Streit um Arktis

Russland rüstet auf

Im Zuge des Arktischen Rats, welcher am Donnerstag in Reykjavik stattfand, will Russland mit allen Mitteln seinen alleinigen Anspruch auf das Gebiet legitimieren.

Reykjavik, 21. Mai 2021 | Russland übernimmt seit Donnerstag für die kommenden zwei Jahre den Vorsitz im Arktischen Rat. Auf einem alle zwei Jahre stattfindenden Ministertreffen wird der bisherige Ratsvorsitzende Island die Führung am Donnerstagvormittag in Reykjavik offiziell an die Russen übergeben. Dabei wollen die Isländer gleichzeitig auch ein Fazit über die Fortschritte der vergangenen beiden Jahre ziehen.

Russland beansprucht Arktis für sich

Der Führungswechsel kommt zu einem Zeitpunkt, an dem das Verhältnis zwischen dem Westen und Russland erneut in mehrerer Hinsicht angespannt ist. Aus seinen Besitzansprüchen in der Arktis macht der Kreml längst kein Geheimnis mehr. “Es ist schon lange bekannt, dass dies unser Territorium, unser Boden ist”, sagte Außenminister Sergej Lawrow Anfang der Woche in Moskau. US-Außenminister Blinken warnte, dass die USA reagieren würden, sollte Russland in der Arktis aggressiv handeln. “Wir müssen eine Militarisierung der Region verhindern”, sagte er und erinnerte an das gemeinsame Ziel einer “friedlichen und nachhaltigen Zukunft der Region”. Eine Militarisierung der Arktis müsse verhindert werden.

Kampf um freigesetzte Schätze

Die Region ist unter anderem deswegen von politischem Interesse, weil sie durch die zunehmende Erderwärmung immer besser erreichbar ist und eine Ausbeutung der Rohstoffvorkommen realistischer wird. Wegen der natürlichen Ressourcen, der strategischen Lage und der Schiffsrouten konkurrieren nicht nur die acht Anrainerstaaten, sondern auch China in der Region. Russland investiert dort seit Jahren massiv in seine militärische Infrastruktur und in die Gewinnung von Bodenschätzen.

Eigentlicher Schwerpunkt: Klimawandel

Dänemarks Außenminister Kofod forderte die Anrainerstaaten auf, sich zum Klimaschutz zu bekennen.

“Wir werden das Treffen nutzen, um ein starkes Signal an die Welt zu senden, dass wir in Klimafragen jetzt handeln müssen”,

sagte er der “Neuen Osnabrücker Zeitung”.

Zum Arktischen Rat gehören neben Russland, den USA und Dänemark auch Kanada, Norwegen, Schweden, Finnland und Island. Sie treffen sich in regelmäßigen Abständen, um über Probleme und die Entwicklung der Arktis zu beraten.

Der Arktische Rat ist das wichtigste Forum zur Zusammenarbeit in der Arktis. Im Fokus stehen dabei insbesondere der Umweltschutz und eine nachhaltige Entwicklung in der Region rund um den Nordpol. Der Rat wurde 1996 gegründet und feiert damit in diesem Jahr sein 25-jähriges Jubiläum. Ihm gehören neben Russland und Island noch die USA, Dänemark, Finnland, Kanada, Norwegen und Schweden an.

Hier ein paar Eckdaten:

Das riesige Territorium der Arktis – 21 Millionen Quadratkilometer – erstreckt sich vom Nordpol bis zum Polarkreis über acht Länder: Russland, Finnland, Schweden, Norwegen, Island, das zu Dänemark gehörende Grönland, Kanada und den US-Staat Alaska.

Lebensbedingungen

Die Lebensbedingungen in der Arktis sind extrem: Zeitweise fällt das Thermometer auf unter minus 50 Grad, in den Polarnächten herrscht rund um die Uhr Dunkelheit. Bei diesen Temperaturen und dem wenigen Licht ist die einzige Vegetation die Tundra – eine Landschaft aus sumpfigen Ebenen ohne Bäume. Auf dem Höhepunkt des Winters sind 14 Millionen Quadratkilometer Ozean mit Eis bedeckt. Im Sommer schmilzt es auf weniger als fünf Millionen Quadratkilometer.

Bevölkerung

Etwa vier Millionen Menschen leben in der Arktis. 500.000 Bewohner gehören verschiedensten indigenen Kulturen an wie den Inuit, den Aleuten, den Samen und den Jakuten. Seit 1996 gibt es den Arktischen Rat der Anrainerstaaten, der Umweltfragen und die wirtschaftliche und soziale Entwicklung der Region diskutiert. Die Außenminister der Mitgliedstaaten kommen alle zwei Jahre zusammen.

Ökosystem

Die Arktis ist eine der letzten weitgehend unberührten Regionen der Welt. Sie beherbergt mehr als 20.000 bekannte Tier- und Pflanzenarten. Doch das arktische Ökosystem ist in Gefahr: durch Fischerei, Verkehr, Tourismus, die Suche nach Rohstoffen und vor allem durch den Klimawandel.

Die Temperatur in der Arktis stieg seit den 1990er-Jahren doppelt so schnell wie im Weltdurchschnitt. 2019 erlebte die Region das zweitheißeste Jahr seit 1900, und im vergangenen Jahr schmolz so viel Eis wie nie zuvor.

Während das Schmelzen des arktischen Packeises keinen Einfluss auf den Meeresspiegel hat, würde ein vollständiges Abschmelzen des riesigen grönländischen Eisschildes das Meeresniveau um sieben Meter steigen lassen. Die Erwärmung der Arktis gefährdet Arten wie Eisbären, Grönlandwale, Robben und Seevögel.

