Pfizer und Moderna treiben Impfpreis hoch

Aufregung um Verträge

Pfizer und Moderna erhöhen die Preise für ihre Impfstoffe saftig. Indes sorgen auch die geheimen Pfizer-Verträge mit den Abnehmerstaaten für Wirbel.

Wien, 03. August 2021 | Pfizer und Moderna erhöhen ihre Impfstoff-Preise, das berichtete die „Financial Times“ am Sonntag. Pfizer verlangt nun 19,50 Euro pro „Shot“, Moderna verlangt gut 21 Euro. Eine Preissteigerung von 26 Prozent (Pfizer) beziehungsweise 13 (Moderna). Das geht aus jüngsten Verträgen hervor, aus denen die „Financial Times“ zitiert.

Sonneborn greift von der Leyen an

Der deutsche EU-Abgeordnete Martin Sonneborn („Die Partei“) ritt deshalb auf Twitter gegen EU-Chefin Ursula Von der Leyen aus. Er erinnerte zunächst daran, dass Pfizer nicht „wie früher 6-stellige Summen an die CDU spendet“. Mittlerweile spende der Pharma-Konzern nicht mehr, sondern „sponsort“, so Sonneborn. „Die Gelder können dann nämlich von der Steuer abgesetzt werden, und weder Pfizer noch CDU müssen die Gelder detailliert & mit Namensnennung ausweisen“. (In Österreich nennt man ähnliche Formen des Polit-Sponsorings „Geschäft für Gegengeschäft“).

Wie kommt es, fragt Sonneborn weiter in Richtung Von der Leyen (CDU), „dass die EU-Kommission sich anderthalb Jahre nach Beginn der Pandemie noch immer weigert, die mit den Pharma-Unternehmen geschlossenen Verträge offenzulegen und die uns EU-Bürgern zustehende Transparenz herzustellen?“

Wirbel um Vertrag mit Albanien

Tatsächlich ist der Vertrag zwischen Pfizer und der EU nur stark geschwärzt einsehbar. Die mutmaßlichen Pfizer-Verträge waren zuletzt in den Fokus der Öffentlichkeit geraten. So wurde der Vertrag mit Albanien bekannt, der vom unabhängigen albanischen Medium „gogo.al“ eigentlich schon im Jänner geleakt worden war. Die Authentizität des Dokuments ist nicht belegt, manche  Medienrecherchen gehen aber von einer Echtheit aus. Obwohl der Vertrag letzte Woche auf Twitter für enorme Aufregung sorgte, ist eigentlich wenig Neues darin zu lesen.

Kritisiert wird in den sozialen Medien, dass der Staat beim Pfizer-Produkt Unklarheiten akzeptiere. So seien „Langzeitwirkungen und Effektivität der Impfung bisher nicht bekannt und dass Nebenwirkungen auftreten können, die bisher nicht bekannt sind.“

Auszug aus dem kolportierten EU-Albanien-Vertrag.

Jedoch ist dies bei etlichen medizinischen Produkten mit bedingter Zulassung der Fall. Der Absatz im Vertrag ist demnach nicht verwunderlich.

Ein weiterer Punkt im Vertrag bestätigt ebenfalls bereits Bekanntes: Pfizer ist vor jeglicher Haftung hinsichtlich unerwünschter Nebenwirkungen per Vertrag geschützt. Mehr noch: Sollte Pfizer verklagt werden, hat Albanien die Anwaltskosten für den Pharmakonzern zu zahlen.

EU-Pfizer-Deal

Dass der Staat zu üppigen finanziellen Bedingungen den Vertrag unterschrieben hat, empört Kritiker. Tatsächlich ist auch das nichts Ungewöhnliches bei Verträgen zwischen Konzernen und Staaten.

Es gibt aber auch einen ungeschwärzten Vertrag zwischen der EU und Pfizer. Das italienische Medium „RAI“ veröffentliche im April den EU-Pfizer-Vertrag. Auch hieraus geht hervor, dass die EU wenig zu sagen hat. Ob aber die eigenständige Preiserhöhung von Pfizer und Moderna, zulässig ist, ist unklar. Der aktuelle Vertrag gilt eigentlich 24 Monate, allerdings nur für die ersten 200 Millionen Dosen.

Kostenrechnung, die von der EU nur geschwärzt zur Verfügung gestellt wurde.

Mittlerweile hat die EU mehr als zwei Milliarden Dosen bis 2023 bestellt. Der Preis dürfte nach oben gegangen sein. Statt 13,50 Euro soll die Impfung nun 19,50 Euro kosten. Auch beim veröffentlichten Vertrag mit der EU übernimmt Pfizer keine Haftung für sein Produkt.

Pfizer äußert sich nicht zur Preiserhöhung. Der Inhalt sei vertraulich. Auf ZackZack-Anfrage verweigerte man eine Bestätigung der veröffentlichten Verträge, bestritten wurde die Echtheit allerdings auch nicht. Alles, was nicht von staatlicher Seite veröffentlicht worden ist, bleibe vertraulich, so Pfizer zu ZackZack. Dass nur geschwärzt veröffentlicht wurde, sei „typisch“ für Verträge solcher Art. So könnten alle „geschäftlichen Befindlichkeiten“ berücksichtigt werden.

(ot)

Titelbild: APA Picturedesk

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