Initiative »Kinderarbeit stoppen«

Forderung um Zadics Unterstützung

Das UN-Kinderhilfswerk verzeichnet zum ersten Mal seit zwei Jahrzehnten weltweit mehr Kinderarbeit. Die Initiative „Kinderarbeit stoppen“ ersucht Justizministerin Alma Zadic jetzt um Hilfe.

Wien, 11. Juni 2021 | Laut Weltarbeitsorganisation (ILO) und UN-Kinderhilfswerk UNICEF sind weltweit rund 160 Millionen Kinder von Kinderarbeit betroffen, weitere neun Millionen könnten aufgrund der Corona-Pandemie bis 2022 dazukommen. UNICEF und ILO schlagen Alarm, die Lage könnte sich durch die Pandemie noch weiter verschlimmern.

In Österreich fordert deshalb die Initiative “Kinderarbeit stoppen!” anlässlich des internationalen Jahres gegen Kinderarbeit ein entschiedenes Handeln der Politik und übergab am Freitag über 2.300 Unterstützungsbotschaften an Justizministerin Alma Zadic (Grüne).

Die Justizministerin zeigte sich besorgt über das weltweite Ansteigen der Kinderarbeit:

“In der Pandemie hat sich die Ausbeutung von Kindern weiter verstärkt. Dem muss Einhalt geboten werden. Das Leben von Kindern verschlechtert sich weltweit durch Krieg, Flucht und Armut.”

Die Politik und die Gesellschaft seien aufgerufen, “geregelte soziale und menschenrechtliche Standards einzuführen und zu befolgen, um Kinderarbeit endlich zu stoppen”, betonte Zadic gegenüber der APA.

Fehlende gesetzliche Verankerungen

Hinter der Initiative steht ein breites Bündnis rund um die Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar, FAIRTRADE Österreich, Jugend Eine Welt und die Kindernothilfe Österreich. Neben konkreter Unterstützung ärmerer Länder und dem Verzicht auf Produkte, in denen Kinderarbeit stecke, sei vor allem die gesetzlich verbindliche Verankerung von arbeits- und menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten entlang der globalen Lieferketten notwendig, fordert die Initiative. Die Mitmachaktion laufe noch bis Mitte Juli.

Deutschland einigt sich auf Lieferkettengesetz

Eine neu veröffentlichte Studie der Österreichischen Forschungsstiftung für Entwicklung (ÖFSE) zeige, dass die globale Kakao- und Schokoladenwertschöpfungskette keineswegs frei von Kinderarbeit sei, hieß es in einer Aussendung der Initiative “Kinderarbeit stoppen!” weiters. Weitergehende Bemühungen in Kooperation zwischen Unternehmen, Zivilgesellschaft und Politik seien daher dringend notwendig, um Kinderarbeit in globalen Produktionsketten zu verhindern.

Kleine Kinder sammeln Ziegeln während sie in einer Stadt in Afghanistan arbeiten. / Foto: APA

So habe sich die deutsche Bundesregierung auf einen gemeinsamen Entwurf für ein Lieferkettengesetz geeinigt, das noch vor den Wahlen im September beschlossen werden soll. Auch dem österreichischen Nationalrat liege ein Entschließungsantrag für ein solches Gesetz vor. Große Dynamik erwartet sich die Initiative von einem noch heuer angekündigten Vorschlag der EU-Kommission für ein sektorübergreifendes Lieferkettengesetz. Bereits im Februar 2021 hatte das EU-Parlament Vorschläge für eine Richtlinie und Verordnungsänderungen vorgelegt.

Forderung für EU-Mindesteinkommen

Die grüne Kinder- und Familiensprecherin Barbara Neßler forderte am Freitag in einer Aussendung: “Freiwillige Vereinbarungen zum Schutz vor Kinderarbeit entlang der Lieferketten sind nicht treffsicher, daher braucht es dringend verbindliche Vorgaben, um Kinderarbeit zurückzudrängen.”

Gemeinsam mit der Delegationsleiterin der Grünen im EU-Parlament, Monika Vana, sprach sie sich zudem für die rasche Einführung eines EU-Mindesteinkommens aus: “Um Familien aus der Armutsfalle zu holen und Kindern ein unbesorgtes Aufwachsen zu ermöglichen. Denn jedes Kind in Armut ist eines zu viel.”

Ausbeutung muss gestoppt werden

Auch die SPÖ-Abgeordneten Petra Bayr, Julia Herr und Eva-Maria Holzleitner betonten am Freitag in einer Aussendung, die Notwendigkeit für ein Lieferkettengesetz, um Kinderarbeit zu stoppen. “Wir brauchen mehr finanzielle Mittel für qualitativ hochwertige Bildung, um allen Kindern einen Schulbesuch zu ermöglichen”, so Holzleitner. “Ausbeuterische Kinderarbeit entsteht dort, wo die Eltern keinen menschenwürdigen Lohn für ihre Arbeit erhalten”, stellte Bayr fest und Herr forderte: “Die Ausbeutung von Kindern entlang der Lieferketten muss endlich gestoppt werden”.

(apa/jz)

Titelbild: APA Picturedesk

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