In der 4. COVID-Welle:

Wir sind die Mehrheit – Wir wollen Schutz

Wir Geimpfte sind die Mehrheit. Wir wollen Aufklärung statt Propaganda. Wir wollen keinen Lockdown. Wir wollen Schutz für Kinder und Risikogruppen. Und für uns selbst.

 

St. Katharein, 5.9.2021 |

  1. „Ich lass mich doch jetzt nicht impfen mit dem alten Impfstoff. Ich warte, bis der neue kommt, gegen den Delta keine Chance hat. Und auch das, was nach Delta kommt.“
  1. „Ich will durch die Impfung nicht unfruchtbar werden. Ich will noch Kinder.“
  1. „Wir haben die Pandemie gemeistert.“

Die ersten beiden Sätze stehen für Ängste. Den Satz eins habe ich von einer steirischen Krankenschwester gehört, den zweiten lese ich jeden Tag im Netz. Nur der dritte Satz ist eine Lüge. Er stammt vom Bundeskanzler.

Die giftige Mischung aus Ängsten und Lügen führt zur Impfverweigerung und damit gerade in die vierte Welle. Sie bringt volle Intensivstationen im Herbst und leere Hotelbetten im Winter. Menschen werden sterben und Betriebe zugrunde gehen. Wenn es viel zu spät ist, wird der Wirtschaftskammerpräsident gemeinsam mit Tiroler Aufstiegshilfe-Unternehmern einen absurden Vorschlag machen. Der Gesundheitsminister wird erklären, dass er Fehler gemacht hat – und daraus lernen will.

Nach drei Wellen wissen wir alle, dass es längst anders geht. Die vierte Welle hat sich lange genug angekündigt. Es ist keine Kunst, an bestimmten Punkten der Entwicklung Maßnahmen zu setzen. Jeder Beamte im Gesundheitsministerium kann sagen, ab wann FFP2-Masken wieder flächendeckend gebraucht werden; ab wann Lehrer und Gesundheitspersonal geimpft sein müssen; ab wann aus der 3G-Regel eine 2G-Regel für Geimpfte und Genesene werden muss.

Kampf um Stimmen statt gegen COVID

Aber das wichtigste ist Aufklärung. Gegen Impfangst hilft nur Information, genau und gezielt. Die Frauen, die sich Schutz vor COVID und Kinder wünschen, wollen ebenso genau informiert sein wie die Krankenschwester, die abwartet statt impft. Die meisten von ihnen sind erreichbar. Aber sie haben Pech: Im Juni hat der Bundeskanzler Pandemiemanagement und Krisenkommunikation vom Roten Kreuz übernommen. Seitdem geht es um Wahlsiege und nicht um den Sieg im Kampf gegen die Pandemie. ÖVP und Grüne sind sich offensichtlich einig, dass der oberösterreichische Wahlkampf nicht durch Maßnahmen gestört werden darf.

„Der Impfmotor hat nicht nur gestottert, sondern er ist zum Erliegen gekommen“, stellt der Simulationsexperte Niki Popper fest. Im Frühjahr war der Impfstoff knapp. Jetzt fehlen die Impfwilligen. Von Kurz bis Mückstein wissen alle, dass die Politik vor dem Beginn einer Welle eine einzige Entscheidung trifft: niederschwellige und weiche Maßnahmen sofort oder harte Zwangsmaßnahmen, wenn es zu spät ist. Die Regierung hat sich für den zweiten Weg und damit für den Lockdown entschieden.

Wir sind die Mehrheit

Damit ist klar, dass beides kommt: die Impfpflicht und das Aussperren der Ungeimpften. Italien zwingt das Gesundheitspersonal zum Impfen, weil es nicht mehr anders geht. Das kommt auch bei uns. Wer sich nicht impfen lässt, darf nicht mehr pflegen oder unterrichten. Wer nicht geimpft ist, kann allein zu Hause Heimdisco machen. Wir Geimpfte werden durchsetzen, dass Kinder, Risikopatienten und auch wir selbst vor denen geschützt werden, die sich weigern, etwas zum gemeinsamen Schutz beizutragen. Wir können dem Schwindelkanzler und seinem Gesundheitsminister auch ohne gelbe Westen klarmachen, dass wir die Mehrheit sind. Im Zweifel wird sich Sebastian Kurz auf unsere Seite schlagen.

Das Recht der Minderheit

Impfgegner sind auch in Österreich eine Minderheit. Auch daher verdienen sie Schutz, wie jede Minderheit, etwa Krebspatienten oder Unfallopfer. Erste Krankenhäuser melden, dass ungeimpfte COVID-Kranke bereits so viele Intensivbetten belegen, dass Patienten aus beiden Gruppen warten müssen. Wer übernimmt hier die Verantwortung? Wer schützt diese Minderheiten?

Es stimmt: Grundsätzlich haben alle das Recht, selbst zu bestimmen, ob sie geimpft werden oder nicht. Aber endet dieses Recht dort, wo es die Gesundheit vieler anderer gefährdet? Oder ist das Nicht Impf-Recht im Gegensatz zu vielen anderen Rechten grenzenlos?

In einem Rechtsstaat ist auch das eine Frage der Abwägung. Dabei geht es um zweierlei: um ein gutes, tragfähiges Ergebnis und um die Sicherheit für die Betroffenen, dass sie ernst genommen werden und Gehör finden.

Aber bis zu einer drohenden schwerwiegenden Entscheidung gibt es noch die Chance, Menschen Ängste und Sorgen zu nehmen. Vielleicht sollten sich verantwortungsbewusste Bundesländer wie Wien, Vorarlberg und das Burgenland zusammenschließen und zeigen, dass es mit sachlicher Information und Vertrauen und ganz ohne Propaganda geht.

In wenigen Wochen ist auch diese Chance vorbei. Dann geht es um Lockdown und Impfpflicht für alle. Dann können wir uns gegenseitig am Telefon erzählen, dass das diesmal nicht notwendig gewesen wäre.

p.s.: Gleich hier eine Antwort auf die wichtige Debatte, die gerade zu meinem Kommentar im ZackZack-Forum geführt wird: Ich will nicht nur einen Lockdown, sondern auch eine generelle Impfpflicht vermeiden. Dazu müssen wir gemeinsam die 4. Welle brechen, solange das noch geht – mit Aufklärung, Überzeugung, aber auch mit allen Maßnahmen, die wie eine 2G-Regel dem gemeinsamen Schutz dienen. Wenn wir das nicht schaffen, stehen wir genau vor den Entscheidungen, die wir vermeiden wollten.

Titelbild: APA Picturedesk

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