Corona-Tests für Schüler im Fokus:

»Wiener System besser als Bund«

Wie läuft der Schulbeginn in Wien, Burgenland und Niederösterreich an? Die verordnete Sicherheitsphase erfordert erheblichen Mehraufwand, insbesondere was die Tests angeht. ZackZack hat sich umgehört.

Wien, 06. September 2021 | In Wien, Niederösterreich und dem Burgenland läuten ab Montag wieder die Schulglocken: Für insgesamt 490.000 Kinder und Jugendliche hat das neue Schuljahr begonnen.

Sie starten in Corona-Zeiten mit einer dreiwöchigen „Sicherheitsphase“. Dazu gehört das Tragen eines Mund-Nasenschutzes außerhalb der eigenen Klasse sowie das drei Mal wöchentliche Testen, mit mindestens einem PCR-Test.

Hoher Andrang bei Apotheken

Auch für den ersten Schultag soll ein negatives Covid-Testergebnis vorliegen. Die Eltern sollen demnach entweder bereits vor Schulbeginn mit ihren Sprösslingen testen gehen, oder am Wochenende. Wer am Montagmorgen durch Wiens Straßen spaziert ist, dem sind womöglich Schlangen von Eltern und Schülern vor Apotheken aufgefallen. Der Andrang auf Tests in den Apotheken soll heute Früh außergewöhnlich stark gewesen sein, erfährt ZackZack von zwei Wiener Apotheken.

Wer ohne Test zur Schule kommt, kann auch an der Schule getestet werden. Dazu ist jedoch das Einverständnis der Erziehungsberechtigten notwendig. Infos dazu soll es per Mail am vergangenen Ende der Woche gegeben haben, erzählen Eltern im ZackZack-Gespräch. So erhielten sie Infos zum Testablauf an der Schule sowie die blanko-Einverständniserklärung, die bis Montagfrüh vor 8 Uhr in der Schule aufliegen müsse (also per Mail).

Was, wenn Kinder ohne Einverständniserklärung und Test an die Schule kommen? ZackZack hat mit Robert Stiedl, dem Leiter Stabsstelle Kommunikation und Büroleiter des Wiener Bildungsdirektors, gesprochen. Sollte ein Kind ohne Einverständniserklärung und Test an die Schule kommen, wird es nicht nach Hause geschickt. Es wird ein Test an der Schule gemacht, und die Einverständniserklärung könne von den Eltern nachgereicht werden, so Stiedl.

Sonderweg Wien

In Wien kommen unterschiedliche Tests zum Einsatz. Dabei wird ein Test-Sytem („Spültests“) vom Bund und eines vom Land Wien zur Verfügung gestellt. Die Jüngeren werden dabei mittels der „Alles spült“-Tests, die Älteren mittels der „Alles gurgelt“-Tests getestet.

Von der Webseite der Bildungsdirektion Wien

Robert Stiedl erläutert: “Vor allem das ‘Alles gurgelt’-System läuft sehr gut. Das System ist ja über ein Jahr erprobt, auch die Online-Plattform wurde upgedatet.” Land und Bund hätten sich unkompliziert auf die beiden Test-Systeme geeinigt, so Stiedl.

In Niederösterreich wiederum kommen Montags und Freitags Nasenbohrer-Tests sowie Dienstags die PCR-Spültests zum Einsatz. Diese würden vom Ministerium zur Verfügung gestellt, so die Auskunft aus der NÖ-Bildungsdirektion.

Dachverband mit Kritik an Spül-Tests

Evelyn Kometter, Vorsitzende des Dachverbands der Elternvereine, kritisiert im Gespräch mit ZackZack, dass die Logistik der Spültests „nicht reibungslos funktionieren kann“. In den Schuldirektionen würden sich die Tests vom Bund stapeln. Babei wisse niemand, ob sie korrekt gelagert würden und ob sie ohne lange Zwischenlagerung abgeholt würden. Dies sei am ersten Schultag noch unklar.

„Was wir ankreiden ist, dass weder die Lehrpersonen noch die Schulleitungen mit dem Testverfahren vorab konfrontiert und eingeschult worden sind – eigentlich sagen alle ‘das ist ein Schas, der Nasenbohrtest war besser'”, so Kometter.

Wiener Eltern fordern zwei PCR-Tests wöchentlich

Karl Dwulit, Vorsitzender des Landeselternverbands Wien, beschreibt die Test-Situation an den Schulen als „kompliziert, aber handlebar“. Aus Sicht der Elternvertreter sei „diese Mischungen aus Bundessystem und der aus unserer Sicht besseren Wiener Lösung unglücklich gelaufen. Ich weiß nicht, warum das Ministerium sich da auf ein System versteift hat, das Kinder am Wochenende benachteiligt.“

Das Ministerium habe dafür gesorgt, dass Kinder nur von Montag bis Freitag gültig getestet seien, das Wochenende falle aber ungetestet aus. Das „Wiener System“ sei da besser, so Dwulit: „Der Bundeskanzler hat schon oft gesagt ‘koste es, was es wolle’. Dass dann bei Familien und Schulen gespart wird, sehe ich nicht ein. Warum nur ein PCR-Test pro Woche? Da ist unsere Haltung: wer es einmal schafft, schafft es auch ein zweites Mal.“

Vorerst 106 positive Tests am ersten Schultag

Am ersten Schultag sind in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland vorerst insgesamt 106 positive Antigentests registriert worden (Stand 06.09., 14.19 Uhr). Der größte Anteil entfiel dabei mit 63 auf Wien, in NÖ waren es 35 und im Burgenland acht Positiv-Tests, hieß es auf APA-Anfrage aus Gesundheitsbehörden und Bildungsdirektionen. Die Ergebnisse gelten gesundheitsbehördlich jeweils als Verdachtsfälle, die durch aussagekräftigere PCR-Tests bestätigt werden müssen.

(lb)

Titelbild: APA Picturedesk

Lesen Sie auch

8 Kommentare
Neueste
Älteste Meisten Bewertungen
Inline Feedbacks
Zeige alle Kommentare