Wolf will weiter Stellenabbau und Lohnkürzungen bei MAN

Die Übernahme von MAN-Steyr durch Siegfried Wolf ist mittlerweile durch. Er stellt sogleich Stellenabbau und Lohnkürzungen in den Raum. SPÖ-Stöger: “Wolf muss Zusagen einhalten.”

Wien, 23. Juli 2021 | Im Frühjahr sprach sich die Belegschaft des MAN-Werks in Steyr in einer Urabstimmung gegen die Übernahme des Betriebs durch Großinvestor Sigi Wolf aus. Die Übernahme klappte doch. Geht es nach Wolf sollen jetzt auch Lohnkürzung und der Stellenabbau kommen.

Geplante Lohnkürzung kommt doch

Am Mittwoch hatte Wolf eine Betriebsversammlung einberufen. Rund 1.700 Mitarbeiter nahmen daran teil. Er stellte seine Pläne vor und diese ähneln jenen, gegen die noch im Frühjahr von Seiten der Arbeiter Sturm gelaufen wurde. Damals verlangte Wolf eine Zustimmung von Seiten der Belegschaft zum Sparpaket, um den Betrieb zu übernehmen. Daran scheiterte er: Er musste alle Mitarbeiter übernehmen, auch zum aktuellen Lohn.

Von der 1.900 Mitarbeiter umfassenden Stammbelegschaft will der Investor nun 500 Personen kündigen. Außerdem: Arbeiter sollen 15 Prozent weniger Nettolohn hinnehmen. Angestellten soll die Überstundenpauschale gestrichen und 10 Prozent vom Bruttolohn genommen werden.

Die Stimmung bei der Betriebsversammlung soll angespannt gewesen sein. Von Seiten des Betriebsrats hoffe man noch auf eine Abfederung durch zusätzliche Aufträge, heißt es im „ORF Oberösterreich“. Laut Arbeiterbetriebsrat Helmut Emler sei die wirtschaftliche Lage im Werk so gut wie schon lange nicht mehr. Man habe den höchsten Auftragsbestand seit sieben Jahren. Möglicherweise müsste man sogar 80 bis 1000 neue Mitarbeiter suchen.

Der ehemalige SPÖ-Verkehrsminister Alois Stöger begleitet den Betriebsrat von Gewerkschaftsseite bei den Verhandlungen. Er sagt zu ZackZack:

„Wolf muss Wort halten, er hat alle Arbeiter mit Rechten und Pflichten übernommen. Kein Arbeiter musste auf Geld verzichten und Wolf seine Zusagen einhalten.“

Die Sozialpakete, vor allem das Altersteilzeitpaket, seien von hoher Qualität, betont Stöger. Ziel sei es von Seiten der Gewerkschaft gewesen, dass ein Stellenabbau verhindert wird, gute Arbeitsbedingungen gesichert und eine Zukunftsperspektive geschaffen werden. Alle drei Punkte habe man bisher erreicht.

Wolf-Pläne

Erst kürzlich genehmigte die Bundeswettbewerbsbehörde den Kauf der MAN durch Wolfs WSA Beteiligungs GmbH. Wolf plant einen neuen Namen (Steyr Automotive), ein neues Logo und eine geplante eigenständige Marke für Busse und Leicht-LKWs bis zwölf Tonnen. Bis Mitte 2023 soll am Standort Steyr noch für MAN gefertigt werden. Ab dann soll die MAN-Produktion in ein Werk in Krakau (Polen) verlagert werden. Ab nächstem Jahr will Wolf mit der Produktion der neuen Kleinserie beginnen.

Ende April versuchte Pamela Rendi-Wagner (SPÖ) eine Beteiligung des Staates bei der MAN einzufädeln. Wie aus Chatnachrichten hervorgeht, hatte Kanzler Sebastian Kurz Großinvestor Sigi Wolf als ÖBAG-Aufsichtsratsvorsitzenden geplant gehabt, doch davor warer letztlich zurückgeschreckt („Kurz scheißt sich voll an“).

(ot)

Titelbild: APA Picturedesk

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