Maturareise in Kroatien:

Sexuelle Übergriffe, Rassismus und Corona-Infektionen

Ein Vergewaltigungsvorwurf gegen einen 19-jährigen Maturanten, sexuelle Übergriffe von Security-Mitarbeitern und 65 Corona-Infektionen auf einer Maturareise in Kroatien.

Wien, 14. Juli 2021 | Bei der X-Jam-Maturareise in Kroatien, bei der es zu sexuellen Übergriffen, Belästigungen und rassistischen Beleidigungen gekommen sein soll, hat es auch einige Infektionen mit dem Coronavirus gegeben. Wie der Veranstalter am Mittwoch bekanntgab, haben sich insgesamt 65 Teilnehmende der Maturareise mit SARS-CoV-2 infiziert. Bei zwei Betroffenen konnte die Infektion noch an Ort und Stelle nachgewiesen werden, bei 63 nach ihrer Rückkehr in ihre Heimatgemeinden.

Von den 65 Fällen entfallen laut derzeit vorliegenden Informationen 28 auf Teilnehmende aus Österreich und 37 auf Teilnehmende aus Deutschland. Das Contact Tracing erfolgt durch die jeweils zuständigen Behörden.

Zusammenarbeit mit deutschen Behörden

Wie X-Jam-Geschäftsführer Alexander Knechtsberger in einer Stellungnahme betonte, wurden auf dem Party-Gelände – ein Ferienressort auf der Halbinsel Lanterna – über 30.000 Corona-Tests, davon 23.000 PCR-Tests, durchgeführt. In zwei Fällen wurde SARS-COV-2 nachgewiesen.

“Bei diesen beiden Infektionen ist es in Zusammenarbeit mit den deutschen Behörden gelungen, den Infektionsweg nachzuvollziehen und zu klären. Bei beiden Teilnehmerinnen aus Deutschland war der verpflichtende PCR-Test zwei Tage vor ihrer Abreise in Deutschland negativ und der beim Buseinstieg durchgeführte Antigen-Test ebenfalls negativ, obwohl – wie das Contact-Tracing in Deutschland ergab – die beiden bereits vor der Abfahrt in Deutschland infiziert waren”, erläuterte Knechtsberger.

“Sämtliche K1-Personen unter Quarantäne”

Als die nun positiven Ergebnisse vorlagen, wurden die beiden Teilnehmerinnen sofort abgesondert und in Quarantäne gebracht, so Knechtsberger. Sämtliche K1-Personen wurden ebenfalls unter Quarantäne gestellt. “X-Jam” bedauert, dass es trotz des umfassenden Präventionskonzepts zu Infektionen gekommen ist.

 Sexuelle Belästigung und rassistsche Beleidigungen

Nach den Vorwürfen rund um die “X-Jam”-Maturareise, bei der es seitens mehrerer Security-Mitarbeiter zu sexuellen Übergriffen, Belästigungen und rassistischen Beleidigungen gekommen sein soll, haben sich bisher 40 Maturantinnen und Maturanten bei einer vom Veranstalter eingerichteten Beschwerdestelle gemeldet. In einigen Fällen gebe es “konkrete Anschuldigungen” gegen Security-Mitarbeiter, teilte Mittwochmittag der Veranstalter X-Jam auf APA-Anfrage mit.

“Wir nehmen alle Vorwürfe ernst”

Die Betroffenen sollen nun Gelegenheit bekommen, die Verdächtigen zu identifizieren, um ihre allfällige strafrechtliche Verfolgung möglich zu machen. Die Kontaktaufnahmen und Terminvereinbarungen seien im Gange, stellte X-Jam klar. Derzeit seien dem Unternehmen vier Security-Mitarbeiter bekannt, denen vorgeworfen wird, sie hätten “sich ungebührlich verhalten, beleidigende Aussagen getätigt oder überschießende Reaktionen gesetzt”.

Sollten sich die Vorwürfe erhärten, werde man die ehemaligen Securities – die Beschäftigungsverhältnisse wurden mittlerweile aufgelöst – anzeigen. “Wir nehmen alle Vorwürfe ernst”, bekräftigte X-Jam.

Vergewaltigung einer Maturantin

Unterdessen wird die angebliche Vergewaltigung einer Maturantin überprüft, die in Kroatien von einem 19-jährigen Steirer, der eine Schule in Niederösterreich besucht hatte, in ihrem Hotelzimmer missbraucht worden sein soll. Der Bursch sagt, der Sex sei einvernehmlich gewesen. Das Mädchen behauptet, es habe zunächst zwar Kontakt gegeben, sie habe sich dann aber widersetzt, als es intimer wurde, und dem jungen Mann zu verstehen gegeben, dass sie keinen Sex wolle. Er habe trotzdem nicht von ihr abgelassen.

Der 19-Jährige war am 7. Juli von der kroatischen Polizei festgenommen worden. Am 8. Juli wurde er in Istrien einem U-Richter vorgeführt, der die Enthaftung des Verdächtigen anordnete. Zugleich wurde das Ermittlungsverfahren an Österreich abgetreten. Der 19-Jährige kehrte in seine Heimat zurück.

Unterlagen noch nicht eingelangt

Die strafrechtlichen Ermittlungen gegen den 19-Jährigen dürften von der Staatsanwaltschaft Graz geführt werden. Behördensprecher Christian Kroschl konnte das auf Anfrage der APA vorerst nicht bestätigen. Die Unterlagen und ein entsprechendes Ersuchen aus Kroatien seien noch nicht eingelangt, hieß es.

(apa/jz)

Titelbild: APA Picturedesk

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