Fehlstart für digitale Schule

Windows-Geräte erst zum Jahreswechsel da

Geht es nach Bildungsminister Faßmann, sollten zum Schulstart auch Tablets ausgehändigt werden. Doch die kommen wohl erst im neuen Jahr.

 

Wien, 08. September 2021 | Die Digitalisierungsoffensive der Bundesregierung startet holprig ins neue Schuljahr. Geplant war, ab September Lehrer und Schüler von 1.502 Schulen mit rund 150.000 Geräten auszustatten. Ein Selbstkostenbeitrag in Höhe von 100 Euro soll von den Erziehungsberechtigten übernommen werden, den Rest zahlt der Bund.

Rund ein Viertel der Schulen bestellte Windows-Tablets. Auf die müssen Lehrkräfte sowie Schüler zwischen zehn und zwölf Jahren allerdings noch warten: Wegen eines Problems bei der Ausschreibung verzögert sich die Auslieferung der Tablets bis mindestens Weihnachten. Das berichtet die Agentur für Bildung und Internationalisierung (OeAD). Faßmanns Bildungsministerium bestätigte auf Nachfrage, dass für die Ausschreibung kein passender Auftragnehmer gefunden werden konnte. Für die anderen Geräte bekamen die OMEGA Handelsgesellschaft m.b.H und die CANCOM a+d IT Solutions GmbH die Zuschläge.

Fehlende Konzepte

Bildungsexperte Andreas Salcher bemängelt vor allem die fehlenden pädagogischen Konzepte der Bundesregierung: „Dieser wichtige Schritt ist dringend notwendig. Entscheidend ist es allerdings, nicht nur Tablets zu verteilen, sondern die Lehrkräfte auf ihre neue Rolle vorzubereiten.” Zum Potential des digitalen Klassenzimmers sagt Salcher, Priorität sei, “dass technologische Angebote immer im Dienst der Pädagogik konzipiert und umgesetzt werden. Erst durch die konsequente Verknüpfung der drei Faktoren ‘Pädagogische Konzepte’, ‘Kompetenzen und Motivation der Lehrenden’ und ‘Funktionierende und benutzerfreundliche Technologie’ können die Potentiale der Digitalisierung für das Schulwesen genutzt werden.”

Die Bundesregierung investiert ihre 250 Millionen Euro zu über 90 Prozent in die Geräte. Pädagogische Maßnahmen oder etwa unterstützende Lernsoftware, bleiben damit weitgehend auf der Strecke.

Kritik von SPÖ und NEOS

Die SPÖ zeigt sich mit der Gerätebeschaffung zwar grundsätzlich einverstanden, fordert aber, dass diese für die Eltern gratis sein sollen. Zudem pocht man auf bessere Ausbildung der Lehrkräfte: “Um die digitale Weiterentwicklungen des Schulsystems entsprechend pädagogisch begleiten zu können, bedarf es zusätzlicher LehrerInnen-Ressourcen”. Die Hausübung in Zukunft auf Word statt auf Papier zu schreiben, sei konzeptuell zu wenig, so ein SPÖ-Sprecher. Außerdem müsse zuerst flächendeckendes Breitbandinternet in Österreich zur Verfügung gestellt werden.

Ähnlich sieht man das auch bei den NEOS. Bildungssprecherin Künsberg Sarre macht gegenüber ZackZack deutlich: „Ein bisschen Digitalisierung ist zu wenig. Digitale Endgeräte spielen eine wichtige Rolle, doch alleine helfen sie auch nichts. Noch immer nehmen zu wenig Lehrerinnen und Lehrer an Fortbildungen zur Digitalisierung teil und haben damit nicht das Fachwissen um digitale Kompetenz vermitteln zu können. NEOS fordern deshalb verpflichtende Fortbildungen in diesem Bereich. Aber auch beim Schulbau oder bei Sanierungen müssen Klassenzimmer entsprechend für digitalen Unterricht vor Ort adaptiert werden.“

(dp)

Titelbild: APA Picturedesk

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