Studie: 18 Prozent glauben, es gibt die Todesstrafe in Österreich

Eine Studie der Medizinischen Universität Wien kommt zu einem skurrilen Schluss: 18 Prozent der Befragten glauben, dass die Todesstrafe in Österreich noch existiert. Wer US-Krimi-Serien konsumiert, ist besonders anfällig für diesen Trugschluss.

Wien, 28. Juli 2021 | Johann Trnka wurde als letzte Person von einem österreichischen Gericht zum Tode verurteilt. Der Raubmörder wurde 1950 gehängt. Vollständig abgeschafft wurde die Todesstrafe in Österreich schließlich 1968. 53 Jahre später glauben laut einer neuen Studie der Med Uni Wien immer noch zahlreiche Österreicher, dass die Todesstrafe hierzulande praktiziert wird.

18 Prozent glauben an österreichische Hinrichtungen

Benedikt Till und Thomas Niederkrotenthaler vom Zentrum für Public Health haben gemeinsam mit ihrem Kollegen Florian Arendt von der Universität Wien eine Studie aus dem Jahr 2016 mit einer großen, für die österreichische Bevölkerung repräsentativen Stichprobe (n=1,002) wiederholt. 2016 glaubten elf Prozent der Befragten, dass die Todesstrafe in Österreich noch existiert, 2021 ist die Zahl noch größer geworden.

Unter anderem wurde abgefragt „Wie viele Häftlinge in Österreich, glauben Sie, sitzen derzeit im Todestrakt?“ oder „Wie viele Häftlinge in Österreich, glauben Sie, sind in den letzten 5 Jahren mit der Giftspritze hingerichtet worden?

18 Prozent beantworteten zumindest eine der Fragen zur Existenz der Todesstrafe in Österreich falsch.

US-Krimi-Serien-Konsum erhöhen Trugschluss

Ein weiterer Schluss der Studie: Wer viele US-Krimi-Serien konsumiert zieht eher den Trugschluss, dass auch in Österreich noch hingerichtet wird. Fernsehkonsum an und für sich war kein Grund für eine erhöhte Fehlwahrnehmung zur Todesstrafe.

„Der Effekt, dass so eine hohe Zahl der Befragten fehlerhafte Angaben zur Existenz der Todesstrafe macht, ist offenkundig auf den Konsum von US-amerikanischen Filmen und TV-Serien zurückzuführen“,

sagt Benedikt Till. Er beschreibt die möglichen zugrundeliegenden Denkvorgänge:

„Menschen speichern andauernd Informationen ab, auch wenn sie fernsehen. Unglücklicherweise vergisst man aber relativ schnell, woher man diese Information hat. Wer viele US-Serien sieht, speichert zahlreiche Informationen zum Justizsystem und der Anwendung der Todesstrafe in den USA ab, da kann es dann bei einer Ad-hoc-Befragung zur Todesstrafe in Österreich leicht zu einer temporären Konfusion kommen.“

Aufgrund dieser Studie ließe sich vermuten, dass auch andere Vorurteile, Mythen und falscher Informationsstand zu anderen Themen – wie etwa zu gesundheitsbezogenen Themen –mit vermehrtem Medienkonsum im Zusammenhang stehen könnten.

(bf)

Titelbild: APA Picturedesk

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