Schlechte Nachrichten für Koffein-Junkies

Zuerst Dürre, dann Frost: Der weltgrößte Kaffeeproduzent Brasilien wurde vom Wetter hart getroffen, weniger Kaffee-Ernte bedeutet mehr Kohle für die Bohne: Die Preise für Kaffee steigen “astronomisch”.

Wien, 26. Juli 2021 | Der Preis für die Bohnen explodiert. Der für den späteren Handel vorgesehene Preis für Arabica-Kaffee, einer der wichtigsten Rohstoffexporte Brasiliens, lag am Freitag bei knapp 3,50 Euro pro Kilo – und damit auf dem höchsten Stand seit sechs Jahren. Verbraucher müssen sich deshalb wohl künftig auf höhere Preise gefasst machen.

Seit Jänner ist der Preis für Arabica-Kaffee um 60 Prozent in die Höhe geschnellt. Und auch der Preis für Robusta-Kaffee – der unter anderem für Instant-Granulat genutzt und hauptsächlich in Asien angebaut wird – erlebte im bisherigen Jahresverlauf einen Preisanstieg von fast 40 Prozent.

„Astronomischer Preisanstieg“

“Es gibt mehrere Gründe für den astronomischen Preisanstieg bei Kaffee”, sagt Rabobank-Analyst Carlos Mera. Hauptgrund seien die verheerenden Wetterbedingungen in Brasilien, aber auch steigende Transportkosten und politische Unruhen im drittgrößten Produktionsland Kolumbien würden ihren Teil beitragen.

Minusgrade zerstörten die jüngsten Pflanzen

Brasilien litt zu Beginn dieses Jahres unter einer historischen Dürre. In der vergangenen Woche folgte Frost auf wichtigen Plantagen in Minas Gerais – einem südöstlichen Bundesstaat im Landesinneren, aus dem 70 Prozent der Arabica-Bohnen des Landes kommen. “Die Minusgrade haben zu Laubfall geführt und die jüngsten Pflanzen zerstört”, sagt Mera. Diese sind allerdings für künftige Ernten entscheidend.

Arabica ist auch deshalb so stark betroffen, weil die Pflanze einen zweijährigen Zyklus hat, bei dem auf eine ertragsarme Produktion im einen Jahr eine Rekordernte im nächsten Jahr folgt. Gleichzeitig hat die weltweite Kaffeenachfrage nach den Auswirkungen der Corona-Pandemie, während der Café- und Restaurantbetrieb teilweise eingeschränkt war, wieder stark angezogen.

Auswirkungen für Kaffeetrinker erst in ein paar Monaten

Die Verbraucher merken von all dem zwar derzeit noch nichts, das kann sich aber ändern: Die steigenden Preise würden nur langsam an die Verbraucher weitergegeben, sagt Mera. “Die Röster nutzen den für den späteren Handel vorgesehenen Preis, um sich gegen kurzfristige Steigerungen abzusichern”, sagt der Experte. Daher dauere es normalerweise drei bis neun Monate, bis die Auswirkungen im Einzelhandel zu spüren seien.

Billig-Preise bei Kaffee-Produzenten leiden

Außerdem waren die Kosten für Kaffee in den vergangenen Jahren besonders niedrig, wie Rohstoffökonom Philippe Chalmin erklärt. Er erinnerte daran, dass ein Kilo Arabica im Mai 2011 über 5 Euro kostete. Die Kehrseite der Billigproduktion in den riesigen Kaffeeanbaugebieten sind Monokulturen, ausgelaugte Böden, hoher Einsatz von Pestiziden und für die Bauern oft nur ein Einkommen unter dem Existenzminimum. Die Produzenten haben eine lange Preiskrise erlebt, sagt Valeria Rodriguez von der Fair-Trade-Vereinigung Max Havelaar:

“In den vergangenen vier oder fünf Jahren haben die meisten von ihnen mit Verlust gearbeitet”,

sagt sie. Die neuen Ernteschäden verschlechterten die Situation noch zusätzlich.

(lb/apa)

Titelbild: APA Picturedesk

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