ÖGK will Ärzte-Entscheidung

Privat oder Kasse

Einen Vorschlag der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK), dass sich Ärzte zwischen Kassa- oder Privatarzt entscheiden müssten, bringt die Ärztekammer in Rage.

Wien, 21. Juli 2021 | Kassenarzt oder Privatarzt – das war der Vorschlag des Obmanns der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK), Andreas Huss (Titelbild, Anm.) Die Ärztekammer zeigte sich daraufhin verärgert, der Vorschlag sei sogar „dreist“, heißt es aus Niederösterreich.

Weniger Privilegien für Ärzte?

Das Wahlarztsystem funktioniere laut Edgar Wutscher, Obmann der Allgemeinmediziner in der Standesvertretung, „wunderbar“. Aus Ärztesicht ist das aktuelle System praktisch: Einerseits können sie Kosten über die öffentliche Hand abrechnen, andererseits privat. Das beste aus beiden Welten sozusagen. ÖGK-Huss sagte bei seinem Vorstoß letzte Woche:

„Wenn jemand kein Kassenarzt sein möchte, ist er Privatarzt mit all seinen Vor- und Nachteilen. „Jeder Arzt, der will, kriegt einen Kassenvertrag. Alle anderen sind automatisch Privatärzte.“

Arbeiterkammer unterstützt Vorschlag

Die Ärztekammer forderte ÖGK-Generaldirektor Bernhard Wurzer auf, dazu Stellung zu nehmen. Der türkise Wurzer nannte den Vorschlag seines Obmannes allerdings auch „spannend“. Ein ähnliches Konzept habe auch Deutschland. Er verwies darauf, dass derzeit über einen österreichweiten Gesamtvertrag, für den die Ärztekammer bereits einen Entwurf vorgelegt hat, verhandelt werde.

Die Ärztekammer fragt sich dagegen, ob die ÖGK plötzlich ein „unbekanntes Füllhorn“ entdeckt hätte. Immerhin gibt es ständig Hinweise auf die angespannte finanzielle Lage der Gesundheitskasse. Die niederösterreichische Ärztekammer verweist auch auf den chronischen „Ärztemangel“, weshalb man den Beruf attraktiver und nicht unattraktiver machen müsse.

Unterstützung für den Vorschlag von Huss kommt von der Arbeiterkammer. Damit wäre für viele Patienten die Inanspruchnahme von Wahlärzten und Wahlärztinnen nicht mehr notwendig, meinte der Leiter der AK-Abteilung für die Sozialversicherungen, Wolfgang Panhölzl, in einer Aussendung.

(ot)

Titelbild: APA Picturedesk

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