Skylla und Charybdis

Metamorphosen

Klar, ein Tisch ist keine Giraffe und wird auch keine, wenn man so tut als ob. Wer oder was Kurz nicht ist, erklärt Julya Rabinowich in ihrer brandneuen Kolumne.

Julya Rabinowich

Wien, 22. Juli 2021 | Diese Kolumne wird sich unter anderem ab nun um Fabeln und Wesen drehen und auch, wo man sie nicht findet. Zum Einstand widmen wir uns nun der Giraffe. Und dem Tisch. Und der Verwandlung. Auf den ersten Blick würde man ja sagen, die beiden hätten recht wenig gemeinsam. Weit gefehlt!

Eine Giraffe hat vier Beine. Ein Tisch hat auch vier Beine. Wenn man aber einen Tisch in ein leeres Giraffengehege stellt, wird dennoch keine Giraffe daraus, auch wenn auf dem Schild vor dem Gehege ganz groß „Giraffe“ draufsteht. Dasselbe gilt für Sebastian Kurz und Bruno Kreisky. Nicht einmal im ehemaligen Kreiskyzimmer wird Kanzler Sebastian Kurz zu Kanzler Bruno Kreisky, obwohl es ihn offenbar sehr nach dieser verwegenen Metamorphose gelüstet, so oft, wie dieser Vergleich medial wieder und wieder und wieder herangezogen wird. Immerhin möchte Kurz ja neu und jemand anderer werden, vielleicht sollte man ihn im Versuch, sich selbst zu entkommen, nicht völlig blockieren.

Man könnte sogar dieser Wandlungslust positive Aspekte abgewinnen: Immerhin möchte er Kreisky statt Kreisky werden und nicht Kalif anstelle des Kalifen- oder gar Kaiser der österreichisch-ungarischen Monarchie, vermutlich aber auch nur, weil sein Buddy Viktor Orban massiv etwas dagegen hätte. Bruno Kreisky hat viel für die Allgemeinheit in diesem Land getan. Er tat es aus Überzeugung. Sebastian Kurz kann sich also schon mal aufwärmen, bis jetzt ist auf seinem Konto der altruistischen Menschlichkeit gähnende Leere vorzufinden.

Titelbild: APA Picturedesk

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