China-Präsident reiste überraschend nach Tibet

Es ist der erste Besuch eines chinesischen Staatschefs in Tibet seit über drei Jahrzehnten. Vor kurzem gratulierte Indiens Premierminister dem Dalai Lama im Exil, der ebenfalls Ziel des Pegasus-Abhörskandals war, zum Geburtstag.

Wien, 23. Juli 2021 | Chinas Präsident Xi Jinping ist überraschend in die Konfliktregion Tibet gereist. Staatliche Medien berichteten am Freitag, Xi Jinping habe Sehenswürdigkeiten in der Hauptstadt Lhasa besucht, darunter das Drepung-Kloster, die Barkhor-Straße und den öffentlichen Platz am Fuße des Potala-Palastes, der die Heimat der Dalai Lamas, Tibets traditioneller spiritueller und weltlicher Führer, war.

Es ist der erste Besuch eines chinesischen Staatschefs in Tibet seit über drei Jahrzehnten. Zuletzt war Präsident Jian Zemin in 1990 dort gewesen. Xi war bereits zwei Mal auf offizieller Reise in der Unruhe-Region: 1998 als Parteichef der Provinz Fujian und 2011 als Vizepräsident.

Kontrolle über buddhistische Kultur verschärft

China hat in den letzten Jahren die Kontrolle über buddhistische Klöster verschärft und Bildung in tibetischer Sprache verboten. Kritiker der China-Politik im Land werden routinemäßig inhaftiert und können zu langen Haftstrafen verurteilt werden, insbesondere wenn mit dem 86-jährigen Dalai Lama in Verbindung stehen und deshalb verurteilt werden. Der Dalai Lama flüchtete 1959 nach einem gescheiterten Aufstand gegen die seit 1951 aufrechte chinesische Herrschaft und lebt seither im indischen Exil. In der indischen Bergstadt Dharamshala rief er eine Exilregierung aus, die von China bis heute nicht anerkannt wird.

Xis Besuch fällt zeitlich mit dem 70. Jahrestag des 17-Punkte-Abkommens zusammen, mit dem China seine Kontrolle über Tibet zementierte. Der Dalai Lama sagt, er sei damals gezwungen worden, das Abkommen zu unterschreiben, und weist es seitdem zurück. China ist jedenfalls an der Macht und investiert gerade mächtig in die Infrastruktur im Land. Gleichzeitig fällt der Besuch Xis in eine Zeit der sich verschlechternden Beziehungen zwischen China und Indien, die sich eine Grenze zu Tibet teilen: hier lieferten sich vergangenes Jahr Truppen der beiden Atommächte ein Kräftemessen mit zahlreichen Toten.

Indiens Premierminister gratulierte Dalai Lama zum Geburtstag

Dies scheint den indischen Premierminister Narendra Modi veranlasst zu haben, dem Dalai Lama diesen Monat auf Twitter alles Gute zu seinem Geburtstag zu wünschen und zu sagen, dass er auch telefonisch mit ihm gesprochen hat.

Brisant: Im Zuge des Pegasus-Abhörskandals wurde am Freitag bekannt, dass auch der Dalai Lama und andere tibetische spirituelle sowie politische Führungspersonen Ziel der Abhör-Aktion waren. Auch das könnte ein Hinweis auf ein wachsendes Bewusstsein sowohl in Delhi als auch in westlichen Hauptstädten über die strategische Bedeutung Tibets sein: Immerhin gestalten sich die Beziehungen zu China in den letzten fünf Jahren tendenziell angespannter.

(lb)

Titelbild: APA Picturedesk

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