Hoffnung für Britney Spears?

Vormundschaftsfall geht erneut vor Gericht

Britney Spears’ Kampf um den Erlass ihrer Vormundschaft geht erneut vor Gericht. Es soll entschieden werden, ob Spears einen eigenen Anwalt einstellen darf. Gibt es Hoffnung?

Los Angeles, 14. Juli 2021 | Unter starke Medikamente gesetzt, zu Auftritten gezwungen, nicht mehr heiraten dürfen oder Kinder kriegen: Sängerin und Pop-Star Britney Spears befindet sich bereits seit 13 Jahren in der Vormundschaft ihres Vaters. Seit einem psychischen Zusammenbruch im Jahr 2008 darf die Sängerin all ihre persönlichen und finanziellen Angelegenheiten nicht mehr selbst regeln.

Weiters verwaltet ein Finanztreuhändler zusammen mit dem Vater ihr geschätztes Vermögen von 60 Millionen Dollar. Ende Juni hat sie bei einer Gerichtsanhörung ihre Befreiung gefordert, ohne Erfolg. Der Antrag wurde abgewiesen.

Forderung für neuen Anwalt

Spears’ Kampf um die Beendigung ihrer Vormundschaft, die ihr Leben seit langer Zeit kontrolliert, wird nun am Mittwoch für eine weitere Anhörung vor Gericht zurückgeführt, die ihren Fall ändern könnte, wie der britische „Guardian“ berichtet.

Foto: APA

Die Anhörung am heutigen Mittwoch ist für 13.30 Uhr (Ortszeit) im Obersten Gerichtshof von Los Angeles angesetzt. Es ist unklar, ob Spears noch einmal auftauchen wird. Es geht dann in erster Linie um die Frage, ob sie ihren eigenen Anwalt auswählen und einstellen darf. Aufzeichnungen haben klar gezeigt, dass Spears seit Jahren stark gegen die Vormundschaft sei – ihr Anwalt Samuel Ingham, der Millionen von Spears erhalten hat, hatte die Beendigung der Vormundschaft jedoch nie beantragt.

Missbraucht und ausgenutzt

Im Juni hatte Britney Spears in einer Gerichtsanhörung in einer emotionalen Rede eine generelle Aufhebung der Vormundschaft beantragt. Sie sei “traumatisiert”, könne nicht schlafen, teilte die Sängerin mit. Ebenfalls beklagte sie, sie würde zur Einnahme des Medikaments Lithium gezwungen. Sie sei auch gezwungen worden, in der Vergangenheit Konzerte zu geben, und nannte die Situation generell “missbräuchlich”. Sie fühle sich von ihrer Familie und ihren Managern ausgenutzt. Sie dürfe zudem nicht selbst entscheiden, zu heiraten oder sich ihre Spirale zur Empfängnisverhütung entfernen zu lassen.

Haufenweise Rücktritte

Ihre Rede sorgte für einen Umbruch in ihrem seit Jahren weitgehend geheim gehaltenen Fall: Ihr umstrittener, vom Gericht bestellter Anwalt Samuel Ingham hatte seinen Rücktritt beantragt. Demnach will Ingham von seinen Aufgaben entbunden werden, sobald das Gericht einen neuen Anwalt bestellt hat.

Der Finanztreuhändler „Bessemer Trust“ hat sich von der Beaufsichtigung ihres Vermögens zurückgezogen, ihr langjähriger Manager trat ebenfalls zurück und ihr Vater, Jamie Spears, hat das Gericht gebeten, ihre Vorwürfe zu untersuchen.

Der Gerichtsanwalt Ingham wurde Spears zugewiesen, als sie 2008 zum ersten Mal eingewiesen wurde und als unfähig erklärt wurde, einen eigenen Anwalt einzustellen. Fans haben sich seitdem dafür eingesetzt, dass die Gerichte Spears ihre Unabhängigkeit zurückgeben. Die New York Times berichtete, dass Spears nun in  Kontakt mit Mathew Rosengart stünde, einem Hollywood-Anwalt und ehemaligen Bundesanwalt, der voraussichtlich am Mittwoch an der Anhörung teilnehmen und dafür plädieren werde, ihn einzustellen.

Die gesamte Rede von Spears wurde geleaked und veröffentlicht. Darin erzählt sie, was ihr Vater und der Manager mit ihr gemacht haben soll:

“Verletzung der Menschenrechte”

Sängerin Madonna hat am Dienstag mit drastischen Worten ihre Unterstützung für Spears bekundet. “Dies ist eine Verletzung der Menschenrechte! Britney, wir kommen, um dich aus deinem Gefängnis zu holen!”, schrieb sie in einer Instagram-Story zu einem Foto, auf dem sie ein Top mit Spears’ Namen trägt. “Sklaverei ist vor langer Zeit abgeschafft worden!”, so die 62 Jahre alte Pop-Ikone. “Gebt dieser Frau ihr Leben zurück.”

Vormundschaften werden in der Regel von älteren oder gebrechlichen Menschen genutzt, die als entscheidungsunfähig erachtet werden. Experten bestätigten jedoch, dass es sich bei dem Britney Spears-Prozess um einen Missbrauchsfall handle.

“Das ist größer als Britney”

Wie „The Guardian“ weiter berichtet, werde es ein langer und schwieriger Prozess sein, die Vormundschaft zu beenden. Experten hoffen jedoch, dass Spears‘ Prozess einen Wendepunkt einnimmt, wenn Spears ihren eigenen Anwalt behalten würde, der aggressiv für die Beendigung der Vereinbarung kämpfen könnte.

Die Flut von Rücktritten und Kämpfen seit ihrer Zeugenaussage im Juni habe den Befürwortern der „#FreeBritney“-Bewegung, die sich seit Jahren für die Freiheit von Britney Spears einsetzen, etwas Hoffnung gegeben.

„Es signalisiert, dass das Ganze endlich bröckelt. Für mich ist es der wahre Anfang vom Ende“, sagte eine langjährige #FreeBritney-Aktivistin, Megan Radford, gegenüber „The Guardian“. Sie fügt hinzu, dass es sehr beunruhigend sei, dass Spears trotz ihrer Behauptungen über Misshandlungen und ihrer Bitten um Hilfe unter der Kontrolle derselben Leute blieb.

“Sie kämpfen alle hin und her, aber niemand tut wirklich, was Britney verlangt hat.”

Foto: APA

Kevin Wu, ein weiterer Fürsprecher, sagt gegenüber „The Guardian“, er sei optimistisch, dass „ihre Freiheit bald kommt“, und fügte hinzu: „Das ist größer als Britney. Es gibt viele Menschen, die unter missbräuchlicher Vormundschaft stehen. Die Aufmerksamkeit auf ihren Fall wird hoffentlich vielen dieser Menschen Gerechtigkeit bringen.“

Die American Civil Liberties Union und andere Behindertenrechtsgruppen haben diese Woche ein Amicus-Briefing eingereicht, um ihr Recht zu unterstützen, ihren eigenen Anwalt einzustellen. Die Anwälte ihres Vaters haben jedoch ihre Position wiederholt verteidigt und gesagt, ihre Priorität sei „das Wohl von Spears“, so „The Guardian“.

(jz)

Titelbild: APA Picturedesk

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