Bitcoin offizielles Zahlungsmittel

El Salvador setzt auf Kryptowährung

Im mittelamerikanischen El Salvador kann man ab morgen seinen Kaffee mit Bitcoin bezahlen. Beim riskanten Schritt von Präsident Bukele gibt es Gegenwind im In- und Ausland.

 

San Salvador/Wien, 06. September 2021 | Der Aufschrei vieler Währungs- und Wirtschaftsexperten hat nichts gebracht: Ab morgen, Dienstag, kann man in El Salvador mit der Kryptowährung Bitcoin bezahlen.

In dem mittelamerikanischen Land, wo der US-Dollar als Währung fungiert, führt man damit ein zweites offizielles Zahlungsmittel ein. Künftig sollen die beiden Währungen konvertibel sein. Das heißt, dass der Dollar in Bitcoin und umgekehrt an eigens dafür geschaffenen Geldautomaten umgetauscht werden kann.

30 Dollar Startbonus

Wer das Projekt von Präsident Bukele unterstützt, erhält 30 Dollar Startbonus auf sein Wallet, eine Art digitale Geldbörse. Trotzdem dürften nach einer Umfrage der Universidad Centroamericana ungefähr 70 Prozent der Salvadorianer die Kryptowährung ablehnen. Immer wieder kommt es zu kleinen Demonstrationen in der Hauptstadt San Salvador. Einzelne Händler kündigten an, weiterhin nur Dollars als Zahlungsmittel zu akzeptieren.

Für die rund 70 Prozent der Menschen ohne Zugang zu Bankdienstleistungen, wie etwa einem Konto, könnte die digitale Währung allerdings große Vorteile mit sich bringen. Bisher waren viele dieser Menschen auf Geldtransaktionen von Auslandssalvadorianern angewiesen, die bei Unternehmen wie Western Union gegen Gebühren entgegennahmen. In Zukunft könnten diese Überweisungen gebührenfrei vonstattengehen.

Bitcoin als Zahlungsmittel?

Unberechenbarer Wechselkurs

Der Besitz von Kryptowährungen ist riskant. Erhebliche Kursschwankungen stehen bei Bitcoin und Co. an der Tagesordnung. Wer sein Geld in Form von Bitcoins anlegt, kann zwar hohe Gewinne, aber auch horrende Verluste einfahren. Anfang 2020 kostete ein Bitcoin noch rund 7.000 Euro. Heute muss man dafür etwa 43.000 Euro hinblättern. Die 30 Dollar Startbonus wären demnach 0,00058 Bitcoin wert (je nach tatsächlichem Kurs). Handeln kann man jedoch auch mit Anteilen von Bitcoins.

Was für Spekulanten mit Risikopotential im Schadensfall verschmerzbar ist, könnte für den Durchschnittsbewohner El Salvadors der finanzielle Ruin sein.

Gegen Aufklärung und Sanktionen

Präsident Bukele scheint sich von der Kritik seiner Gegner nicht beirren zu lassen. Diese werfen ihm vor, mit der Einführung von Kryptowährungen als Zahlungsmittel zu kriminellen Geldflüssen aus dem Drogen- und Waffenhandel beizutragen.

Bitcoins sind dezentral organisiert. Aus Antikorruptionsvereinbarungen ist El Salvador erst kürzlich ausgestiegen. Zudem hofft man auf hohe Investitionen von Kryptofans und Techfanatiker. Töne aus den USA und vom IWF werden gegenüber dem hochverschuldeten Land immer rauer.

Experten mutmaßen, dass Bukele mögliche Finanzsanktionen der USA mit der Zirkulation der Kryptowährung umgehen möchte. „Technikfreaks anzulocken ist das eine, sich in eine Geldwäscher- und Steuerhinterzieher-Hochburg zu verwandeln das andere“, warnte etwa Julia Yansura vom Global Financial Integrity Institute in Washington.

(dp)

Titelbild: APA Picturedesk

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