Mauthausen-Befreiungsfeier: ÖVP blieb Gedenken fern

Das ÖVP-Regierungsteam blieb der Mauthausen-Befreiungsfeier am Sonntag fern, auch alle 71 Abgeordneten fehlten. Der Abgeordnete Martin Engelberg bezeichnete das Gedenken auf Twitter sogar als „politische Demonstration“.

 

Wien, 17. Mai 2021 | Die Befreiung des Konzentrationslagers Mauthausen jährte sich in diesem Jahr zum 76. Mal. Die traditionelle Gedenkfeier fand am Sonntag statt. Unter anderem nahmen Vizekanzler Werner Kogler, Verkehrsministerin Leonore Gewessler und Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (alle Grüne) daran teil. Während die Botschafter von Frankreich, Niederlande, Polen, Slowenien und Russland an der Gedenkfeier ebenfalls teilnahmen, blieb die ÖVP-Regierungsmannschaft dieser gänzlich fern.

ÖVP nennt Gedenkfeier „politische Demonstration“

Auch die 71 Nationalratsabgeordneten der ÖVP fehlten. Bundespräsident Alexander Van der Bellen hatte bereits am Freitag zusammen mit Oberösterreich-Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) und Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) einen Kranz niedergelegt. Der Bundeskanzler selbst äußerte sich nur via Social Media.

Dass bis auf den ÖVP-EU-Abgeordneten Lukas Mandl die österreichische Volkspartei schwänzte, sorgte in den sozialen Medien für Aufsehen. Vor allem der Abgeordnete Martin Engelberg (ÖVP) verteidigte seine Partei auf Twitter und nannte die Gedenkfeier mehrmals „politische Demonstration“.

NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger kommentierte die Kontroverse ausführlich. Engelberg, der die Befreiungsfeier mit dem 1. Mai und kommunistischen Aufmärschen verglich, argumentiere „geschichtsvergessen.“ „Das Trennende zu suchen statt das Gemeinsame zu tun, ist der ÖVP offenbar wichtiger. Bemerkenswert, grad bei diesem Thema.“

Erinnerung an Mauthausen-Schwur

Willi Mernyi, Vorsitzender des Mauthausen Komitees Österreich, erinnerte bei der Befreiungsfeier am Sonntag, die unter dem Generalthema „Vernichtete Vielfalt“ stand, an den Mauthausen-Schwur: Darin wird der Aufbau einer gerechten und freien Welt mit der „unteilbaren Freiheit aller Völker“ gepriesen. „Das ist kein Schwur aus einer vergangenen Zeit“, mahnte Mernyi. „Sondern eine Verpflichtung, ein ganz konkreter Auftrag an uns.“

Der Linzer Diözesanbischof Manfred Scheuer gab beim ökumenischen Gottesdienst zu bedenken, dass antisemitische Übergriffe nach wie vor Realität seien: „Wir beklagen und verurteilen in dieser Stunde die Angriffe auf Synagogen sowie alle Vorfälle des Antisemitismus.“

Besondere Ehrung

Eine Ehrung gab es vor der Gedenkfeier für Anna Hackl: Botschafter Dmitri Ljubinski überreichte ihr den Tapferkeitsorden Russlands, den Hackl stellvertretend auch für ihre Mutter Maria Langthaler entgegennahm.

Die oberösterreichische Familie hatte im Februar 1945 Mut bewiesen und zwei aus dem KZ Mauthausen geflüchtete sowjetische Soldaten auf ihrem Bauernhof vor Nazi-Schergen versteckt. Diese Männer waren dadurch zwei der wenigen Überlebenden der Mühlviertler Menschenhatz, bei der Nazis an die 500 Gefangene jagten und ermordeten.

(apa/ot)

Titelbild: APA Picturedesk

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