Rabensteiner

Sommergespräch

„Gegen all euer Leiden verschreibe ich euch Lachen“, sagte der französische Arzt und Humanist François Rabelais. Die wöchentliche Dosis Medizin verabreicht Fritz Rabensteiner.

Wien, 14. August 2021 |

Lorenz-Dittlbacher: „Herr Vizekanzler, lassen sie mich zunächst……“

Kogler: „Danke für die Einladung. Natürlich ist die Versuchung groß, gleich einleitend, wie jedes Jahr bei den Sommergesprächen, zu den ganz großen Themen Stellung zu nehmen, man muss aber nicht zwangsläufig, obwohl das eine gewisse Tradition hat, nicht nur bei uns Grünen, sondern auch bei allen anderen Parteien, nicht mit einem ebensolchen beginnen, denn schließlich hat man ja als Politiker gewisse Ansprüche, die nicht immer die Verständlichkeit beim Wähler zum Mittelpunkt haben, sondern gelegentlich auch einmal ein intellektuelles Balzverhalten darstellen, was jedem halbwegs talentierten Politiker, der letztlich auch nur ein Mensch ist, von Herzen gegönnt sei, wobei das Schöne an der Politik ist, dass sie ganz nebenher beim Sortieren der Gedanken die besten Lösungen entstehen lässt, sodass der Wähler, dem wir verpflichtet sind, und nur ihm sind wir verpflichtet, den anschließenden Erfolg erkennt, dem verschiedene Prinzipien und Erfahrungen der nationalen und internationalen Politik zugrunde liegen, wobei ich schon sagen muss, dass wir zunächst immer nach heimischen Erfahrungswerten suchen, die, und das möchte ich betonen, meist auch die besseren sind, und fallweise mit Leichtigkeit, wenn auch nicht immer, umgesetzt werden, sodass wir die Wählerin und den Wähler abholen, und zwar dort, wo sie sich selber verorten, um letztlich, in Abstimmung mit dem Koalitionspartner, eine solide Lösung präsentieren zu können.“

Lorenz-Dittlbacher: „Falls Bundeskanzler Kurz angeklagt werden sollte, wie werden sie….“

Kogler: „Das ist ein wichtiges Thema, ein sehr wichtiges Thema, und ich erlaube mir daher, hier ein wenig weiter auszuholen und nicht nur die Thematik einer möglichen Anklage des Bundeskanzlers anzusprechen, obwohl ich natürlich weiß, dass sie hier eine klare Aussage von mir wollen, und ja, die bekommen sie auch, aber zunächst einmal schaue ich mir das Schritt für Schritt an, weil ich das für die bessere Lösung halte, wer mich kennt, der weiß das, und damit komme ich jetzt auf ihre eigentliche Frage zurück, nämlich die Corona-Hilfe, und dass wir natürlich darüber reden müssen, weil man immer wieder den Antragstellern den Vorwurf gemacht hat, sie hätten die Formulare falsch ausgefüllt, wo wir doch die Menschen mitnehmen müssen…..“

Lorenz-Dittlbacher: „Sie weichen meiner Frage aus.“

Kogler: „Ich komme gleich darauf……die Menschen mitnehmen müssen, mit Augenmaß, die Leitplanken unseres Handelns neu ausgerichtet, und ja, da braucht es ein geschärftes Profil, damit wir nicht dahin kommen, wo man immer den Bürgern Dummheit unterstellt, weil das für mich eine rote Linie ist, wie wir sie beim Klima bereits überschritten haben, weil Menschen eben gerne rote Linien überschreiten, wobei ich selbstreflektierend gestehen muss, dass mir das einmal bei der Diskretionsabstandslinie in meiner Bank passiert ist, obwohl das weit weniger schlimm war als diese Formulare, über die ich mit voller Überzeugung sage, mit voller Überzeugung, dass es bei der Dummheit mehr Fingerspitzengefühl braucht, zumal manche Antragsformulare dahingehend verwirrend waren, dass die Einkommensverhältnisse des jeweiligen Antragstellers durch andere geeignete Unterlagen plausibel nachgewiesen werden mussten und meist zu erwarten war, dass die Erklärung keinen zusätzlichen Informationsnutzen, zum Beispiel bei der Plausibilisierung der Fixkosten- und Umsatzaufstellung bringen werden, wodurch der verantwortliche Sachbearbeiter, der für die Auswertung verantwortlich ist, auf die Anforderung weiterer Unterlagen verzichten und einen positiven Bescheid ausstellen kann, der dann, und natürlich dauert es eine Zeit bis dieser zugestellt wird, den Antragstellern jenen Schaden ersetzt, der ihnen auch zusteht.“

Lorenz-Dittlbacher: „Mit Unterstützung der grünen Stiftungsräte wurde Roland Weißmann, der Wunschkandidat der ÖVP, zum neuen ORF-Generaldirektor bestellt. Können sie ihren Wählerinnen und Wählern erklären, warum ihre Partei…..“

Kogler: „In aller Deutlichkeit gesagt, parteipolitische Überlegungen gab es bei uns nicht und Alexander Wrabetz, den ich persönlich sehr schätze, hat mir den Eindruck vermittelt, dass er aufhören möchte, was man ihm auch zugestehen muss, wobei ich schon hinzufügen darf, dass wir uns die Entscheidung nicht leicht gemacht haben, denn wer waren denn die Alternativen, und die haben wir sehr genau hinterfragt, da wir alle unsere Entscheidungen immer hinterfragen, wer mich kennt, der weiß das, weil das für uns als Grüne essentiell ist, quasi unsere DNA, dass alle Entscheidungen hinterfragt werden, unabhängig davon, ob die Entscheidung populär ist oder nicht, wobei es unsere Aufgabe ist, die Aufgaben der Verantwortungsträger zu klären, zumal bei solchen Entscheidungen die Verantwortung nicht bei den Bürgern liegt, sondern, wie auch im Sport, bei den Entscheidungsträgern, wobei die Olympischen Spiele in Tokyo eindrucksvoll unter Beweis gestellt haben, zu welchen Erfolgen unsere Sportlerinnen und Sportler fähig sind, wenn man sie nicht behindert, sondern durch eine kluge und zielgerichtete Förderung an die Spitze bringt, und, das können sie mir glauben, es immer wieder Querschüsse und Begehrlichkeiten aus verschiedensten Richtungen gibt, denen man entgegenwirken muss, wenngleich das nicht immer angenehm ist, zumal ich immer um Konsens bemüht bin, und ja, gerade deshalb, obwohl das von außen oft nicht so gesehen wird, arbeiten wir in der Koalition, mit sachlichen Diskussionen, äußerst konstruktiv zusammen und sind dabei meistens Teil des Problems und nicht Teil der Lösung.“

Lorenz-Dittlbacher: „Danke für das Gespräch.“

Kogler: „Sehr gerne.“

Mehr über den Autor finden Sie hier

Titelbild: ZackZack/ow

Lesen Sie auch

6 Kommentare
Neueste
Älteste Meisten Bewertungen
Inline Feedbacks
Zeige alle Kommentare