Hygiene Austria trat Maskengeschäft an Firma von Anwaltskanzlei ab

Still und heimlich hat Österreichs Skandal-Maskenhersteller Hygiene Austria Teile seines Geschäfts an eine Firma einer Wiener Anwaltskanzlei abgetreten. Der Verkauf wirft einige Fragen auf.

Wien, 14. Juni 2021 | Anfang März kam es bei Hygiene Austria zu Hausdurchsuchungen an mehreren Standorten. Die Vorwürfe, nach denen beim heimischen Maskenhersteller chinesische Masken umetikettiert und Arbeiter schwarz beschäftigt worden sein sollen, machten damals Schlagzeilen. Berichte von ehemaligen Mitarbeitern über die üblen Zustände in den Produktionshallen gaben zudem Einblicke in das Missmanagement des von den Firmen Palmers und Lenzing damals noch geführten Unternehmens.

Firma von Wiener Anwaltskanzlei kauft Maskenherstellung

Jetzt hat die Hygiene Austria den Teilbetrieb „Herstellung und Vertrieb von FFP2-Masken sowie MNS“ an eine Tochterfirma einer Wiener Anwaltskanzlei verkauft, wie aus dem „Firmencompass“ hervorgeht. Zuerst berichteten die „Salzburger Nachrichten“ darüber. Die Hintergründe des Verkaufs sind unklar. Zu den Details sei Stillschweigen vereinbart worden, hieß es von Hygiene Austria gegenüber der Zeitung.

Laut „SN“ erfolgte der Verkauf von Maschinen, Material und Ware bereits im Mai. Käufer ist die BNB.healthcare GmbH. Geschäftsführer ist ein Wiener Anwalt. Seine mit Partnern betriebene Kanzlei ist Alleingesellschafterin. Gegenüber den „SN“ wollte er am Freitag nicht über die weiteren Pläne sprechen. Als Geschäftszweig ist im Firmenbuch „Entwicklung, Herstellung, Vermarktung und Handel von bzw. mit Hygiene- und Schutzartikeln, insbesondere Schutzmasken“ vorgesehen.

Hygiene Austria hatte vor wenigen Tagen noch erklärt, man wolle die Produktion weiterführen und das Sortiment erweitern. In einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber den “SN” blieb das Unternehmen am Freitag – trotz verkaufter Produktion – dabei: Der Fokus liege auf der Stabilisierung “und der Weiterführung des laufenden Geschäfts”. Wieso verkauft man das Inventar, wenn man weiter Masken produzieren will? Geschäftsführerin Claudia Witzemann, die erst Anfang April neu ins Unternehmen geholt wurde, wollte der Zeitung persönlich keine weiteren Fragen beantworten.

Auch auf ZackZack-Nachfrage ließ sich das Unternehmen keine näheren Informationen zum Verkauf entlocken. In einem schriftlichen Statement heißt es nur:

Derzeit liegt der Fokus von Hygiene Austria auf der Stabilisierung des Unternehmens und der Weiterführung des laufenden Geschäfts. Wie aus dem Firmenbuch zu entnehmen ist, wurde am 5. Mai 2021 ein Teilbetriebsübergang vollzogen. Wie in solchen Prozessen üblich, wurde von den Vertragsparteien über die Modalitäten Stillschweigen vereinbart.

Masken aus China umetikettiert

Hygiene Austria hatte in der Coronapandemie Schutzmasken aus China als österreichische verkauft. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts auf Schwarzarbeit und Betrug. Als der Etikettenschwindel aufgeflogen war, hatte sich der Faserhersteller Lenzing nach einem Streit mit dem ehemaligen Partner Palmers aus dem Unternehmen zurückgezogen. Die Palmers Textil Aktiengesellschaft ist seither Alleineigentümer.

Wie aus dem mittlerweile im Firmenbuch hinterlegten Abtretungsvertrag hervorgeht, betrug der Kaufpreis für Lenzings Anteil einen Euro. Zusätzlich wurde ein sogenannter Earn-out-Betrag vereinbart, also ein erfolgsabhängiger Anteil des Kaufpreises, der später ausgezahlt wird. In diesem Fall sind es 17 Prozent des Umsatzes der Gesellschaft, die Lenzing jedes Jahr bis Ende 2025 zustehen, maximal jedoch 3,6 Mio. Euro.

Die Hygiene Austria hatte mit dem Maskenverkauf 2020 gut verdient, wie die “SN” weiter berichten. Bei einem Umsatz von rund 19 Mio. Euro erzielte man ein Ergebnis vor Steuern (EBT) von 7,6 Mio. Euro und ein Gesamtergebnis von 5,7 Mio. Euro, schrieb die Zeitung unter Berufung auf die Lenzing-Bilanz. Ein Lenzing-Sprecher betonte gegenüber den “SN”, dass der Gewinn nicht an Lenzing ausgeschüttet worden sei. Auch laut Abtretungsvertrag verzichtete Lenzing rückwirkend auf Ausschüttungen.

Nähe zur ÖVP

Wie ZackZack schon früh berichtet hatte, bestehen zwischen der Hygiene Austria und der ÖVP durchaus interessante Verbindungen. Teilhaber der Hygiene Austria ist Luca Wieser, Ehemann der Büroleiterin von Bundeskanzler Sebastian Kurz, Lisa Wieser. Luca Wieser ist zusammen mit Tino Wieser (Schwager von Lisa Wieser) und Matvei Hutman Vorstand der Palmers Textil Aktiengesellschaft AG – Hygiene Austria ist eine Tochterfirma von Palmers. Für die Pressearbeit der Hygiene Austria war der von der ÖVP-entsandte ORF-Stiftungsrat Gregor Schütze zuständig.

(apa/mst)

Titelbild: APA Picturedesk

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