Die Ho-kain Affäre

Die Pratersauna von Martin Ho: Ein Drogen-Hotspot? Hatte Strache Recht, als er den Freund des Kanzlers auf Ibiza als „größten Drogendealer“ Wiens bezeichnete? ZackZack hat Beweise für organisierten Drogenhandel im Wiener Club.

 

Benjamin Weiser und Thomas Walach

Wien, 28. August 2021 | „Das ist der größte Drogendealer Wiens“, sagte HC Strache im Ibiza-Video. Gemeint ist Martin Ho (bürgerlicher Name: Anh Tuan Ho). ZackZack-Recherchen beweisen jetzt organisierten Drogenhandel in Hos Pratersauna. Und: Ein Insider beschreibt, wie der Handel mit dem Rauschgift orchestriert wird.

Das Geschäft mit den Drogen brummt

Wiederholt wenden sich Informanten an uns. In einem Lokal von Martin Ho soll mit Drogen gedealt werden. ZackZack will das überprüfen und ist mit einem Kollegen einer österreichischen Tageszeitung in der Pratersauna. Wird dort tatsächlich organisierter Drogenhandel betrieben, oder sind einzelne Dealer im Club tätig?

Am 19. August, einem Donnerstag, fragt unser Kollege einen Mitarbeiter des Lokals ganz offen, ob er Drogen kaufen könne. Antwort: Heute nicht, wir sollten am Wochenende wiederkommen, da würden Drogen verkauft. Wir kommen also am nächsten Tag wieder. Bis etwa 1 Uhr ist wenig los. Dann füllt sich der Club schlagartig. Mit den Gästen tauchen die Dealer auf. Alles ist genauso, wie unsere Informanten es beschrieben haben. Wir sehen, wie mehrere Personen, die den Beschreibungen unserer Tippgeber entsprechen, miteinander reden.

So sieht der Eingang der Pratersauna bei Tageslicht aus. Foto: ZackZack.

Und dann beobachten wir etwas Außergewöhnliches: Die Drogendealer stimmen sich mit dem Sicherheitspersonal des Clubs ab. Ein Securitymitarbeiter hält mit ihnen offenbar eine Art Vorbesprechung ab, scheint einzuteilen, wer in welchem Bereich der Pratersauna arbeitet. Schon zuvor war uns aufgefallen, dass einer der Dealer am Eingang von anderen Security-Leuten offenbar erkannt worden war. Die ließen ihn, an der Schlange der Besucher vorbei und ohne 3G-Kontrolle, in den Club. Für die Sicherheit sorgen uniform schwarz gekleidete, muskelbepackte und einheitlich coronamaskierte Männer. Typ Kampfsportler, Funkgeräte im Ohr, viele mit Vollbart.

Wenn man weiß, wonach man suchen muss, sind die Dealer leicht zu erkennen. Sie sind alleine da, sie tanzen und trinken nicht. Doch immer wieder kommen sie kurz mit Leuten ins Gespräch. Einige Worte werden gewechselt, ein geübter Griff in die Bauchtasche unter dem weiten Hemd, eine schnelle Umarmung unter Fremden und schon ist die Sache gelaufen. Es ist für alle offensichtlich, was da passiert.

Wir wollen ganz sicher gehen und machen den Selbstversuch. Blickkontakt zu einem der Dealer ist schnell hergestellt, das funktioniert nicht anders als bei einem Barkeeper oder Kellner. Ein kurzes Kopfnicken. Mit einer wie zufälligen Geste unter der Nase kann man zeigen, worum es geht. Der Dealer macht eine Kopfbewegung in Richtung der Bar, wo das Gedränge am dichtesten ist. „Was willst du?“, fragt er, als wir dort ankommen.

Kokain aus der Pratersauna. Foto: ZackZack.

„1 Gramm.“ „Kokain?“ „Ja.“

Unsere Informanten sagen, 1 Gramm Kokain wechsle in der Pratersauna zum Preis von 100 Euro den Besitzer. Den Polizisten, denen wir die Drogen am selben Tag übergeben, erscheint das teuer. Aber Qualität kostet eben.

