und die journalistische Begleitung.

Insidern zufolge gibt es in Österreich etwas über 20 Anbieter für Privatjets. Davon haben mindestens zehn Anbieter Flugzeuge mit einer einer zweistelligen Passagierkapazität in ihrer jeweiligen Flotte. Warum das Kanzleramt mit Goldeck-Flug, Airpartner, Austrian Airlines, MJET und AvconJet (dem letztlich Begünstigten) nur fünf Anbieter, darunter augenscheinlich ungeeignete sondierte, ist unklar. Auch die Kriterien der Suche werden in der Anfragebeantwortung nicht genannt, lediglich das Argument, bei AvconJet habe es sich um das günstigste verfügbare Angebot gehandelt.

Holzklasse ade?

SPÖ-Vize Jörg Leichtfried stößt der Kanzler-Flug im Oligarchenjet sauer auf: “Während der Kanzler sich regelmäßig selbst inszeniert, wenn er Economy fliegt, versucht er seine Privat-Jet-Flüge eher geheim zu halten“, so Leichtfried gegenüber ZackZack. „Es passt in die Gesamtperformance der ÖVP: Wasser predigen und Wein trinken. Den Arbeitslosen das Geld kürzen wollen, während man in Luxus-Klubs Champagner schlürft. Einen Ehrenkodex schreiben, der sofort außer Kraft tritt, wenn es um türkise Familienmitglieder geht.” Die SPÖ werde eine nachfolgende Anfrage einbringen, „um herauszufinden, wie oft der Kanzler eigentlich im Privat-Jet durch die Weltgeschichte düst!“

Zumindest bei seinem letzten Trip nach Porto zum EU-Sozialgipfel am 7. Mai nutzte der Kanzler laut ZackZack-Insiderinformationen den Privatjet eines österreichischen Milliardärs. Dieser allerdings ist nicht so umstritten wie Dmytro Firtasch, der über eine seiner Firmen den Jet besitzt, den der Kanzler am 4. März aus Tel Aviv genutzt hatte. Firtasch droht eine Auslieferung in die USA, die ihn der russischen Mafia zurechnen. Dies und auch die mutmaßliche Korruption im großen Stil bestreitet Firtasch vehement.

Derweil sitzt der ukrainische Milliardär in der Wiener Villa von ÖVP-Großspender Alexander Schütz, der im Zuge der Wirecard-Affäre aufgefallen war (Schütz an Markus Braun: „Macht diese Zeitung fertig! ;-)). Schütz ist nicht die einzige Verbindung des Putin-nahen Oligarchen in ÖVP-Kreise: Firtaschs Sprecher ist Daniel Kapp, der Ex-Pressesprecher von Ex-Vizekanzler Josef Pröll. Mit Kurz-Ziehvater Michael Spindelegger und Ex-Justizminister Wolfgang Brandstetter ist Firtasch zudem im Rahmen des Papiertigers „Agentur zur Modernisierung der Ukraine“ verbunden.

“Nicht von Relevanz”

Der Kanzler-Flug in Firtaschs Jet, den ein Kurz-Sprecher als “nicht weiter von Relevanz” herunterzuspielen versuchte, sorgte international für Aufsehen. Unter anderem berichteten “Der Spiegel”, “Politico Europe”, das ZDF “Magazin Royal” von Jan Böhmermann, die “Kyiv Post”, “Radio Free Europe/Radio Svoboda”, englischsprachige Newsportale und weitere osteuropäische Medien. In Österreich berichteten “Ganze Woche”, “Kleine Zeitung” und “Standard”.

(wb)

Titelbild: APA Picturedesk

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