Neuer ÖBAG-Chef muss weniger können als Thomas Schmid

Nach dem Schmid-Abgang sucht die ÖBAG einen neuen Chef. Die Voraussetzungen für den heiklen Posten sind eher allgemein formuliert. Geht es nach Aufsichtsratschef Helmut Kern, sollen sich bevorzugte Reiche bewerben.

 

Wien, 15. Juni 2021 | Es ist die wohl heikelste Personalie der Republik: die Staatsholding ÖBAG sucht einen Nachfolger von Thomas Schmid. Dessen vorzeitiger Abgang aufgrund der von ZackZack zuerst veröffentlichten „Pöbel“-Chats ist gerade einmal eine Woche her. Die krisengebeutelte ÖBAG will schnellstmöglich einen Neuanfang.

Kriterien allgemein formuliert

Bis 24. Juli haben Interessierte Zeit, sich für den Top-Job zu bewerben. Kolportiert werden 600.000 bis 800.000 Euro Jahresgehalt. Dass Schmids Nachfolger mehr verdienen wird, will Aufsichtsratschef Helmut Kern aber nicht bestätigen. Was der oder die Neue können muss, steht in der äußerst allgemein formulierten Ausschreibung. So soll der kommende Alleinvorstand „Integrität, bewiesene Managementkompetenz mit ausgeprägter strategischer Konnotation und idealerweise Aufsichtsratserfahrung“ mitbringen.

„Entsprechende Expertise in komplexem Stakeholder-Management“ sowie Erfahrung im privatwirtschaftlichen Bereich „mit öffentlicher Berührung“ sind weitere Voraussetzungen. Auch das „Management internationaler Partnerschaften“ ist ein Kriterium, eigene internationale Erfahrung aber nicht. Wie bei Schmid: Beim Aufsetzen der Ausschreibung hatte er diesen Punkt selbst entfernen lassen. Allerdings war bei der Schmid-Ausschreibung eine betriebswirtschaftliche oder juristische Ausbildung mit akademischem Abschluss noch zwingend erforderlich gewesen.

Reiche bevorzugt, kein Dementi von Hesoun

ÖBAG-Aufsichtsratschef Kern betont unterdessen, der neue Alleinvorstand müsse wissen, „wie die Republik tickt“. Er hoffe zudem „auf jemanden mit materieller Unabhängigkeit, für den die Bezahlung nicht im Vordergrund steht“. Eine Aussage, die beim ohnehin hohen Gehaltsniveau aufhorchen lässt. Im Gespräch für den Chefposten soll Medienberichten zufolge Siemens-Chef Wolfgang Hesoun sein. Brisant, denn Kern betont, die Ausschreibung sei auf niemanden zugeschnitten.

Auf Hesoun würde jedenfalls nicht nur die „materielle Unabhängigkeit“ zutreffen. Der reiche Industrielenker kann zwar, wie erwünscht, Erfahrung als Manager (Generaldirektor Siemens Österreich) und Aufsichtsrat (Boss bei Casinos Austria) vorweisen. Im Ausland war er allerdings noch nie tätig. Ob er sich bewerben möchte, ist unklar. Eine entsprechende ZackZack-Anfrage ließ Hesoun über seine Sprecherin beantworten. Man wolle sich zu etwaigen Spekulationen nicht äußern.

Bei seinem Arbeitgeber soll der angestellte Generaldirektor angezählt sein. Hauptgrund laut Siemens-Insidern: seine erst spät dementierte Beteiligung an einer Bietergruppe für die MAN Steyr-Übernahme. Hesouns Society-Leben soll zudem Nachfragen der Compliance-Abteilung aus der deutschen Unternehmenszentrale zur Folge gehabt haben. Auslöser: die illustren Weinabende bei Wolfgang Rosam. Hesoun hatte die Luxus-Weinverkostung, anders als etwa WKO-Präsident Harald Mahrer, nicht als Privatrunde betrachtet.

Opposition skeptisch

Für SPÖ-Budgetsprecher Jan Krainer ist das kolportierte Vorstandsgehalt deutlich zu hoch angesetzt. Die SPÖ trete dafür ein, „dass das Jahresgehalt für den ÖBAG-Vorstand gemäß dem Jahresgehalt des Bundeskanzlers laut Gehaltspyramide, also bei rund 320.000 Euro, gedeckelt wird“.

Die NEOS sind ebenfalls für eine solche Deckelung. Man sei zwar froh, dass „beim Fahrplan zur Bestellung des neuen Vorstandes der ÖBAG etwas weitergeht.“ Wirtschaftssprecher Sepp Schellhorn bleibt aber skeptisch: „Im Sinne einer starken ÖBAG braucht es hier aber eine Doppelspitze als Vorstand. Sogar der Österreichische Corporate Governance Kodex empfiehlt, dass der Vorstand aus mehreren Personen besteht.“ Auch die SPÖ meint, für die wichtige Entscheidung müsse das „Vieraugenprinzip“ gelten.

(wb)

Titelbild: APA Picturedesk

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