Marode ÖGK hat 1 Million Euro für Impf-PR

„Baby lass uns impfen“

Trotz Schuldenberg betreibt auch die ÖGK Impf-PR. Die neue Kampagne kostet eine Million Euro. Das Musikvideo kommt nicht besonders gut an.

 

Wien, 20. Mai 2021| Die Österreichische Gesundheitskasse hat am Montag eine Impfkampagne gestartet. Kostenpunkt: 950.000 Euro sagt die ÖGK auf ZackZack-Anfrage.

PR-Budget üppig

Trotz regelmäßiger Warnungen, wonach die ÖGK einem riesigen Schuldenberg angehäuft hat, lässt sich eine Million Euro aus dem Budget der ÖGK finanzieren. Die Arbeiterkammer warnte etwa kurz vor Jahreswechsel, dass sich der Schuldenberg bis 2024 auf zwei Milliarden summieren werde. Für 2020 schrieb man einen Verlust von rund 200 Millionen, in diesem Jahr dürfte der Schuldenberg noch höher ausfallen.

Die „multimediale“ Impfkampagne hatte indes einen schlechten Start. Das erste Video, ein „Impfsong“, „eine positive Einstellung zum Impfen transportieren, Unentschlossene zu dem Schritt motivieren und natürlich auch Aufmerksamkeit für das Thema erzielen“, so die ÖGK gegenüber ZackZack.

Besonders gut ankommen dürfte das Video nicht: Fast 20.000 Zusehern gefällt das Video nicht, dem gegenüber stehen 175 „Likes“. Das Video mit dem Titel „Freuen wir uns zurück“ wurde innerhalb von drei Tagen schon 92.000-mal abgerufen. Auf Twitter kritisieren zugleich viele User, dass Impfen mit Freiheit statt mit Gesundheit verknüpft werde.

Alte Bekannte

Die Kampagne, die man seit Mitte Februar „intensiv“ plane, engagierte als Werbeagentur die „GGK Lowe GmbH“. Ihr Geschäftsführer ist ein alter Bekannter der österreichischen Politszene: Michael Kapfer. Er produzierte einst Anti-Kurz-Videos für die SPÖ im Wahlkampf 2017. Danach arbeitete die Agentur jedoch für das türkis-blaue Prestigeprojekt ÖGK, entwarf unter anderem das neue ÖGK-Logo. Die Rechercheplattform „zoom“ zählte Kapfer gar zum „Bro-Netzwerk“ von Sebastian Kurz.

Auch eine Mediaagentur wurde für die Kampagne beauftragt. Ein Geschäftsführer scheint im Wiener Wirtschaftsbund gut vernetzt, der andere lebt in Dubai. Dazu wurden noch zwei weitere Agenturen engagiert.

Wird die Bevölkerung durch die Kampagne gut informiert? Die ÖGK verweist auf ZackZack-nachfrage auf ihre Website www.lass-uns-impfen.at, “auf der wir umfangreiche Informationen rund um Impfen, Impfstoffe, mögliche Reaktionen, aber auch zu den Themen Gesundheit und gesund bleiben zur Verfügung stellen. Weiters finden sich dazu noch Erklärvideos, die auch mit Untertiteln in verschiedenen Sprachen bereitstehen bzw. bereitstehen werden.“

Die ÖGK galt als Herzensanliegen der türkis-blauen Ibiza-Regierung. Unter ihrem Dach wurden die regionalen Krankenkassen zusammengefasst. Generaldirektor ist Bernhard Wurzer. Der war zuvor ÖVP-Stadtrat in St. Pölten und Bundesparteiobmann-Stellvertreter in der „Jungen Volkspartei“ (JVP) gewesen. Laut „Kurier“ gilt er aber auch als „Sobotka-Vertrauter“.

(ot)

Titelbild: APA Picturedesk

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