Trotz Delta-Variante:

Impfung schützt gut vor Ansteckung

Erste Zahlen zu Impfdurchbrüchen: Von 260.000 gemeldeten Corona-Infizierten sind nur 0,6 Prozent vollständig geimpft.

Wien, 04. August 2021 | Wenn sich Menschen nach der Vollimmunisierung durch einen der Impfstoffe trotzdem mit Corona infizieren und Symptome aufweisen, spricht man von einem sogenannten Impfdurchbruch. Durch die Masse an Menschen, die insgesamt schon immunisiert sind, erhöht sich auch die Anzahl dieser Fälle – und die Berichte darüber.  Jetzt liegen in Österreich die ersten Zahlen aus den epidemiologischen Meldesystem vor, wie gut eine Corona-Impfung gegen eine Corona-Infektion schützt, auch im Hinblick auf die mutierte Delta-Variante. Von den 260.000 Infizierten sind demnach 1.656 vollständig geimpft – das sind gerade mal 0,6 Prozent.

Aus pharmakologischer Sicht sehr gute Werte

Schon in der Zulassungsstudie etwa zum Pfizer/Biontech-Impfstoff wurde klar, dass das Vakzin die Wahrscheinlichkeit einer Covid-19-Infektion gegenüber einer ungeimpften Kontrollgruppe um rund 95 Prozent reduziert. Man spricht von einer Wirksamkeit von 95 Prozent. Das ist aus pharmakologischer Sicht ein sehr guter Wert, der beim Moderna-Vakzin ähnlich hoch liegt. Die Werte für AstraZeneca und den Johnson & Johnson-(Janssen)-Impfstoff liegen um die 60 Prozent bzw. darüber. Folglich ist mit einer gewissen Anzahl an vollimmunisierten Personen zu rechnen, die auch erkranken – allerdings immer prozentuell weniger als bei ungeimpften Personen und in den seltensten Fällen schwer, wie auch neue Studien zeigen, betonte Zeitlinger.

Impfdurchbrüche eher bei geschwächtem Immunsystem

Daten aus Großbritannien, Israel und Kanada weisen darauf hin, “dass sich durch die Delta-Variante an der Anzahl der Impfdurchbrüche bei den Hospitalisierungen nichts verändert hat”, so Zeitlinger. Über alle drei Länder hinweg zeige sich aber auch, dass die neue in Österreich dominante SARS-CoV-2-Variante auch Geimpfte etwas leichter asymptomatisch oder mit leichten Krankheitssymptomen infizieren kann. Die Schätzungen liegen hier bei einer um zehn bis 30 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit gegenüber anderen Viren-Typen. “Da ist Delta einfach aggressiver und entkommt der Impfung etwas besser”, so Zeitlinger.

Der häufigste Grund für ein Durchbrechen ist insgesamt eindeutig ein durch Vorerkrankungen oder Krebstherapien geschwächtes Immunsystem. Hier kann der Körper mitunter nicht auf das Vakzin reagieren und keine ausreichende Antikörperantwort aufbauen. Der Impfschutz erscheint in dieser Gruppe um rund ein Drittel reduziert. Geimpfte, immunsupprimierte Personen würden leider auch eher mit einer Covid-19-Infektion im Krankenhaus landen, so Zeitlinger, der Betroffenen daher weiter zur Vorsicht bei Kontakten rät.

Übertragung durch Vollimmunisierte weniger

Was die Rolle von Geimpften als potenzielle Überträger betrifft, zeige sich, dass vollimmunisierte Infizierte weniger und über einen kürzeren Zeitraum Virus ausscheiden. Bei der Delta-Variate ist die Erregerlast aber mitunter deutlich erhöht und bleibt länger bestehen. “Der Geimpfte würde hier aber immer noch deutlich besser abschneiden.” Allerdings gebe es Daten aus den USA, die zeigen, dass aufgrund der Aggressivität von Delta selbst die reduzierte Viruslast unter geimpften Infizierten so hoch ist, dass die Weitergabe ähnlich wahrscheinlich sei wie durch Ungeimpfte. Zeitlinger: “Das ist wahrscheinlich das unangenehmste an der Delta-Variante.”

Je mehr geimpft sind, desto besser

Einen ähnlichen Effekt gibt es bei der zeitlichen Komponente: Während der Schutz vor Infektion bei Pfizer/Biontech nach rund vier Monaten von 95 auf 85 Prozent leicht falle, verhindert sie einen schweren Verlauf und Hospitalisierung weiter. “Das ist die gute Nachricht”, die es auch erlaube, nicht gleich wieder mit einer dritten Dosis als Auffrischung nachzuimpfen, betonte Zeitlinger. Insgesamt muss für den Experten weiter der Fokus darauf liegen, jene Menschen in die Impfprogramme zu holen, die bisher keine Dosis erhalten haben: “Ich würde lieber etwa zehn Prozent der Bevölkerung impfen, die man noch nicht erreicht hat, als zehn Prozent Immunisierte aufzufrischen.” Davon würden auch jene Personen mehr profitieren, die selbst keinen ausreichenden Impfschutz aufbauen können.

(apa/jz)

Titelbild: APA Picturedesk

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