Söder-Kritik an Kurz

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hält wenig von der Haltung des österreichischen Bundeskanzlers, dass Corona nun zu einer Privatsache werde.

Wien, 16. Juli 2021 | Differenzen zwischen dem bayrischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) und Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP). Söder sieht die Verantwortung bei der Bekämpfung der Pandemie anders als Kurz.

Kurz: Corona „individuell medizinisches Problem“

Am Wochenende verkündete Kurz, dass Corona nun ein „individuell medizinisches Problem“ werde und nicht mehr eine „gesamtgesellschaftliche Herausforderung“. Künftig solle mehr Eigenverantwortung gelten: “Es gibt das Recht, rechtskonform unvernünftig zu handeln. Man kann am Tag zehn Schnitzel essen oder mit 140 Kilo die Felswand hinaufklettern, ohne dass der Staat unten steht und das Seil sichert.”

Söder kritisiert Kurz

Söder sieht dies hingegen anders. Bei einer Pressekonferenz machte er seinen unterschiedlichen Standpunkt klar. „Es bleibt im öffentlichen Interesse“. Dabei zog er auch den Bergsteiger-Vergleich von Kurz – den er „sonst sehr schätze“ – aber in diesem Punkt kritisiert: „Wenn ich am Berg gehe und runterfalle, ist es mein privates Risiko. Corona hat das Grundproblem, dass ich nicht nur mich schütze, sondern ich muss auch andere schützen. Deswegen ist es auch als Seuche eingestuft und läuft nach dem Infektionsschutzgesetz.“

Söders Kritik an Kurz: Ab Minute 8:15

Nicht die erste Söder-Kritik an Kurz

Nicht das erste Mal wurde der Bayern-Chef der ÖVP-Schwesternpartei CSU kritisch gegenüber Kurz. Im November letzten Jahres wurde Söder laut, als die österreichische Regierung mitten im Lockdown ankündigte, die Ski-Gebiete aufzumachen. “Es wäre besser, wenn wir nicht nur in Deutschland sagen: keine Ski-Gebiete, kein Tourismus – sondern auch Österreich dazu bringen würden“, sagte Söder damals. Die deutsche Bild Zeitung bezeichnete den Zwist sogar als “Ski-Schlacht” zwischen Kurz und Söder.

Die österreichische Bundesregierung musste indes am Donnerstag dann doch eingestehen, dass Corona noch ein Problem des Staates, und nicht eines der Individuen ist. Die Regierung verschärfte die Zutrittsmaßnahmen aufgrund der steigenden Delta-Fälle für die Nachtgastronomie. Ab. 22. Juli ist der Eintritt nur noch mit PCR-Test oder Impfung möglich.

(bf)

Titelbild: APA Picturedesk

Lesen Sie auch

157 Kommentare
Neueste
Älteste Meisten Bewertungen
Inline Feedbacks
Zeige alle Kommentare