Wochenstart mit

Martin Balluch

Herr Balluch, Sie wurden letzte Woche bei einem Fototermin von Ministerin Köstinger verhaftet – warum eigentlich?

Wien, 2. August 2021 |

Die Schweinehaltung auf Vollspaltenboden, also auf einem einstreulosen Betonboden mit scharfkantigen Spalten, ist eine Katastrophe. Eine Studie der Vet Uni München ergab, dass 92 % der Tiere auf Vollspaltenboden schmerzhaft entzündete Gelenke haben. Dem VGT wurden 3777 Schlachtkörper-Untersuchungsscheine von Amtstierärzt:innen aus der Steiermark zugespielt und es zeigte sich, dass zusätzlich fast 50 % der Schweine eine Lungenentzündung und 30 % Spulwürmer in der Leber hatten. Die Tiere werden auch psychisch krank und beißen sich gegenseitig die Schwänze und Ohren ab. Das ist alles bekannt und unwidersprochen.

Die Alternative, eine Haltung mit tief eingestreutem, weichen und trockenen Liegebereich und ausreichend Platz, dass die Tiere dort gleichzeitig nebeneinander liegen können, ist praxiserprobt. Der Umbau aller Schweinefabriken mit Vollspaltenboden zu dieser Haltung würde 250 Millionen Euro kosten, also nur ein Zehntel der jährlichen Subventionen für die Tierindustrie. Und der laufende Mehraufwand beträgt 35 Cent pro kg Schweinefleisch.

Naiv denkt man sich, was hält uns auf, einfach umzustellen? Warum kein Gesetz, das zumindest den Neubau von Schweinefabriken mit Vollspaltenboden verbietet? Doch die Realität ist das Gegenteil. Tierschützer:innen haben am 20. Juli 2021 eine Schweinefabrik besetzt, in der 1200 Schweine auf Vollspaltenboden ohne Stroheinstreu leben müssen, und die mit Investitionsförderung 2013 gebaut worden ist und jährlich € 60.000 an Subventionen erhält. Die Aufnahmen aus dieser Schweinefabrik, die der VGT veröffentlicht hat, zeigen horrende Tierquälerei, überall blutige Tiere, die in völlig verkoteten Buchten vor sich hinvegetieren. Obwohl 96 Prozent der Menschen in Österreich Stroh statt Betonspalten für Schweine wollen, finanziert Landwirtschaftsministerin Köstinger derartige Tierfabriken mit unser aller Steuergeld. Grund genug, sie zu fragen, wie sie das rechtfertigt, zumal man mit dieser Subvention den Betrieb in wenigen Jahren zur Strohhaltung umbauen könnte.

Doch sie will nicht mit uns reden, unsere Anfragen für ein Gespräch lehnt sie seit 2 Jahren ab. Bei ihren Pressekonferenzen werde ich nicht zugelassen, obwohl ich mich regelmäßig anmelde und einen Presseausweis habe. Bei ihren öffentlichen Auftritten läuft sie vor mir davon, flüchtet durch Hinterausgänge, lässt sich verleugnen und von ihrem Fahrer an ganz anderer Stelle abholen.

In Paudorf letzte Woche trat sie auf öffentlichem Grund auf, am Gehsteig vor der Feuerwehrzentrale. Ich ging also hin, um meine Frage zu stellen. Doch ich wurde bereits erwartet.

Ein Dutzend Polizist:innen schirmte sie ab. Ich wurde schon von weitem aufgefordert, stehen zu bleiben und dann 10 m vor ihr physisch gestoppt. Ich zeigte meinen Presseausweis, aber das half nichts. Daraufhin rief ich Köstinger meine Frage zu, warum sie diese Schweinefabrik mit Steuergeldern finanziert. Da sprach die Polizei die Festnahme aus, packte mich und versuchte mich in einen Polizeibus zu zerren. Ich ließ mich auf den Boden fallen und leistete passiven Widerstand. Nach 30 Minuten wurde ich enthaftet und auf freiem Fuß angezeigt: meine zugerufene Frage hätte den Anstand verletzt, und zwar nicht inhaltlich, sondern durch die Lautstärke.

Ist das nicht bedenklich, wenn man als Journalist so beamtshandelt wird, obwohl man bei einem öffentlichen Pressetermin einer Ministerin bloß eine Frage stellen will?

Am Tag danach standen wir vor dem Schloss Reichenau, in dem der Ministerrat stattfand, und Köstinger versteckte sich hinter einem Baum, um von uns nicht gesehen zu werden.

Was für ein armseliges Versteckspiel, während alle 45 Sekunden ein Schwein in Österreich aufgrund der schrecklichen Haltungsbedingungen auf Vollspaltenboden stirbt.

