Samstag, Juli 20, 2024

Tierschutz: Tötung von männlichen Küken verboten

Tierschutz:

Ab kommenden Jahr ist das Töten von männlichen Küken in Deutschland verboten. Mit einem Verfahren sollen die Eier vorher aussortiert werden.

Wien, 21. März 2021 | Weil sie keine Eier legen können, weniger Fleisch ansetzen und damit für die Industrie unbrauchbar sind, werden in Deutschland jedes Jahr 45 Millionen männliche Küken kurz nach dem Schlüpfen getötet. Ab dem kommenden Jahr soll damit Schluss sein: Das hat der Bundestag in Deutschland am späten Donnerstagabend beschlossen.

Spezielles Verfahren

Wie die “Tagesschau” berichtet, sollen künftig Verfahren zum Einsatz kommen, mit denen das Geschlecht bereits im Ei bestimmt werde, damit männliche Küken gar nicht erst schlüpfen. Ab dem Jahr 2024 sollen aber auch solche Methoden nur noch dann erlaubt sein, wenn das Geschlecht des Kükens schon in einem besonders frühen Stadium des Brütens erkannt wird. Für Geflügelfarmer gibt es inzwischen technische Möglichkeiten, das Geschlecht der Hühnerembryos schon im Ei zu bestimmen. Mit über 8 Millionen Euro hat das Bundeswirtschaftsministerium verschiedene Projekte dazu gefördert. Damit sollen in Zukunft auch Schmerzen für den Embryo vermieden werden. Tierschützerinnen und Tierschützer hatten ein solches Gesetz schon seit Jahren gefordert.

Nach dem 9. Bebrütungstag kann etwa durch ein kleines Loch in der Eierschale Flüssigkeit entnommen und analysiert werden, wie das deutsche Online-Magazin “Deutschlandwelle”, berichtet. Weibliche Hühner-Embryonen sollen danach weiter ausgebrütet werden, männliche nicht. Deren Eier sollen zukünftig direkt zu Futtermittel weiterverarbeitet werden.

“Darf nur eine Zwischenlösung sein”

Die analytische Geschlechtsbestimmung bereits im Ei dürfe nur eine Zwischenlösung sein, so Olaf Bandt, Vorsitzender beim Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) gegenüber “Deutschlandwelle”. Statt in technische Lösungen zu investieren, sollten laut Bandt die politisch Verantwortlichen jetzt den Umbau zu einer nachhaltigen Landwirtschaft angehen, und für mehr Platz in den Ställen und gesündere Lebensbedingungen der Tiere zu sorgen.

Die Hintergründe

Dem Bundeslandwirtschaftsministerium zufolge werden jedes Jahr rund 45 Millionen männliche Küken getötet. Sie werden in Betrieben im Brutschrank ausgebrütet und dienen der Zucht von Hennen, die besonders viele Eier legen. Wie das Online-Magazin “Zeit Online” berichtet, sei aus Sicht der Betriebe die Tötung der Bruderküken dabei notwendig, um wirtschaftlich zu sein, da sie nicht wie ihre weiblichen Geschwister Eier legen. Gleichzeitig würden sie in der Regel weniger Fleisch ansetzen und seien deshalb aus Sicht der Brütereien auch nicht für die Mast geeignet. Sie ließen sich praktisch nicht vermarkten, wie die Geflügelzüchter argumentieren. Die männlichen Küken werden deshalb meist nach dem Schlüpfen erstickt und dann geschreddert.

Auch die Bio-Branche in Österreich hat bereits 2016 beschlossen, keine männlichen Küken mehr zu töten. Um die unrentable Mast der Hähne zu unterstützen, zahlen die Konsumenten für Bio-Eier ein paar Cent mehr.

(jz)

Titelbild: APA Picturedesk

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