77 Krankenhäuser nutzten Kurzarbeit

7000 Beschäftigte betroffen

77 Krankenhäuser nutzten seit Corona Kurzarbeit. Davon waren 7.001 Beschäftigte betroffen. Auf Antworten aus Ministerien wartet man aber vergebens. 

Wien, 02. Juli 2021 | Man will es kaum glauben, gelten doch Krankenhäuser als die Epizentren der Coronakrise. Aber auch dort wurde seit März 2020 ordentlich auf Kurzarbeit gesetzt. 77 Krankenhäuser haben in Österreich bis März 2021 Kurzarbeit in Anspruch genommen, was insgesamt 7.001 Beschäftigte betroffen hatte. Das ergab eine Anfrage der FPÖ an Arbeitsminister Martin Kocher (ÖVP).

Kocher antwortet bescheiden

Ob es sich bei den 7.001 Beschäftigten um medizinisches Personal gehandelt hat, ließ Kocher offen. Dies wäre nur „mit enorm hohem verwaltungstechnischen Aufwand möglich“, schreibt der Arbeitsminister, weshalb man es gelassen habe. Immerhin hätte man 250.000 Kurzarbeitsprojekte durcharbeiten und gesondert klassifizieren müssen, rechtfertigt sich Kocher.

Dadurch bleiben der Anfrage wichtige Informationen vorenthalten, denn es wird nicht zwischen medizinischem und nicht-medizinischem Personal unterschieden.

Nur regional konnte Kocher differenzieren. So waren es im Burgenland 2 Spitäler, in Kärnten 6, in Niederösterreich 13, in Oberösterreich 10, in Salzburg 13, in der Steiermark 10, in Tirol 10, in Vorarlberg 4 und in Wien 9.

Warum Kurzarbeit?

ZackZack fragte beim Gesundheitsministerium mit einer ausführlichen Anfrage nach, aus welchen Gründen Krankenhauspersonal in Kurzarbeit geschickt wurde und ob es sich um medizinisches Personal handelt. Immerhin wurden die Corona-Gesetze zumindest zu Beginn mit der drohenden Überlastung des Gesundheitssystems argumentiert. Das Gesundheitsministerium ließ die Anfrage trotz mehrerer Tage Zeit unbeantwortet.

Dagmar Belakowitsch (FPÖ), von der die Anfrage gekommen ist, sieht ein „evidentes Versagen der Bundesregierung“. Anstatt nach dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 Personal aus- und weiterbilden zu lassen, habe man sich im letzten Herbst überraschen lassen und „mit einem Dauerlockdown geantwortet“.

Wie sie sich die Kurzarbeit in Krankenhäusern erklärt? Sicherlich sei auch ein Grund die Einschüchterung der Regierung, weshalb viele Patienten nicht mehr von ihrem Recht Gebrauch gemacht hatten, ein Spital aufzusuchen. Sie wisse aber auch von Pflegekräften auf Coronastationen, die Minusstunden schreiben mussten.

Rechnungshof prüft

Sie kündigt eine Folgeanfrage an, auch wenn es „symptomatisch für die ÖVP, aber auch für die Grünen“ sei, „dass keine detaillierten Auskünfte gegeben werden“, so Belakowitsch zu ZackZack.

Aktuell prüft auch der Rechnungshof die Coronazahlen. Er dürfte auch die „Dashboards“, auf deren Basis die Corona-Einschränkungen verordnet werden, auf ihre Wahrheit prüfen. Dann dürfte sich auch zeigen, wie ausgelastet die Spitäler waren. Der deutsche Rechnungshofbericht kam zu dem Schluss, dass einige Spitäler eine höhere Auslastung angegeben hatten, als es tatsächlich gab.

(ot)

Titelbild: APA Picturedesk

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