„100 Euro,“ sagt der Dealer. Die haben wir schon vorbereitet. Eine lässige Umarmung, Geld und ein kleines Plastiksäckchen mit weißem Pulver werden in der hohlen Hand ausgetauscht. Das Ganze hat keine Minute gedauert. Innerhalb einer halben Stunde macht alleine dieser Dealer eine ganze Reihe ähnlicher Transaktionen – das Geschäft mit den Drogen brummt in der Pratersauna.

Martin Ho wollte gegenüber ZackZack keine Stellungnahme abgeben.

Insider: „Mindestens 100 Gäste mit Drogen versorgt“

Unsere Recherchen bestätigen die Schilderungen eines Insiders: In keinem anderen Lokal werde Drogenhandel „so offen betrieben wie in der Pratersauna“. Alleine an einem Abend habe „der Dealer mindestens 100 Gäste mit Drogen versorgt“. Dabei musste er „mehrmals Nachschub holen.“

Der Drogennachschub lagert laut dem Zeugen offenbar im hinteren Bereich der Pratersauna, beim sogenannten „Bunker“. Durch den geht es auch in den nicht zugänglichen Bereich des Lokals, wo Ho spezielle Gäste aus Politik und Medien bewirtet. Die geschilderten Szenen sollen sich in den Jahren 2018 und 2019 abgespielt haben.

Faksimile: Der Insider bestätigt seine Aussage an Eides statt.

Strache auf Ibiza: „Das ist der größte Drogendealer Wiens“

Rückblende Sommer 2017: Es ist halb 3 nachts auf Ibiza. HC Strache und Johann Gudenus unterhalten sich über Martin Ho. „Das ist der größte Drogendealer Wiens“, sagt Strache.

Faksimile: Um diese Passage aus dem Ibiza-Video geht es (HCS = Heinz-Christian Strache, JG = Johann Gudenus).

Er fährt fort: Überall in Hos Lokalen gebe es einen Hinterraum – wie das private Zimmer über dem Bunker in der Pratersauna. „Da gehen sie dann nach hinten und haben die Orgien, die Drogenorgien“. Sie, das seien Ho und seine Stammgäste.

Strache und Gudenus glauben zu wissen, dass sich darunter prominente Politiker befinden. „So. Deshalb bin ich einmal froh, dass DU in diesem Scheiß-Club nicht mehr bist!“, sagt Strache zu Gudenus. Ho selbst will davon nichts wissen. Er habe „keine Kenntnis davon, dass hochrangige Politiker in seinem Betrieb Drogen konsumiert hätten“, sagt Ho im Buch der Ibiza-Aufdecker Bastian Obermayer und Frederik Obermaier.

Vorwürfe schon länger bekannt

Bereits in der Vergangenheit geriet Ho immer wieder wegen Drogenvorwürfen in die Schlagzeilen. Am 1. Mai 2020 stellte die Polizei bei einer Razzia in Hos Lokal „Dots im Brunnerhof“ Rauschgift sicher, ZackZack berichtete. Derzeit laufen Anrainer gegen ein neues Projekt von Ho in der Wiener Mariahilferstraße Sturm. Laut „Kurier“-Ausgabe vom 20. August 2021 befürchten sie, dass im „Candy Shop“ mit Drogen gehandelt werden soll. In der Szene ist „Candy“ ein Codewort für Drogen.

Ho habe die Anrainer-Vorwürfe laut „Kurier“ mit einem „entspannten Lächeln“ quittiert. Er sei „Opfer einer Neidgesellschaft“ und orte „politisch motivierte Skandalisierungen“ des Boulevards.

Was tun die Behörden?

Seit Jahren glaubt halb Wien zu wissen, dass man in Hos Lokalen Rauschgift beziehen kann. Die Polizei selbst hat Drogen in einem Ho-Lokal sichergestellt. Die Recherchen von ZackZack beweisen viele der Vorwürfe. Wir haben den Behörden das Kokain aus der Pratersauna übergeben. An die Wiener Staatsanwaltschaft erging  eine Sachverhaltsdarstellung, in der die Vorgänge um den organisierten Drogenhandel in der Pratersauna angezeigt werden. Jetzt sind die Ermittler am Zug.

Lesen Sie demnächst auf ZackZack: Schutz für Martin Ho? So gut ist der Gastronom in höchsten Polit- und Wirtschaftskreisen vernetzt. 

Titelbild: APA Picturedesk

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