Jetzt ist es offiziell: Kickl neuer FPÖ-Chef

Am Samstag wurde Herbert Kickl zum neuen FPÖ-Chef gewählt. Am Wr. Neustädter Bundesparteitag hielt er eine Hetzrede gegen die politischen Mitbewerber.

Wr. Neustadt, 19. Juni 2021 | Die FPÖ traf sich zum außerordentlichen Parteitag, um nach dem überraschenden Rücktritt von Norbert Hofer einen neuen Parteichef zu wählen.

Klubobmann Herbert Kickl erhielt über 88 Prozent der Stimmen und ist damit 14. FPÖ-Parteichef. Heinz Christian Strache hatte zuletzt fast 99 Prozent, Norbert Hofer über 98 Prozent Zustimmung erhalten. Ohne Probleme brachte Kickl seinen Wunschkandidaten Udo Landbauer durch, es fand sich nur eine Gegenstimme. Der Niederösterreicher Landbauer war 2018 infolge der sogenannten Liederbuchaffäre kurzfristig von seinen Ämtern zurückgetreten.

Die antisemitischen Hetzlieder im Gesangsbuch von Landbauers Burschenschaft “Germania” und die rassistischen Äußerungen, die Landbauer im Lauf seiner Karriere wiederholt tätigte, stellten für seine Wahl zum FPÖ-Vizechef kein Hindernis dar.

Kickls Hetzrede

Herbert Kickl hielt anlässlich seiner Wahl eine Rede, in der er gegen politische Gegner hetzte. ÖVP-Klubobmann August Wöginger nannte er einen “Ungustl”, die ÖVP sei ein “schwarzer Korpus mit einem türkisen Wimmerl”. Dem Bundeskanzler prophezeihte Kickl das baldige politische Aus: „Die Füße derer, die Sebastian Kurz hinaustragen, haben bereits die Gehsteigkanten der Lichtenfelsgasse erreicht.“

Die Absage Kickls an eine erneute Koalition mit der Kurz-ÖVP hätte deutlicher nicht ausfallen können: Ohne sie ausdrücklich zu nennen, nannte Kickl die ÖVP und ihre Parteigänger in der Verwaltung “Ausgeburten” und “Proponenten des tiefen Staats”, zu denen er keine Brücken bauen könne. Die “spätpubertierenden Primitivlinge aus der türkisen Bagage” bezeichnete der neue FPÖ-Chef als “hinterfotzig”.

Konflikte innerhalb der SPÖ nahm Kickl zum Anlass, Öl ins Feuer zu gießen. “Der letzte Vernunftbegabte” – gemeint war der burgenländische Landeshauptmann Hans-Peter Doskozil – habe sich in die pannonische Tiefebene zurückgezogen. Kickl verstehe nicht, warum man in der SPÖ Rendi-Wagner vorziehe.

Die Regierung nannte Kickl “Lüstlinge der Macht.” Die Grünen seien zugekifft und zugedröhnt, weil sie an der Macht geschnuppert” hätten, und: „So arg kann gar kein Virus mutieren wie Kogler, Maurer und Co.“

Kickl will Kanzler werden

In Richtung seines Vorgängers Norbert Hofer, der den parteiinternen Machtkampf um die Führung verloren hatte, streckte Kickl die Hand aus. Er bot Hofer eine neuerliche Kandidtur für das Bundespräsidentenamt an.

Kickl ließ keinen Zweifel daran, welches Amt er selbst anstrebt: „Wir spielen auf Sieg. Mit euch und für euch will ich für Österreich gewinnen, das ist mein Plan für die kommenden Jahre.“ Damit stellt Kickl, wie zuvor Heinz-Christian Strache für sich den Kanzleranspruch.

(tw)

Titelbild: APA Picturedesk

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