Wegen Brexit:

Obst und Gemüse verrotten vor der Ernte

Die Folgen des Bexit werden in Großbritannien immer spürbarer. Zahlreiche Arbeitskräfte aus dem Ausland fehlen, Obst und Gemüse verrotten.

London, 02. August 2021 | Die Landwirtschaft in Großbritannien muss derzeit dabei zusehen, wie ihr Obst und Gemüse auf den Feldern und Plantagen wegrottet. Durch die Folgen des Brexit fehlen bei der Ernte zahlreiche Helfende aus dem europäischen Ausland. In einem Bericht des Senders „Euronews“ sprechen Leiter von landwirtschaftlichen Unternehmen von „verheerenden“ Auswirkungen durch die Einschränkungen des Brexits.

Prekäre Lage

Der Geschäftsführer von „Barfoots of Botley“, Julian Marks, sagte gegenüber dem Sender „Euronews“, die Auswirkungen seien nicht nur in der Landwirtschaft oder im Gartenbau spürbar, sondern „in ziemlich jedem Sektor, in dem Menschen aus dem Ausland jahrelang gearbeitet haben“. Marks ergänzte, dass die Folgen in diesem Jahr besonders hart seien. Die Kombination aus Corona-Pandemie und Brexit habe es so gut wie unmöglich gemacht, Erntehelfende vom europäischen Kontinent zurück nach Großbritannien zu holen.

Dennoch sehen die Geschäftsführenden der Farmen und Betriebe die Hauptursache für die prekäre Lage auf den Feldern Großbtrianniens beim Brexit, nicht etwa bei den coronabedingten Reisebeschränkungen.

EU-Importe statt regionale Einkäufe

Auf den Zucchini-Feldern von Marks würden aktuell rund 750.000 Zucchinis verrotten. Darüber hinaus kämpfe das Unternehmen damit, den Anforderungen der Supermärkte gerecht zu werden. Ebenfalls wächst die Sorge, dass die großen Abnehmer nicht mehr in der Region einkaufen, sondern ihre Regale mit EU-Importen füllen. Marks bewertete es als „tragisch“ und „demoralisierend“, so viel gutes Gemüse und Obst beim Verkommen zu sehen.

„Das ist ein einziges Verlustgeschäft“, sagte auch Gerad Vonk, Geschäftsführer von „Tangmere AIrfield Nurseries“, gegenüber „Euronews“. Seit 33 Jahren setzt Vonk auf seiner Paprikafarm bei der Ernte auf Saisonpflücker aus Osteuropa. Durch den Brexit gebe es „viel mehr Barrieren, mehr Bürokratie. Es ist viel schwieriger, hierher zu kommen und zu arbeiten. Ein Riesenproblem für unsere Firma und andere Unternehmen in der Umgebung“. Mit 72 Arbeitern weniger müsse Vonk nun auskommen.

Das Problem bestehe schon seit 2013, als die britische Regierung ein Visaprogramm für Saisonarbeitskräfte beendet hatte.

Aufruf an die Briten

Der Mangel an Arbeitskräften zeige jedoch auch ein grundlegenderes Problem: Die Arbeit als Erntehelfer ist hart und schlecht bezahlt. Die Kampagne „Pick for Britain“ („Erntet für Großbritannien“) sollte in der Pandemie arbeitslos gewordene Menschen dazu auffordern, bei der Ernte zu helfen – gerade auch, um eine Erntekatastrophe zu verhindern.

Erfolgreich war das nicht. Gerade einmal 450 Menschen fanden so einen Job, am Ende der Saison blieben 18 davon übrig. Nur vier Prozent der Erntehelfer waren in der jeweils vermittelten Position tätig, so „Euronews“.

Verheerende Zustände auch in Österreich

Durch die coronabedingten Reisebeschränkungen kam es auch in Österreich zu einem Arbeitskräftemangel. Die katastrophalen Arbeitsbedingungen sind jedoch auch hierzulande vorhanden. Ein Bespiel: Jenseits gesetzlicher Vorgaben verdienen Erntehelfer in Niederösterreich gerade einmal vier Euro die Stunde – bei 14 bis 15 Stunden Arbeit pro Tag und an sechs bis sieben Tage die Woche.

Schockierende Bilder waren im vergangenen Jahr im Netz kursiert. Sie zeigen die sklavenartigen Arbeitsbedingungen von Erntehelfern eines niederösterreichischen Spargelbetriebs. ZackZack hatte ausführlich berichtet. Vertreter der Organisationen „Pro-Ge“ und „Sezonierei“ betonen, dass die Politik zu dringendem Handeln aufgerufen sei.

(jz)

Titelbild: APA Picturedesk

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