Titelbild: ZackZack

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72 Kommentare
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Samui
2. 08. 2021 11:24

Die Glyphosat Elli wie sie eben ist. Lautstark bei gefälligen Journalisten, ängstlich beim Volk (Pöbel)

kaka
2. 08. 2021 11:11

Bitte weitermachen Hr. Balluch!

Eine Schande was von diesem Personenkreis ausgeht.

Kurt Knurrt
2. 08. 2021 11:01

Aus gesundheitlichen Gründen wurde ich vegan und wenn man so was hört, weiß man, was man sich und den Tieren antut. Brovo Herr Balluch!

ResPublicaLiberaNoricum
2. 08. 2021 10:56

Es ist sehr bedenklich. Ebenso wie die Tatsache, dass die ÖVP in ihren Parteiräumen im Jahr 2021 Abbildungen von Dollfuß ausgestellt hat. Bei diesem gelebten Personenkult brauchen die vornehmen Damen und Herren in türkis nicht mal die ganz links außen mit ihrer Anhimmlung von Stalin aufregen.

Politik ist ein gesellschaftlicher Prozess und aus den Fehlern der Vergangenheit an den verschiedensten Orten der Welt sollten wir begriffen haben, dass wir im Dialog als Gruppen, Vereine, Parteien, Bewegungen, usw. Entscheidungen treffen sollten und das unabhängig von der politischen oder religiösen Orientierung. Personenkult ist nicht mehr in. Allerdings, wenn man nach Ungarn, in die Türkei, etc. schaut… vielleicht leider doch.

nikita
2. 08. 2021 10:54

Ich habe esschon einmal geschrieben,
Herr Dr.Balluch, bitte nicht aufgeben. Ich habe großen Respekt vor Ihrer Arbeit und ihrem Kampf.
Es ist schrecklich, was diesen Tieren angetan wird, aber es entspricht ganz der türkisen Klientelpolitik.

Zuletzt bearbeitet 5 Monate zuvor von nikita
nebenbei
2. 08. 2021 10:51

Einfach nur traurig diese Türkise Politik…Danke Hr. Balluch für ihren Einsatz!

Prokrastinator
2. 08. 2021 10:38

Da versteckt sich die Elli.

So viel “Empathie” für die Wut ihrer Untertanen hätte ich ihr nicht zugetraut, und auch nicht so viel Antizipationsvermögen wie ihre nahe Zukunft aussehen wird. Ohne Polizeischutz wird die bald gar nichts mehr tun können.

Karma is a bitch. Die Elli zwar auch, aber ich setze trotzdem aufs Karma…

Samui
2. 08. 2021 11:25
Antworte auf  Prokrastinator

👍

Lojzek
2. 08. 2021 11:18
Antworte auf  Prokrastinator

In der gepanzerten Limo, umringt von ‘Boyscouts’, aufs Heisl fahren …

nikita
2. 08. 2021 10:25

Eine Volksvertreterin läuft vor dem Volk davon, versteckt sich vorm Volk, spricht nicht mit dem Volk und lässt das Volk von der Polizei abführen.
Warum erinnert mich das an Dollfuß?
Hat der nicht aufs eigene Volk schiessen lassen, oder wie war das bloß..

Lojzek
2. 08. 2021 10:38
Antworte auf  nikita

Das ist aber das beste, was diese unsere vielgerühmte Demokratie derzeit zu bieten hat.
Und nicht wenige Menschen, sind bereit sich zu dieser bedingungslos zu bekennen und diese zu verteidigen, gegen jegliche Nestbeschmutzer und Häretiker.

Zuletzt bearbeitet 5 Monate zuvor von Lojzek
Lojzek
2. 08. 2021 11:03
Antworte auf  Lojzek

Wie hieß es einst (und vermutlich auch jetzt)
‘Bis in den Tod, rot-weiß-rot’

Unbekannt
2. 08. 2021 10:08

Eine Maßnahmenbeschwerde gegen die Polizei wäre hier das richtige Mittel. Eine lächerliche Verwaltungsübertretung, selbst das ist fraglich, ist kein Grund für eine Festnahme. Zweifellos gibt es noch viele Polizisten, die sich der Bevölkerung, also dem Arbeitgeber gegenüber korrekt verhalten, aber die Schlägertruppe gehört vor Gericht gestellt und bestraft. Der zuständige Lügenminister ebenfalls.

Grete
2. 08. 2021 10:07

Wieviel Dezibel dürfen es denn sein?
Was für ein jämmerlicher und dabei gefährlicher Staat.
Wenn das in Ungarn, Weißrussland, Russland oder China passierte4, wäre der Aufschrei in der EU groß. Aber bei uns in Bagdad (war einmal eine Satire-Sendung im Radio)!

