Prozess geschwänzt:

Haftbefehl gegen Wendler

Schlagersänger Michael Wendler ist mehrfach unentschuldigt nicht zu Gerichtsterminen gekommen. Die Richterin greift jetzt durch – mit einem Haftbefehl für den Sänger.

Dinslaken, 20. Juli 2021 | Weil der umstrittene deutsche Schlagersänger Michael Wendler nicht als Angeklagter in einem Prozess erschienen ist, will ihn ein Amtsgericht nun per Haftbefehl zur Verhandlung bringen lassen. In Deutschland hat man Michael Wendler schon seit Monaten nicht mehr zu Gesicht bekommen. Stattdessen macht er es sich in seiner Wahlheimat Florida in den USA gemütlich.

Drohende Abschiebung aus den USA

Das Gericht Dinslaken erließ am Dienstag einen Sitzungshaftbefehl, der gilt, bis Wendler seiner Ladung vor Gericht nachkommt. Er sei ordnungsgemäß zu den mehrfach verschobenen Gerichtsterminen geladen worden und fehle nun unentschuldigt, so das Gericht laut einem Sprecher.

Foto: APA

Es sei unklar, ob ein solcher Haftbefehl in den USA überhaupt vollstreckt werde, ergänzte er. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 49-Jährigen, der inzwischen in den USA lebt, vor, Beihilfe zum Vereiteln einer Zwangsvollstreckung geleistet zu haben. Deswegen war ein Strafbefehl erlassen worden, gegen den Wendler Einspruch einlegte – allerdings ohne Erfolg. Wendler könnte jetzt die Abschiebung aus den USA drohen.

Prozess um Plattenfirma

In dem Prozess geht es um Wendlers Plattenfirma “CNI Records”, die von seiner Ex-Frau Claudia Norberg geführt wurde und 2016 pleite ging. Im Zuge der Insolvenz soll sie Rechte an der Wortmarke “Michael Wendler” und die GEMA-Rechte an 176 Wendler-Songs auf Michael Wendler übertragen haben, um sie so aus der Insolvenzmasse zu lösen und dem Zugriff der Gläubiger zu entziehen. Der Wert der Rechte wird auf eine mittlere sechsstellige Summe geschätzt.

Wendler soll bei den Vorgängen Beihilfe geleistet haben. Deswegen war gegen ihn ein Strafbefehl erlassen worden, der sich nach Angaben des Gerichts auf sechs Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung beläuft. Dagegen legte der Sänger wiederum Einspruch ein. So kam es nun nach mehreren verschobenen Terminen zum Prozess. Bis zu einer Verurteilung gilt für Wendler die Unschuldsvermutung.

Wendler sorgt immer wieder für Schlagzeilen

Der Schlagersänger hatte im Oktober 2020 einen Eklat ausgelöst, weil er der Bundesregierung „grobe und schwere Verstöße gegen die Verfassung“ in der Corona-Krise vorwarf. Zudem beschuldigte er Fernsehsender – darunter seinen damaligen Haussender RTL – „gleichgeschaltet“ zu sein. RTL distanzierte sich sofort und nannte Wendler einen Verschwörungstheoretiker, wie das Online-Magazin “Welt” berichtet.

Im Januar verglich er in einer Gruppe des Messengerdienstes “Telegram” die Corona-Maßnahmen mit einem „KZ“. Später erklärte der Schlagersänger, er habe mit „KZ“ „Krisen-Zentrum“ gemeint.

(jz/apa)

Titelbild: APA Picturedesk

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