Besorgniserregend sind auch die großen Brände in abgelegenen Gebieten und das Auftauen des Permafrostbodens, wodurch erhebliche Mengen des Treibhausgases Methan freigesetzt werden.

Rohstoffe

Schätzungen zufolge birgt die Arktis etwa 13 Prozent der unentdeckten Öl- und 30 Prozent der Erdgasreserven der Welt. Das Abschmelzen der Eisdecke macht die Öl- und Gasförderung einfacher und weckt nicht nur bei den Anrainern, sondern auch in weit entfernten Ländern wie China Begehrlichkeiten.

Für Russland hat die Ausbeutung der Bodenschätze Priorität. Auch der ehemalige US-Präsident Donald Trump genehmigte die Suche nach Rohstoffen im größten Naturschutzgebiet in Alaska; sein Nachfolger Joe Biden stoppte jedoch die Pläne.

Territoriale Ansprüche

Neben dem Run auf Bodenschätze verschärfte sich in den vergangenen Jahren auch der Streit um territoriale Ansprüche. Die Regierungen in Moskau, Washington, Ottawa, Oslo und Kopenhagen wollen ihre Gebiete ausweiten.

Der politische Status der Antarktis wird durch das Antarktische Vertragssystem bestimmt. Gemäß Artikel IV und VI des seit 1961 geltenden Grundvertrages betrifft das Übereinkommen alle Land- und Eisflächen südlich der genannten geographischen Breite. Während bestehende Gebietsansprüche unberührt bleiben, dürfen innerhalb der Geltungsdauer keine neuen Ansprüche geltend gemacht werden.

Schiffsrouten

Angesichts des zurückgehenden Eises will Russland den Schiffsverkehr über die Nordostpassage ausbauen. In jüngster Zeit entstanden dort Militär- und Forschungsstützpunkte. Kanada will durch die Nutzung der nordwestlichen Passage vor seiner Küste die Distanz zwischen Atlantik und Pazifik deutlich verkürzen.

(jz/Agenturen)

Titelbild: APA Picturedesk

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7 Kommentare
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ManFromEarth
22. 05. 2021 22:39

Arktis ist aktuell 30 Grad zu warm! Folgen für Eisbären sind gravierend.
Russland bekommt die Folgen des Klimawandels nicht nur durch Temperaturrekorde, massive Waldbrände und Überschwemmungen zu spüren. Wissenschaftler sind auch wegen des Auftauens der Permafrostböden besorgt. Es sind da Unmengen von Methan gespeichert, auch viel Biomasse, Microorganismen verstoffwechseln diese Biomasse zu zusätzlichem Methan und CO2.
https://weather.com/de-DE/wissen/klima/news/arktis-ist-aktuell-30-grad-zu-warm-erwarmung-zwingt-eisbaren-zu-kannibalismus

Ralph
21. 05. 2021 17:11

*lol* dieses Theater wieder. Wenn man sich ausmacht, das jener Teil der Arktis welcher sich auf dem Kontinentalschelf vor der Küste einses Landes befindet auch diesem Land gehört und dann draufkommt, dass diese Vereinbarung zum eigenen Nachteil gereicht… sprich der größte Teil der Arktis am russischen Kontinentalschelf liegt… wurscht, scheiß ma auf die Verträge. Wir können uns ja locker einen dritten Weltkrieg leisten.

Zuletzt bearbeitet 1 Jahr zuvor von Ralph
KarinLindorfer
21. 05. 2021 16:33

Ja eh, dort ist ja noch nicht alles vergiftet und zerstört, das muss man aber schon dringend ändern, weil das geht ja gar nicht……… 🤦‍♀️

Antiparteiisch
21. 05. 2021 12:15

Was ist eine Ausbeutung der Rohstoffvorkommen?
Man könnte diese sicher besser einsetzen, als es oft getan wird, aber Ausbeutung …

ManFromEarth
21. 05. 2021 16:17
Antworte auf  Antiparteiisch

… das schlimmste Szenario da!
Der Zyklus der Biologie da ist extrem langsam, kleine “Zwischenfälle” kann die Natur nur ganz langsam, oder gar nicht beheben. Beispiel: Der Grönlandhai, der lebt bis mindestens 400 Jahre, er wird aber erst mit 150 Jahren Geschlechtsreif und es gibt nur wenige der Tiere.
Einige wenige Verluste in der Population und die Art ist weg, der ist aber der Wichtigste Beutegreifer bis in 2000m Tiefe.
Oder Schmutz, Jede verschmutzte Fläche reduziert das Albedo des Eises, sauberes Eis hat eine Albedo von 99%, Wasser aber nur 5%.
Einmal “Exxon Valdez”, mindestens 10.000 Jahre alle tot….

EndeGelaende
21. 05. 2021 12:01

Es ist das Problem der Menschheit, dass die mit Abstand dümmsten Exemplare der Spezies leider an der Spitze der jeweiligen Völker stehen,
und die Natur und Menschen skrupellos zum eigenen Vorteil ausbeuten.
Hört entlich auf, die Natur und die Bodenschätze auszubeuten, von Geld und Beton und Elektrobatterien kann man dann einmal nicht leben wenn alles andere nicht mehr existiert.

Antiparteiisch
21. 05. 2021 12:17
Antworte auf  EndeGelaende

Nein, die dümmsten einer Spezies gehen wählen und bestätigen die anderen Schwachmaten. Die Völker sind oft genauso debil. Hatte jahrelang Kundenkontakt, mich wundert es nicht, dass so Trottel auf der Welt regieren und Maturanten gewählt werden. Ein Spiegelbild des Volkes.

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