ResPublicaLiberaNoricum
2. 08. 2021 11:27
Antworte auf  Grete

Die Republik ist nicht gefährlich, sondern die ÖVP, die nun bereits zum zweiten Mal in unseren jungen Geschichte als Nichtmonarchie den Staat über die Partei an sich zu reißen. Opposition wird nur geduldet sofern sie unterstützend ist, sobald die türkise Ideologie hinterfragt wird ist es ein kurzer Weg zur Klage oder ins Gefängnis. Deswegen ist die Justiz die einzige Hoffnung im Sinne der Republik. Und natürlich oppositioneller Journalismus und die kritische Bevölkerung, die sich den Mund nicht verbieten lässt. BVG Artikel 1. Österreich ist eine demokratische Republik. Ihr Recht geht vom Volk aus. Nicht von der ÖVP, egal was türkise Zeitungen drucken.

Grete
2. 08. 2021 12:42

Der Staat wird momentan von einer Kurz-ÖVP regiert mit Zustimmung von Grün. Das ist, wie es sich immer wieder zeigt, gefährlich – also ist der Staat zu einem gefährlichen Staat geworden. Die Demokratie hingegen ist gefährdet.
So sehe zumindest ich das.

Zuletzt bearbeitet 5 Monate zuvor von Grete
Rasputin Rasputin
2. 08. 2021 10:04

Wahrscheinlich ist es so am besten wie Balluch es gemacht hat: Einfach zu Boden fallen lassen und passiv bleiben. Damit ist die ganze Prozedur klar ersichtlich, dass keine irgendwie anders interpretierbare Bewegung gemacht wird. Damit man nicht noch eine Anzeigen wegen Widerstand oder Körperverletzung riskiert!
(Nicht nur wegen der Öffentlichkeitswirksamkeit)

Unbekannt
2. 08. 2021 10:10
Antworte auf  Rasputin Rasputin

Deshalb muss ja von allen Seiten gefilmt werden. In den letzten Wochen wurden so einige Lügen der Polizei vor Gericht aufgedeckt.

ResPublicaLiberaNoricum
2. 08. 2021 11:30
Antworte auf  Unbekannt

Niemand steht über dem Gesetz, auch nicht die Polizei.
Diese Gerichtsentscheidungen werden hoffentlich dazu führen, dass sich Kiwara mit genau dem Respekt an die Bevölkerung wenden, den sie von dieser auch erwarten.

Wenn die Polizei der Republik dient und nicht der Partei, dann ist es natürlich auch einfacher, aber die Trennlinie verschwimmt unter Nehammer.

Lojzek
2. 08. 2021 9:41

Ich plädiere auf die Lösung a la Lukas Resetarits.
Die Viecherln ham einen eingebauten Chip (in Form eines Kekses), kommen zu einem nach Hause, murksn si dort ab, rupfn si, hapn in den Ofen und mit den letzten verbleibenden Kräften übergießen sie sich im Ofen noch ein paar mal mim Bratensaft.
Ich glaub Resetarits hat dann noch die Anekdote nachgeliefert, dass diese Lösungsvariante den ‘räuberischen Zwischenhandel’ auch gleich eliminiert …

Aus dem Stück ‘Kein Grund zum Feiern’

Antiparteiisch
2. 08. 2021 9:24

Bravo, weiter Druck machen!

Servus
2. 08. 2021 9:24

War der Baum dick genug?

nikita
2. 08. 2021 10:13
Antworte auf  Servus

🙈

Rasputin Rasputin
2. 08. 2021 9:14

Man sollte verordnen, dass auf jedes Schweinefleisch-Schnitzel ein Pickerl draufgeklebt wird, so wie auf die Zigarettenschachteln (kann Lungenkrebs erzeugen mit einer Raucherlunge), kann Fleisch von so einem gequälten Schwein (mit Foto) enthalten.

Hoedspruit
2. 08. 2021 12:52
Antworte auf  Rasputin Rasputin

Als Konsumenten haben wir schon auch die Möglichkeit, Fleisch von nicht-artgerecht gehaltenen, gequälten Schweinen abzulehnen.
Erfahrungsgemäß stammt das Schnitzelfleisch im Supermarkt von genau diesen Tieren. Ich esse lieber weniger, dafür tiergerecht erzeugtes, hochwertigeres Fleisch vom Fleischhauer.

Man darf nicht vergessen, jeder Griff zu einem Produkt ist ein Produktionsauftrag. Das heißt, wenn man’s kauft, wird es weiterhin erzeugt.

nikita
2. 08. 2021 10:13
Antworte auf  Rasputin Rasputin

👍👍👍

ResPublicaLiberaNoricum
2. 08. 2021 11:33
Antworte auf  nikita

So ist es! Dafür könnten sich doch die jungen Grünen einsetzen anstatt unsere Flagge mit einem Häuferl zu verzieren. Und Genfleisch verbieten, Gensoja und was es sonst noch für irrwitzige Importe gibt. Das gehört alles boykottiert, aber dazu möchten die Grünen nichts sagen, weil es anscheinend die “Leistungsträger” nicht so gerne hören.

