Global Overshoot Day:

Ab heute berauben wir die Erde

Heute ist Global Overshoot Day: Wir haben auf der ganzen Welt die Menge natürlicher Ressourcen verbraucht, die die Erde im gesamten Jahr regenerieren kann.

Wien, 29. Juli 2021 | Der Welterschöpfungstag (Earth Overshoot Day) ist im Vergleich zum Corona-bedingten leichten Rückgang im Vorjahr wieder auf das Niveau von 2019 gerückt.

Greta Thunberg twittert zum Overshoot Day.

Berechnet wird der Global Overshoot Day vom Global Footprint Network. Er markiert den Tag, an dem das Konto auf Null steht. Faktoren in der Berechnung dieses abstrakten Werts sind erneuerbare Ressourcen, aber beispielsweise auch der Flächenverbrauch bzw. die Bodenversiegelung. In den 70er-Jahren lag der Earth Overshoot Day noch im November. Jetzt sind wir bereits im Juli. Das zeigt, wie stark der Ressourcenverbrauch über die letzten 50 Jahre gestiegen ist.

Die einzelnen Staaten weltweit haben wiederum sehr unterschiedliche “Global Overshoot Days”. Es gibt Länder, die weit über ihre Ressourcen leben, und welche, die mehr Ressourcen haben, als die eigene Bevölkerung verbraucht.

Mehr Ressourcen oder mehr Verbrauch als Ressourcen? Die Spitzenreiter auf beiden Seiten. Was Europa betrifft, schneidet Finnland mit 113% Bioreserven-Überschuss am besten ab, am schlechtesten Luxembourg (955% Bioreserven-Defizit), Belgien (709% Defizit) und die Niederlande (517% Defizit). Quelle: Footprintnetwork

Österreich: Overshoot-Day am 7. April

Österreichs Global Overshoot Day war heuer bereits am 7. April. Das ist in etwa so, als würde man das Monatsgehalt bereits nach einer Woche aufgebraucht haben: Die restlichen drei Wochen muss dann auf das Geld – oder eben die Ressourcen – Fremder zurückgegriffen werden, ob geborgt oder geraubt.

Die Österreicher verbrauchen mehr globale Hektar (gha), als ihnren zur Verfügung stehen. Über die letzten Jahre stieg der Verbrauch. Quelle: Footprintnetwork

Der Verein “Scientists for Future Austria” veröffentlichte im Zuge des Österreichischen Overshoot-Day ein Interview mit dem Reinhard Steurer vom Institut für Wald-, Umwelt- und Ressourcenpolitik der Universität für Bodenkultur Wien. Der Wissenschaftler erklärt, wie es möglich ist, mehr Ressourcen zu verbrauchen, als eigentlich da sind – und warum Österreich hier besonders schlecht dasteht.

NGOs fordern: Politik muss Rahmen vorgeben

Im Zuge des Global Overshoot Days forderten Umweltorganisationen und NGOs die österreichische Politik zum Handeln auf. “Statt eines grünen Neustarts nach der Krise, ist nun wieder grenzenlose Ausbeutung an der Tagesordnung”, so Michael Schwingshackl von der Plattform Footprint gemeinsam mit dem WWF Österreich und Global 2000 in einer Aussendung: Die Bundesregierung müsse längst bekannte Methoden zur Schonung von Ressourcen umsetzen. Eine Rückkehr nach Covid-19 zur alten Normalität sei für die Menschheit “klar ein Rückschritt in eine Umwelt-Krise.”:

“Wir schießen immer noch weit über das verträgliche Maß hinaus. Die Welt verbraucht im Jahr 2021 wieder die Ressourcen von mehr als 1,5 Erden. Nach österreichischer Lebensweise sind es sogar etwa 3,5. Eine Menschheit, die innerhalb des ökologischen Budgets bestehen will, muss sich grundsätzlich verändern – den Rahmen dafür muss die Politik vorgeben”,

so die Umweltschutzorganisationen.

Gewessler: Österreich Spitzenreiter in Bodenversiegelung

Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) rief ihrerseits dazu auf, den Bodenverbrauch “drastisch zu reduzieren”. “Besonders in der Bodenversiegelung sind wir in Österreich traurige Spitzenreiter. 11,5 ha unseres wertvollen Bodens verbrauchen wir derzeit jeden Tag”, so die Ministerin in einem Statement gegenüber der APA. Die Versiegelung führe dazu, dass Tiere und Pflanzen ihr Zuhause verlieren, fruchtbares Ackerland fehlt und das Hochwasserrisiko steigt, da versiegelte Böden kein Regenwasser mehr speichern können. “Wir müssen unseren Bodenverbrauch drastisch reduzieren, das haben wir uns auch als Ziel im Regierungsprogramm gesetzt.”

(lb/apa)

Titelbild: APA Picturedesk

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