Großbritannien und Israel auf gegensätzlichem Corona-Kurs

Überwachung Infizierter per SMS-System auf der einen Seite, „Freedom-Day“ auf der anderen – die beiden Impf-Meister Israel und Großbritannien schlagen einen sehr gegensätzlichen Kurs auf dem Corona-Maßnahmen-Meer ein.

Wien, 19. Juli 2021 | Die Impfquote Israels und Großbritanniens liegt bei rund zwei Drittel der Bevölkerung: Grund genug für den Inselstaat, fast alle Corona-Maßnahmen aufzuheben. Israel steuert in die entgegengesetzte Richtung und verschärft seine Maßnahmen hingegen, da mehr als die Hälfte der Neuinfektionen im Land Geimpfte betrifft.

„Freedom-Day“: UK hebt fast alle Maßnahmen auf

Maskenpflicht und Abstandsregeln sind abgeschafft, Discos dürfen öffnen, Theater und Sportstadien sämtliche Plätze besetzen. Die Empfehlung zum Home Office wurde ebenso aufgehoben: In der Nacht auf Montag trat der Beschluss der britischen Regierung in Kraft. Begründet wird dies mit der hohen Impfquote: Mehr als zwei Drittel der Erwachsenen Großbritanniens sind bereits vollständig geimpft.

“Wenn wir es jetzt nicht tun, müssen wir uns fragen, wann wir es jemals tun werden”,

sagte Regierungschef Boris Johnson, mahnt die Bevölkerung aber gleichzeitig zur Vorsicht und ruft dazu auf, sich impfen zu lassen.

Eine der Regeln die in Kraft bleibt, ist die verpflichtende Selbstisolation nach Kontakt zu einem Infizierten. Johnson erhielt am Wochenende auch gleich eine Gelegenheit zur Vorbildwirkung: Nachdem er Kontakt mit dem an Covid-19 erkrankten britischen Gesundheitsminister hatte, erledigt Johnson seine Regierungsgeschäfte seither in Selbstisolation.

Israel bereitet Handy-Überwachung Isolierter vor

Ganz anders ist es in Israel, das mit 56 Prozent vollständig Geimpfter eine ähnlich hohe Impfquote wie Großbritannien hat: Hier kommt es ab Mittwoch wieder zu Beschränkungen für Versammlungen von mehr als 100 Menschen in geschlossenen Räumen, es gilt die 3G-Regel. Geimpfte Touristen hätten ab 1. August ins Land einreisen dürfen – auch das wird vorerst vertagt, wie die “Jerusalem Post” berichtet. Außerdem gab der israelische Ministerpräsident Naftali Bennett die Ausarbeitung einer rechtlichen Grundlagen für die Überwachung von Personen in Quarantäne mittels SMS-System in Auftrag: Die Polizei soll so deren Standort ermitteln und überprüfen können.

Israel: Impfung weniger wirksam bei Delta-Variante

Israels Ministerpräsident begründet die verschärften Maßnahmen mit der Ausbreitung der Delta-Variante und der Tatsache, dass mehr als die Hälfte der gemeldeten Neuinfektionen im Land mindestens einmal geimpfte Menschen betrifft. Gelockerte Maßnahmen wurden bislang mit der Impfquote begründet. Israelische Forscher suchen noch nach Ursachen, warum die Impfung bei der Delta-Variante weniger schützt.

Delta-Variante in Großbritannien

Auch in Großbritannien breitet sich die Delta-Variante des Coronavirus stark aus. Zuletzt überschritt die Zahl der täglichen Neuinfektionen die Marke von 50.000. Die Insel verzeichnet inzwischen zwar deutlich weniger Todesfälle als in früheren Corona-Wellen. Dennoch würde ein starkes Ansteigen der Fallzahlen nach Angaben von Medizinern den Gesundheitsdienst NHS unter Druck setzen, befürchten zahlreiche Kritiker des Lockerungs-Kurses. Derzeit werden rund 550 Covid-19-Patienten auf der Intensivstation behandelt. Am Höhepunkt der zweiten Welle im Jänner waren es mehr als 4.000.

(lb)

Titelbild: APA Picturedesk

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