Zuletzt bearbeitet 5 Monate zuvor von ResPublicaLiberaNoricum
limo
2. 08. 2021 8:51

So machen die Schwürisen Politik – zuerst große Klappe, aber wenn es ernst wird, verstecken sie sich hinterm Baum…..
Das kannst ned erfinden!

ResPublicaLiberaNoricum
2. 08. 2021 11:38
Antworte auf  limo

Man muss bei den Türkisen zwischen den Zeilen lesen, also das nicht gesagte auch mitlesen, denn damit kommunizieren sie viel ohne es jemals gesagt zu haben.

Ein Beispiel: Kurz sagt “die Pandemie ist für die Geimpften vorbei”. Was erstens impliziert, dass die Gesundheitskrise für Ungeimpfte nicht vorbei ist und zweitens die Frage aufwirft inwiefern sie nun für Geimpfte “vorbei” ist. Wenn sie vorbei ist für Ungeimpfte, dann müssten diese ja wie in der alten Normalität leben dürfen. Oder vorbei im Sinne der heraufbeschworenen neuen Normalität. Bei diesem NLP Wording am letzten Stand der Dinge zu bleiben ist alles andere als einfach.

limo
2. 08. 2021 14:05

Ja leider bleiben diese subtilen Geschichten vielen verborgen. Die Frage bleibt: Wie kommen wir da wieder raus?

Geschobelt
2. 08. 2021 7:51

1500 SCHWEINE TÄGLICH STERBEN AN DIESEN HALTUNGSBEDINGUNGEN?

Herr Balluch wurde durch den „Mafiaparagrafen“ mundtot gemacht, es wäre interessant, seine Meinung in diesem Zusammenhang, in Bezug auf die Verfehlungen der jetzigen Regierung, zu hören!

nikita
2. 08. 2021 10:15
Antworte auf  Geschobelt

Die braucht er nicht zu sagen, die weiß man.😉

Geschobelt
2. 08. 2021 12:08
Antworte auf  nikita

Das war kein Vorwurf, sondern eine Frage meinerseits, nachdem ich 1Schwein/45s grob überschlagen hatte!
Glaube nicht, daß der Allgemeinheit diese horrende Zahl bewußt ist.🐷
Genau gerechnet übrigens 1920 🐷e/Tag!
Man stelle sich vor, man fährt mit 80km/Stunde durch die Gegend und nach jedem Kilometer liegt ein totes Schwein aus dieser Schweinehaltung!

Zuletzt bearbeitet 5 Monate zuvor von Geschobelt
nikita
2. 08. 2021 12:14
Antworte auf  Geschobelt

Ich habe es nicht als Vorwurf verstanden, deshalb das Smiley 😀

RLoecker
2. 08. 2021 7:48

Schlafwandler darf man nicht aufwecken. Wenn nötig ist die Polizei da, um es zu verhindern.

Drachenelfe
2. 08. 2021 7:39

Vor einigen Wochen gab es dazu eine kurze Info in den Nachrichten auf Ö1….
Ich dachte ich hätte mich verhört, aber es wurde als positives Zeichen des AMA Gütesiegels verkauft, dass es SCHON Ende 2032 ein endgültiges Aus für Vollspaltenböden gibt

2032…. Mahlzeit

SebastianNetanyahu
2. 08. 2021 7:06

“Jetzt heans ma auf mit ‘Herr Inspektor’, i bin Gruppenkommandant
Hob an leicht nervösen Finger und a Puffn in da Hand
I hob sie Schuft ja gleich erkannt, Ihna Gsicht is kriminö
Sie schaun aus wie so a Gsindl, oiso singens owa schnö
Tuat ma lad! Na, ned a so! Wos i man is a Geständnis
Waunn i wü, dass ana singt bei mir, verhoft i gach en Fendrich
Schaun Sie, Ihna droht Gefängnis und des kunnt i Ihna erspoan
Oiso heans jetzt auf zum Singe und dazöhn ma, dass es woan
Tuat ma lad, Herr Inspektor, owa davo waß i nix
A waunn i wissat wos i was, owa des wissat i jetzt nicht
Tuat ma lad, Herr Inspektor, owa davo waß i nix
Oiso lossens mi in Ruah, i dats jo wissen waunns so is”

Herr Inspektor – Seiler und Speer

Zuletzt bearbeitet 5 Monate zuvor von SebastianNetanyahu